Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Deutsche Bischofskonferenz beschließt: Man will in Rom um Erlaubnis für Laienpredigt bitten
  2. Brasilianischer Erzbischof droht Teilnehmern an der Alten Messe Exkommunikation an
  3. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  4. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  5. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  6. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  7. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  8. Die Wahl von Bischof Heiner Wilmer zum DBK-Vorsitzenden „ist ein echtes Hoffnungszeichen“
  9. „Gemeinnutz vor Eigennutz“: Bischof erntet Kritik für NS-Vergleich in Richtung AfD
  10. "Deutsche Kirchen" ersetzen spirituelle Dimension der Fastenzeit durch weltanschauliche Agitation
  11. Papst antwortet auf Leserbrief eines Atheisten
  12. 'Ein Katholizismus ohne Beichte ist wie ein Krankenhaus ohne Medikamente'
  13. Ein Gott, der nichts mehr verlangt
  14. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  15. Kärntner Ordinaritaskanzler: Rechthaberei in der Kirche überwinden

Der Zeit gegenüber

15. April 2005 in Aktuelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Wesensbestimmung Christi und seiner Kirche ist es, Zeichen zu sein, dem widersprochen wird, schrieb Karol Wojtyla 1976. Die Religions-Philosophin Hanna Barbara Gerl-Falkovitz über Johannes Paul II.


Wien (www.kath.net / Sonntag)
Entgegen der Behauptung, die Menschen suchten von sich aus nach Wahrheit, Freiheit, Schönheit, Güte, werden diese Qualitäten nicht selten ins Gegenteil umgedeutet, wenn sie tatsächlich überraschend auftreten. Statt Güte vermuten wir versteckte Selbstsucht, statt Heilung sieht man zauberischen Betrug, statt Christus den Beelzebub...

Es ist wie in Andersens Märchen von der Schneekönigin, die (fast) jedem ein Körnchen Eis ins Auge streute, so dass durch diese Linse alles verzerrt zu sehen war. Da man selbst seine verworrenen Motive kennt, traut man auch anderen nur die Melange zu – umso lustvoller, je heller jemand erscheint. Kann man dem Licht nicht wenigstens nachsagen, dass es blendet?

Ein Beispiel dafür liefern einige Nachrufe auf den eben verstorbenen Papst. Während seine „außenpolitischen Erfolge“ unbestreitbar, wenn nicht sogar im Rückblick unglaublich sind, werden seine „innerkirchlichen Haltungen“ unverhohlen als rückschrittlich getadelt. Dass ein und derselbe Mann wie ein Chamäleon die Grundfarbe wechseln soll, gehört zu jener Logik des Taktischen, die ebenfalls aus dem Grundverdacht „normaler“ Welterfahrung aufsteigt.

Nehmen wir an, dass der Papst aus ein und demselben Grund für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte (wofür er auf Wunsch von Geheimdiensten niedergeknallt wurde) und für ein Verbot von Abtreibung, künstlicher (nicht aber natürlicher) Empfängnisverhütung und von Homosexualität eintrat.

Oder positiv: dass er warb für die eheliche Treue, den familiären Zusammenhalt, Haltungen der Lebenshingabe, der wörtlich genommenen Nachfolge Jesu von Priestern und Laien in Keuschheit, freiwilliger Armut und Einordnung ins Ganze. Entstammen diese Aufforderungen nicht gleichermaßen demselben Quellpunkt, wie er ihn verstand, dem biblischen Geist? Führt dieser „Rückschritt“ nicht zurück auf den Boden eines zeitüberdauernden Evangeliums?

Der Papst, wie jeder Christ, hat in der Zeit zu stehen. Steht er aber nicht auch – wie jeder Christ – über ihr oder sogar ihr gegenüber (wie es die Genauigkeit des deutschen Ausdrucks sagt)? Dieses „Gegenüber“ reizt: „Zischeln ringsum“, wie der alttestamentliche Prophet vom Gottesknecht sagte.

Ohne Zweifel unterliegen auch Entscheidungen des Papstes – wie jedes Menschen – der menschlichen Beschränkung, sogar Fehlern. Unfehlbarkeit betrifft bekanntlich nur dogmatische Glaubenslehren, keine alltäglichen oder auch zeitdiagnostischen Aussagen. Diese Schuldfähigkeit aller kirchlichen Vertreter war in der Verzeihungsbitte des Papstes im Heiligen Jahr 2000 gemeint, und dies ernsthaft.

Güte besteht auch darin, „nein“ zu sagen. Gegenüber der eigenen Fehlbarkeit und jener der Welt. Anders und frei nach Chesterton: „Donnernd fährt der Wagen der Kirche durch die Jahrhunderte. Während er rechts dem Block einer Irrlehre ausweicht, streift er links an einen Abgrund. Aber die wilde Wahrheit hält sich schwankend aufrecht.“

Der Beitrag erschien im „Sonntag“, der Zeitung der Erzdiözese Wien. Publikation mit freundlicher Genehmigung.



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Papst

  1. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  2. Leo XIV. in den Vatikanischen Grotten: Er betet auch an den Gräbern von Pius XII. und Benedikt XVI.
  3. Bemerkenswerte Rede von Papst Leo über Kardinal Merry del Val, Mitarbeiter von Leo XIII. und Pius X.
  4. Leo XIV. Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie - Leseprobe 4
  5. Leo XIV. Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie - Leseprobe 3
  6. Leo XIV. Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie - Leseprobe 2
  7. Leo XIV., Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie
  8. Kardinal Müller: Der nächste Papst muss der Homo-Lobby die Stirn bieten
  9. Erzbischof Aguer: Nächster Papst muss die katholische Lehre gegen ‚progressive Mythen’ verteidigen
  10. Theologe Kwasniewski: Papst kann Bischof nicht willkürlich abberufen







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND im SOMMER - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Wunderbares SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Deutsche Bischofskonferenz beschließt: Man will in Rom um Erlaubnis für Laienpredigt bitten
  4. "Alle Iraner feiern. Die schlimmsten Menschen der Welt weinen"
  5. Die Wahl von Bischof Heiner Wilmer zum DBK-Vorsitzenden „ist ein echtes Hoffnungszeichen“
  6. Toni Faber und der Zölibat - Beschwerdewelle gegen Wiener Dompfarrer
  7. "Europa hat die Gefahr der islamischen Republik Iran noch immer nicht begriffen"
  8. "Deutsche Kirchen" ersetzen spirituelle Dimension der Fastenzeit durch weltanschauliche Agitation
  9. "Mit Hitler hat es keinen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog gegeben!"
  10. Um Gottes willen: „die Waffen nieder“ – Kardinal Brandmüllers Ruf zur liturgischen Vernunft
  11. Bischof Erik Varden bei Fastenexerzitien im Vatikan: „Tausende fallen“
  12. Ist die Zeit der Barmherzigkeit bald vorbei? Stehen wir kurz vor der Zeit des Gerichts?
  13. Möge die Versöhnung der Kirche in Deutschland gelingen
  14. Mexiko in Angst: Priester spenden auf einem Dach eucharistischen Segen
  15. 'Ein Katholizismus ohne Beichte ist wie ein Krankenhaus ohne Medikamente'

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz