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Verkündigung und Dialog

21. September 2012 in Kommentar, 5 Lesermeinungen
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Wenn ich den Glauben verkünde, kann ich das nur, indem ich über mich hinaus verweise: Der Blick geht zu Gott. Doch wenn man den Blick weg von Gott auf sich selbst richtet, geht es in die falsche Richtung. Ein Kommentar von Bastian Volkamer


Düsseldorf (kath.net/EchoRomeo) Jesus wünscht, man solle in jedem Mitmenschen Ihn erkennen: „Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Das heißt, der Blick geht durch den Menschen zu Gott. Dieser Blick ist angemessen, denn der Mensch ist Gottes Ebenbild. Sein Wert wird erst in diesem Licht wirklich erkannt.

Unangemessen hingegen ist die Verdrehung dieser Aufforderung, man solle Gott nur im Menschen finden - was über das Menschliche hinausgeht, sei sinnlos. „Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar… Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?“ (Joh 12,3-5) Der Blick auf Gott bleibt beim Menschlichen stecken. Er sucht eine Lösung dort, wo es keine gibt, und endet in der vermeintlichen Erkenntnis der eigenen Wertlosigkeit.

Der Blick auf Gott bringt den Wert des Menschen hervor, der auf den Menschen fixierte Blick lässt beides schwinden, Gottesbeziehung und Menschenwürde. Der Grund ist klar: da Gott in jeder Hinsicht größer ist, als der Mensch, muss er kleiner werden und seine Größe verlieren, wenn man ihn am Menschlichen zu definieren versucht. Der Mensch hingegen wächst, wenn Gott durch ihn scheint. Das Kleinere findet im Größeren Raum – umgekehrt nicht.


"Ich glaube an Christus, so wie ich glaube, dass die Sonne aufgegangen ist, nicht nur, weil ich sie sehe, sondern weil ich durch sie alles andere sehen kann." - C. S. Lewis, Ist Theologie Dichtung?

Gott umfängt den Menschen und sein Leben.

Wenn ich also den Glauben verkünde, kann ich das nur, indem ich über mich hinaus verweise. Der Blick geht zu Gott. Selbstverständlich ist Verkündigung mehr als das Reden über Prinzipien. Sie kann gar nicht anders, als von der Lebenssituation dessen auszugehen, dem verkündet wird. Deshalb ist das Hören ein wesentlicher Teil der Verkündigung. Sie bleibt jedoch nicht dabei stehen, sondern sie taucht diese Lebenssituation in ein neues Licht, das Licht des Glaubens, in dem vieles anders beurteilt wird. Lösungen werden langsam sichtbar, aber auch neue Probleme: ich werde durch Liebe und Vergebung befreit, erkenne aber zugleich auch immer klarer, wo ich stehe und wie sehr ich Gott brauche. Das wieder führt mich einen Schritt weiter. Verkündigung ist nicht nur Belehrung – sie ist auch Austausch in Wort und Tat. Sie ist Dialog auf dem Weg zu und im Blick auf Gott und endet im Gebet.

Was Verkündigung jedoch nicht sein kann, ist der umgekehrte Weg, der Weg, auf dem der Blick von Gott weg auf mich selbst gerichtet wird. Es geht in die falsche Richtung, wenn ich nicht mehr auf den Menschen höre, um ihm Gott zu zeigen, sondern wenn ich auf ihn höre, um Gottes Willen nach dem Gehörten umzudeuten. Nicht mein Leben erscheint dann im Lichte Gottes, sondern Gott erscheint im Lichte meines Lebens, was so zum Maßstab wird. Die Lösungen, die dann sichtbar werden, bestehen darin, dass Gott, der immer mehr meiner Situation angeglichen wird, mich immer weniger infrage stellt. Dazu muss ich natürlich gehört werden. Verkündigung ist hier Dialog auf dem Weg zu mir selbst und im Blick auf mich selbst. Sie endet, da Gebete zu Selbstgesprächen werden, in Forderungen an die Menschen, denen ich fälschlicherweise zutraue, sie könnten Gott neu definieren: an die Kirchenleitung.
Paradoxerweise gehen diese kirchenkritischen Forderungen, die die Kurie zum Herrn über Gott erheben, von einer Autorität des Papstes und seiner Leute aus, die selbst dem dogmatischsten Traditionalisten zu viel wäre.

Wenn es in der Kirche einen Dialog geben soll (und muss!), dann sollte klar sein, worin er besteht. Versuche ich, im Gespräch die Lebenssituation vieler Menschen besser zu begreifen, um ihnen Gott näher zu bringen, ist das sinnvoll und wichtig. So kann Evangelisation beginnen. Der Dialogprozess könnte der erste Schritt zu einer großen Welle der Bekehrungen und Glaubensvertiefung werden.
Wenn ich aber das Gespräch suche, um den Glauben daran neu zu definieren, wenn ich es als Ziel ansehe, auf dieser Basis lehramtliche Entscheidungen zu treffen, dann maße ich mir eine Autorität an, die ich nicht habe: Gott ist das Licht, nicht ich. Dann habe ich die Verkündigung ersetzt durch den Versuch, das Große in das Kleine zu stecken und bin so dabei, es zu verlieren.

Die Tatsache, dass Verkündigung immer auch dialogisch ist, bedeutet nicht, dass jeder Dialog automatisch richtig ist. Heilvoller Dialog über Gott geschieht im Lichte Gottes. Er endet nicht mit der Bestandsaufnahme, sondern im Gebet. Ein Prozess, der darauf beruht, dass die eine Seite Gott verkünden, die andere aber seine Lehre verändern will, ist kein Dialog, sondern institutionalisiertes Aneinandervorbeireden. Am Ende bleiben Verwundungen auf beiden Seiten und vielleicht gar der merkwürdige Versuch, den unendlichen Gott in Kompromisse zu fassen, die naturgemäß nicht einmal mehr so groß sind wie die Erkenntnis eines Einzelnen.
Die Berichte, die man vom derzeitigen Dialogprozess hört, legen, wie ich meine, dringend nahe, ihn auf die Logik hin zu überprüfen, die ihm zugrunde liegt.

Bastian Volkamer führt gemeinsam mit Peter Esser den Blog "Echo Romeo"


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