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Weder Verflachung noch 'Barrikadendenken'

10. Dezember 2008 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Das Gebot der Stunde sei, mit fundierter eigener Überzeugung in den Dialog mit anderen einzutreten, sagte Bischof Marx am 8. Dezember.


München (kath.net/ok) Die Christen in Deutschland stehen nach den Worten des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Marx, immer stärker in der Herausforderung, in einer Gesellschaft mit vielfältigen Weltanschauungen und Religionen zu leben, auch mit einem erheblichen Anteil von Personen, die nicht gläubig sind.

Dazu müssten sie entschieden das Besondere ihres Glaubens erkennen und sich in dessen Tiefen hinein nehmen lassen, sagte Marx am Montag Abend, 8. Dezember, im Münchner Liebfrauendom. Er feierte den Gottesdienst zum Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, das zugleich Patrozinium des Domes ist.

Noch nie zuvor hätten so viele Menschen verschiedener Religion oder Weltanschauung in den Städten und auch auf dem Land gelebt. Auf die Frage, wie man in einer Gesellschaft leben könne, die vielfältig sei und doch nach gemeinsamen Grundlagen suche, werde von den Christen eine Antwort erwartet.

Dazu müssten sie nicht den Wahrheitsanspruch des Christentums relativieren. Sie dürften sich auch nicht in Nischen zurückziehen. Die Zukunft des Christentums liege weder in einer Verflachung noch in einem „Barrikadendenken“, das sich verschanze. Das Gebot der Stunde sei, mit fundierter eigener Überzeugung in den Dialog mit anderen einzutreten.

In der jüdisch-christlichen Tradition des Glaubens suche Gott leidenschaftlich nach dem Menschen. Die Suche Gottes nach dem Menschen ziehe sich durch die ganze Geschichte. Keiner werde in eine heile Welt geboren, keiner werde geboren, ohne in Schuld in seiner Familie, seinem Volk oder seiner Kultur verstrickt zu sein.

Aber nach dem christlichen Glauben sei der Mensch darin nicht gefangen. Es gebe für ihn das Angebot der Gnade und der Liebe Gottes. Gott suche den Menschen aus Liebe und lasse sich von der Suche nach ihm nicht abbringen. Dieser Glaube sei keineswegs selbstverständlich für alle Religionen, sagte Marx.

Zu Beginn des Gottesdienstes rief der Erzbischof zum Gebet für die katholische Kirche in China auf. Die Gläubigen sollten das Anliegen der dort lebenden Christen in ihr Gebet hinein nehmen. Marx konzelebrierte mit zwei Priestern aus der Volksrepublik China, darunter der Regens des Priesterseminars der im Nordosten Chinas gelegenen Diözese Jilin. Der Bischof von Jilin, Damasus Zhang Han-Min (82), der erwartet worden war, hatte kurzfristig seinen Besuch abgesagt.


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