Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  2. "Ein Schisma und mein Ausstieg aus der Priesterbruderschaft St. Pius X."
  3. Medjugorje: Brandanschlag und Schändungen kurz vor Jugendfestival
  4. Die US-Bischöfe fördern die natürliche Familienplanung
  5. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  6. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  7. Neues Video bringt Sea-Watch unter schweren Verdacht: Zusammenarbeit mit bewaffneten Schleusern?
  8. Pax tecum – Wenn der Papst über Frieden spricht
  9. 'Weihnachten im Juli': Der Gedenktag der Heiligen Drei Könige
  10. Festnahme nach Schändungen in Medjugorje - Bischof ruft zu Gebet auf
  11. Vatikan dementiert Berichte über Ende des Rupnik-Verfahrens
  12. Vatikan stuft schottische Mönche nach unerlaubter Bischofsweihe als exkommuniziert ein
  13. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  14. Deutsches Auswärtiges Amt verzichtet auf Genderschreibweise
  15. Papst ruft zu christlichem Lebensstil im Urlaub auf

‚Christ sein heißt politisch sein’

30. November 2011 in Interview, 11 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Kardinal Marx zum Verhältnis von Kirche und Staat. Von Christoph Renzikowski (KNA)


München (kath.net/KNA) Am 25. Dezember hat nicht nur Jesus Geburtstag. Der Mainzer Bischof und Sozialreformer Wilhelm Emmanuel von Ketteler wäre am diesjährigen Weihnachtstag 200 Jahre alt geworden. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sprach mit dem Münchner Kardinal Reinhard Marx, dem Sozial- und Wirtschaftsexperten der Deutschen Bischofskonferenz, über das Vermächtnis dieses großen Kirchenmanns.

KNA: Herr Kardinal, feiern Sie Weihnachten dieses Jahr intensiver als sonst?

Marx: Durch sein Geburtsdatum ist Ketteler sozusagen ein Christkind, dadurch erhält Weihnachten für mich gewiss einen besonderen Akzent. Aber das Wichtigste bleibt doch, dass Christus geboren ist, das ist das Überwältigende an Weihnachten.

KNA: Ein Theologe hat Ketteler und Sie als «Brüder im Geiste» bezeichnet. Fühlen Sie sich da richtig getroffen?

Marx: Ja, ganz klar. Als Bischofsgestalt wie als Sozialethiker ist er schon eine Leitfigur für mich.

KNA: Christ sein heißt politisch sein - auf diese Formel bringen Sie sein Vermächtnis in Ihrem neuen Buch. Wo verläuft die Grenze zwischen notwendiger politischer Einmischung und «Politisiererei»?

Marx: Die Kirche kann sich nicht an die Stelle von Politikern oder auch Wirtschaftsfachleuten setzen und Sachfragen lösen. Dafür hat sie keine Kompetenz. Aber bei den Prinzipien, die natürlich auch gut begründet sein müssen, haben wir etwas beizutragen.

Eine zentrale Einsicht Kettelers lautet: Soziale Gerechtigkeit gehört unmittelbar zum «depositum fidei», also zum Glaubenskern dazu und ist kein Anhängsel. So deutlich hat das vor ihm noch keiner gesagt. Alles, was den Menschen berührt und betrifft, sind auch Glaubensfragen. Deshalb muss sich die Kirche äußern, wenn es um die Menschenwürde und das Miteinander geht.


KNA: Wer Sie beobachtet, gewinnt den Eindruck, dass der liebe Gott Ihnen auch politisches Talent in die Wiege gelegt hat. Fällt es Ihnen manchmal schwer, das zurückzuhalten?

Marx: Ich habe mich immer für politische Fragen interessiert und hätte mir das auch beruflich vorstellen können. Aber meine Entscheidung für den Weg zum Priestertum fiel sehr frühzeitig. Manchmal, wenn ich Nachrichten sehe oder Zeitung lese, rege ich mich über bestimmte Positionen auf. Es drängt mich zu einer Wortmeldung - und dann mäßige ich mich. Ein Bischof muss nicht jedes tagespolitische Ereignis kommentieren.

KNA: Ketteler war in der Zeit des Kulturkampfes ein großer Streiter für die Freiheit der Kirche. Wo sehen Sie diese heute bedroht?

Marx: Die Kirche ist eine Wirklichkeit, die den Staat in seinen Expansionswünschen begrenzt und von daher ein Freiheitspotenzial entfaltet. Das zeigt sich durch die ganze Geschichte des Abendlandes hindurch. Von daher ist ein Wort Kettelers zentral, das auch der Papst zu meiner Freude bei seinem Deutschlandbesuch zitiert hat: «Wie die Religion der Freiheit bedarf, so bedarf auch die Freiheit der Religion.»

Bei uns in Deutschland gilt heute Religionsfreiheit. Dass diese auch den öffentlichen Raum umschließt, wird leider immer mal wieder bestritten. Dagegen wehren wir uns und wissen das Recht auf unserer Seite.

KNA: Ketteler trug den Ehrentitel «Arbeiterbischof». Seine Initiativen stehen am Beginn der Katholischen Soziallehre und der deutschen Sozialstaatlichkeit. Trotzdem konnte die Würzburger Synode knapp 100 Jahre später klagen, die Kirche habe die Arbeiterschaft verloren. Was ist da schief gelaufen?

