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Bernhard Meuser: „Was Sie von Weihnachten haben“

27. Dezember 2021 in Spirituelles, 4 Lesermeinungen
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Theologe: „'Was haben Sie eigentlich von Weihnachten? ... ich meine so als Christ ...' – das hat mich tatsächlich jemand gefragt, als ich mal wieder über Elchschlitten, Weihnachtsmänner und sonstige Rahmenbedingungen von Weihnachten ablästerte.“


Augsburg (kath.net) kath.net dokumentiert Facebook-Bemerkungen des Augsburger Theologen und Buchautors Bernhard Meuser in voller Länge:

„Was haben Sie eigentlich von Weihnachten? ... ich meine so als Christ ...“ – das hat mich tatsächlich jemand gefragt, als ich mal wieder über Elchschlitten, Weihnachtsmänner und sonstige Rahmenbedingungen von Weihnachten ablästerte. Ich hatte keine besonders überzeugende Antwort parat – aber es löste in mir etwas aus.

Ja, was habe ich davon, dass der ewige, allmächtige, Zeit und Raum enthobene Gott da als ein kleines Kind in einer dreckigen Futterkrippe liegt? „Kann ein Gott so blöd sein?“, fragte einst der Atheist Jean-Paul Sartre. Ja. Gott kann. Der christliche Gott zumindest. Für mich ist das kein Konditionalis mehr – wie für Jean-Paul Sartre: „Wenn Gott Mensch würde für mich, dann würde ich ihn lieben, ihn ganz allein. Dann wären Bande zwischen ihm und mir, und für das Danken reichten alle Wege meines Lebens nicht; ein Gott, der Mensch würde aus unserem liebenswerten, elenden Fleisch, ein Gott, der das Leid auf sich nähme, das ich heute leide. Ja, wenn Gott Mensch würde für mich, dann würde ich ihn lieben ... Aber welcher Gott wäre dumm genug dafür?”


Und was habe ich davon – was haben Sie davon? Ich zähle mal auf: Sie kommen in eine tiefe innere Freude. Sie starten anders in den Tag und gehen anders aus ihm heraus. Sie können ohne Bitterkeit zurückblicken. Sie werden gebraucht. Sie fühlen sich geborgen. Sie haben eine klare Sicht auf die Dinge und bekommen inneren Halt. Sie können sich mit Ihrer Vergangenheit versöhnen. Sie werden dankbar. Sie können ohne Angst in die Zukunft blicken. Es kommt Festlichkeit in Ihr Leben. Sie finden Ruhe in Ihrer Seele. Sie haben etwas, woran Sie arbeiten und wofür Sie kämpfen können. Sie werden immun gegen Verzweiflung. Sie werden zu einem Halt für Ihre Kinder oder Ihren Partner. Sie können nach oben schauen und wissen jemand über sich, der Sie liebt. Sie durchschauen den „Zufall“ und fühlen sich von Gott geführt. Sie entdecken Ihre Würde und werden befreit von der Selbstverachtung. Sie finden eine Menge verlässliche Freunde. Sie wissen, wo Sie ansetzen müssen, wenn Sie Abhängigkeiten und Süchten ausgesetzt sind. Sie können besser denken. Sie finden uralte Rituale, die Ihrer Seele guttun. Sie fühlen sich freier. Sie sehen die Welt mit neuen Augen und freuen sich an der Schöpfung. Sie erfahren Segen und Schutz. Sie werden liebevoller und gütiger. Ihre Lebens- und Zukunftsangst nimmt ab. Sie erhalten Kraft für schwierige Aufgaben. Sie können seelische Wunden gut verarbeiten und mit Leid besser umgehen. Sie erleben Zusammengehörigkeit und Gastfreundschaft über Sprachen- und Landesgrenzen hinaus. Sie können gelassener verlieren. Sie können loslassen. Sie haben eine Vorstellung, wie es mit dem Sterben sein wird. Sie finden den Mut zu einer wahnsinnigen Erwartung an das Leben ...

Eine viel zu lange Liste – und doch zu kurz! Je mehr das Christliche – ob unsere schuldhaften Mediokrität – in unserer Gesellschaft marginalisiert wird, desto mehr müssen wir uns Mühe machen, die Gründe für die humane Evidenz und leuchtende Vernünftigkeit des Glaubens auszumachen. Es gibt sie – und sie sind überragend stark!

Frohe gesegnete Weihnachten – allen Freunden hier auf Facebook.


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