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„Demokratie, in der nur noch linke Positionen zulässig sind, ist keine Demokratie“

13. November 2024 in Chronik, 6 Lesermeinungen
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Der Kolumnist Harald Martenstein spricht im „Presse“-Interview über die Wahl Trumps Martenstein thematisiert auch seine eigene frühere Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei


Wien (kath.net / pk) „Demokratie, in der nur noch linke Positionen zulässig sind, ist keine Demokratie.“ Das sagt einer der bekanntesten deutschen Kolumnisten, Harald Martenstein, in einem „Presse“-Interview. Rechts und links seien „die klassischen Koordinaten des Parteisystems seit 1789“, bemerkte er. „Es gehört dazu, dass es Kräfte des Beharrens gibt, Kräfte, die sagen: „Lasst uns doch schauen, was sich bewährt hat, und lasst uns das Alte gegen das Neue verteidigen.“ Das ist oft klug und immer legitim.“

Die bevorstehende Trump-Regierung beunruhige ihn nicht. „Er hat während seiner ersten Amtszeit keinen Krieg begonnen, und ich glaube, er hat es auch in seiner zweiten nicht vor.“ Sorgen bereiten ihm eher als Deutscher, „dass sich die deutsche Regierung gar nicht auf die Möglichkeit eingestellt hat, dass Trump gewinnen könnte“.


Deswegen habe es kaum Kontakte gegeben. „Mit diesem Mann muss man doch im Gespräch bleiben, man kann doch nicht beleidigt sein und so tun, als gäbe es ihn gar nicht“, kritisiert Martenstein die deutsche Ignoranz. „Jetzt geht es darum, einen Modus Vivendi mit Trump zu finden.“

Kritik an der Persönlichkeit Trumps könne durchaus gerechtfertigt sein. Dennoch: „Trump wäre nicht der erste verhaltensauffällige Mensch, der an das Ruder eines Staatswesens kommt. Bei ihm weiß man immerhin, welche Knöpfe man bedienen muss, um seine Eitelkeit und sein Geltungsbedürfnis zu befriedigen.“ Im Unterschied zu Kamala Harris hätten die Leute genau gewusst, wofür Trump stehe. „Und das wollten sie haben, darum haben sie ihn gewählt. Ob er doof, fragwürdig oder verlogen ist, spielt für viele seiner Wähler keine Rolle. Sie wollen ihn nicht heiraten, sie wollen seine Politik.“

In seiner persönlichen Biografie habe es einen Bruch gegeben, erzählt er. „Bis Anfang 20 bin ich sehr links gewesen und Mitglied in der Kommunistischen Partei. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn sich das innere Koordinatensystem ändert. Was mich an der Linken abgestoßen hat, war das Freiheitsfeindliche und Doktrinäre. Seitdem verorte ich mich politisch in der liberalen Ecke.“

„Liberal heißt für mich, zum Beispiel, die Leute so leben zu lassen, wie sie leben möchten, und ihnen nicht den Mund zu verbieten“, erklärt der Kolumnist. „Ich habe relativ lange, länger, als man mir zutraut, die Grünen gewählt, weil ich sie für eine Partei gehalten habe, die für Freiheit ist. Und dann ist mir das, was aus dieser Ecke kam, irgendwann zu autoritär geworden und zu staatsgläubig.“ Er vertrete keine „rechten Positionen“, wie ihm oft unterstellt werde. „Aber ich finde es natürlich völlig legitim, rechte Positionen zu vertreten.“


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