Marx: Es stimmt jedenfalls nicht, dass die Arbeiterbewegung nur von Sozialisten und Kommunisten geprägt war. Auch Christen waren engagiert, aber der Gewerkschaftsstreit innerhalb des deutschen Katholizismus hat die katholische Arbeiterschaft in große Schwierigkeiten gebracht, im Grunde eine Tragödie. Aber das geschah alles nach Ketteler.

Und man muss sehen, dass Ketteler auch schon zu seiner Zeit nicht einfach die Stimme des deutschen Katholizismus war, ja noch nicht einmal die Mehrheit der Deutschen Bischofskonferenz repräsentierte. Insofern ist die Analyse der Würzburger Synode leider berechtigt, auch wenn in der Geschichte der Arbeiterbewegung oft ausgeblendet wird, was katholische Vereinigungen positiv zu ihr beigetragen haben.

KNA: Der Mainzer Bischof zählte beim Ersten Vatikanischen Konzil zu den Wortführern der Minderheit, die die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit ablehnte. Können Sie seine Bedenken nachvollziehen?

Marx: Für Ketteler war nicht die Lehre zweifelhaft, dass der Nachfolger Petri von Christus im Rahmen der Gesamtkirche mit dieser Gabe beschenkt ist. Aber er hat zu Recht gesehen: Ist es in diesem Augenblick opportun, das jetzt festzustellen, und ist es genügend theologisch abgesichert und erforscht?

Später haben die beim Konzil unterlegenen deutschen Bischöfe, Ketteler eingeschlossen, dieses Dogma verteidigt. Das zeigt: Es ist auch in der Kirche legitim über eine Entscheidung zu diskutieren, bis sie da ist. Dann muss man aber auch dazu stehen.

KNA: Zurück zu Weihnachten. Hat dieses Fest auch eine politische Botschaft?

Marx: Das schönste Wort, das mir dazu immer wieder einfällt, ist eines von Joseph Ratzinger. Weihnachten bedeutet: Es ist gut, ein Mensch zu sein. Als ich diesen schlichten Satz vor vielen Jahren zum ersten Mal las, hat er mich sehr beeindruckt. Warum ist es gut, ein Mensch zu sein? Weil Gott Mensch geworden ist. Das bedeutet auch, dass wir uns besonders um die Schwachen kümmern müssen.

Der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton hat einmal gesagt: Wer einen Gott anbetet, der als schreiendes Baby in einer Krippe liegt, der kann eigentlich nicht zum Fanatiker werden. Da können wir etwas erahnen von der Faszination des Weihnachtsfestes.

Buchhinweis: Kardinal Reinhard Marx: «Christ sein heißt politisch sein. Wilhelm Emmanuel von Ketteler für heute gelesen», Verlag Herder, Freiburg 2011, 140 Seiten, 14,95 Euro.

(C) 2011 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Bischof Marx

  1. Pro-Life Agentur kritisiert Kardinal Marx
  2. Marx: Wir brauchen eine starke Zentrale
  3. Kardinal Marx: Wir brauchen Eure Gebete für das Konklave!
  4. Marx: Pastorale Antworten für Menschen in zweiter Ehe 'nicht einfach'
  5. Kardinal Marx über Moral: Nicht unter Niveau leben
  6. Welch großartigen Papst wir haben, wird sich auch in der Heimat zeigen
  7. Ich will nicht, dass Priester nur noch Manager von Pfarrverbänden sind
  8. Marx: Ein Kardinal steht in Treue fest zum Hl. Vater
  9. Weder Verflachung noch 'Barrikadendenken'
  10. Nicht die Fortsetzung der Religionen mit anderen Mitteln






Top-15

meist-gelesen

  1. Medjugorje: Brandanschlag und Schändungen kurz vor Jugendfestival
  2. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  3. Kissler-Kritik an Papst Leo XIV.: „Fatale Botschaft“ bei Lampedusa-Besuch
  4. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  5. "Ein Schisma und mein Ausstieg aus der Priesterbruderschaft St. Pius X."
  6. Gänswein wird 70: Kirchenkarriere wohl noch nicht am Ende
  7. DANKE JUSTIN! - Kanadischer Sänger bringt Stadion während WM-Finale mit „Halleluja“ zum Schweigen!
  8. Festnahme nach Schändungen in Medjugorje - Bischof ruft zu Gebet auf
  9. Krebs und Paradies – Das Leben des 17-jährigen David Buggi
  10. Leo beruft den lehramtstreuen US-Erzbischof Cordileone in die Apostolische Signatur
  11. Ahmad Mansour: „Nennen wir es beim Namen: Es ist der Islamismus“
  12. Auf der Intensivstation zum ständigen Diakon geweiht: Pino Cannavò
  13. INSA-Umfrage: Relative Mehrheit der Deutschen lehnt Leihmutterschaft ab
  14. Erzdiözese Wien bestätigt Pensionierung von Dompfarrer Faber
  15. Birkenstock springt auf "Nun Girl Summer"-Trend auf: Animierte Filz-Nonne in Birkenstock-Sandalen

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz