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Pater Karl Wallner: 'Christ, werde wesentlich!'

10. September 2011 in Deutschland, 6 Lesermeinungen
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Der Theologieprofessor sagte auf dem Kongress „Freude am Glauben“: „Mir tun unsere Bischöfe herzlich leid, dass sie immer nur über Strukturthemen gefragt werden“.


Karlsruhe (www.kath.net/pl) „Ist dies nicht geradezu ein Witz der Geschichte, dass heutzutage es der Papst ist“, der die „Dogmatisten des Materialismus“ ermahnt, „die Kraft des Denkens“ zu aktivieren, sagte Pater Karl Wallner in seinem Vortrag auf dem Kongress „Freude am Glauben“. Der Zisterziensermönch und Theologieprofessor führte mit Blick auf den bevorstehenden Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. aus, dass er als Österreicher das Gefühl nicht loswerde, „dass viele nicht die historische Dimension dessen erkannt haben, dass 2005 ein deutscher Intellektueller, ein Professor aus dem Land der Denker und Dichter, in das universale Petrusamt gewählt worden ist“. Wallner verwies in diesem Zusammenhang auf ein Wort des „mittlerweile zum katholischen Bekenner mutierte Matthias Matussek“, der den Papst einen „Einstein der Theologie“ nannte.

Wallner kritisierte das liberale Denken der Gegenwartskultur. „‚Liber‘ heißt auf lateinisch ‚frei‘ und „liberal“ steht heute für das meistens recht unphilosophische Freiseinwollen von Idealen und Formen und vor allem von gültigen Antworten auf das Letzte des Lebens.“ Damit sei aus dem „„Freisinn“ der Zeit der Aufklärung, der ursprünglich eine Wahrheitssuche sein sollte, „ein regelrechter Unsinn geworden der sich in einer billigen hedonistischen Weltsicht beheimatet und dem der Atem auf das Große und Ganze fehlt.“ Wallner erlebe es als Priester dramatisch, „dass viele Menschen trotz des immer noch herrschenden Wohlstandes im Inneren frustrierend leer sind“. Wohl auch deshalb steige die Zahl psychischer Erkrankungen so „eklatant“ an. „Unsere Wohlstandswelt ist in Wirklichkeit ein großer Betonsarg, in dem wir uns noch so angenehm einrichten können. Solange der Blick auf den Himmel nicht wieder frei ist, solange wir nicht den Deckel wegstemmen, durch den uns die materialistische Zeitgeistmentalität regelrecht eingesagt hat, werden wir unerfüllt, unglücklich, frustriert und depressiv bleiben.“


Wo der menschliche Geist aber nicht auf das Innerste und Unbedingte der Wirklichkeit hin atmet, da besteht die Gefahr, in einer sehr banalen Innerweltlichkeit zu ersticken. Ich erlebe das als Priester dramatisch, dass viele Menschen trotz des immer noch herrschenden Wohlstandes im Inneren frustrierend leer sind. Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt wohl auch deshalb so eklatant, weil uns der Ausblick auf die Transzendenz, auf das letzte fehlt. Wir haben den Gedanken an Gott, an Himmel und Ewigkeit aus unseren Herzen getilgt und deshalb fehlt uns auch Sinn und Ziel der Zukunft.

Die Lebenssinnlösungen, die uns heute unter dem Motto angeboten werden, erläuterte der Heiligenkreuzer Mönch, etwa „Wir leben um zu leben“ oder östlich-religiös verbrämt „Der Weg ist das Ziel“, das seien keine Lösungen. „Das sind bestenfalls Vertröstungen, pseudophilosophische Beruhigungstabletten, die uns über die existenzielle Depression angesichts der Unerfüllbarkeit und letzten Sinnlosigkeit unseres Lebens hinwegschweben sollen. Es nützt alles nichts, wir brauchen eine Antwort auf das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Also das, was unserem Leben im letzten Sinn gibt und Grund und damit hier und jetzt wertvoll und lebenswert macht. Diese Antwort hat Gott uns im christlichen Glauben gegeben. Die Kirche gibt die Antworten, die auf das Ganze gehen.“ „Die faustische Frage nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, trägt für uns die Antwort: Die Offenbarung göttlicher Liebe in Jesus Christus.“

Pater Wallner diagnostiziert nicht zuletzt auch einen „innerkirchlichen Verlust des Wesentlichen“. „Heute müsste man uns Christen zurufen: Christ, werde wesentlich!“ „Das Christentum ist eine irdische Schale, die einen göttlichen Kern in sich verbirgt.“

Aufgrund des Papstbesuchs in Heiligenkreuz und vor allem des unvorhersagbaren Erfolgs der CD „Chant“ der Klostergemeinschaft ist Pater Karl Gast in Dutzenden Fernsehshows gewesen und häufig interviewt worden, doch sei er dadurch „fromm geworden wie noch nie in meinem Leben zuvor“ bekannte er. „Denn ich habe gesehen, wie sehr die Menschen sich nach Gott, nach dem Wesen, nach dem Innersten, das die Welt eben zusammenhält, sehnen.“

In England sei er beispielsweise gefragt worden „Are you with the Dalai Lama? No, I am with the Pope! O, that´s the man from Poland! No, that´s the man from Germany!”. Jene Fragen, die die Menschen wirklich bewegen, würden ihm häufig nicht von den kirchlichen Journalisten gestellt, sondern von den weltlichen: “Kann man wirklich mit Gott sprechen?“ „Was fühlen Sie, wenn Sie täglich drei Stunden beten?“ „Ich habe es als große Gnade verstanden“, sagte Pater Karl, „dass wir mit dem Thema ‚Gregorianischer Choral‘ und damit eben Gebet, christliche Spiritualität in der Öffentlichkeit waren. Mir tun unsere Bischöfe herzlich leid, dass sie immer nur über Strukturthemen gefragt werden.

Foto Pater Karl Wallern Ocist: kath.net/Lorleberg


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