Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbruderschaft kritisiert ‚Doppelmoral‘ nach Verweigerung des Zutritts zur Basilika in Assisi
  2. 'Und ich dachte, es müßte um Gott und das Heil der Seelen gehen. Ich bin ja so naiv'
  3. 'Denn es wird nicht zu dem kommen, was diese Lügner versprechen.'
  4. Jesuitenpater Thomas Reese mit irrer Aussage: ‚Warum ich die alte lateinische Messe hasse‘
  5. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  6. Nicht mehr zu retten - Zum Substanzverlust der Kirche
  7. ‚Synodalität – ein Wort ohne Begriff? Ein erfundenes Narrativ macht Karriere
  8. Ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland kann nicht mehr ausreichend lesen oder rechnen!
  9. Kardinal Müller: „Muslime respektieren kein schwaches Christentum, das sich des Kreuzes schämt“
  10. Eine vergiftete Unterstützungserklärung
  11. 'Gott, hilf mir. Jesus, hilf mir. Seid ihr Jungs bereit? Let’s Roll'
  12. Wundersame Heilung, eine Marienerscheinung und Berufung mit 4 Jahren
  13. Während Messfeier mit Erstklässlern: Bengalisches Feuer in katholische Kirche geworfen
  14. Kardinal Burke: Sexuelle Unmoral heute erinnert an Sodom und Gomorrha
  15. Nigeria: Bischöfe schlagen nach erneuten Massakern Alarm

Papst als „Häretiker“ beschimpft – Der Vorfall von Athen als ökumenisches Lehrstück?

6. Dezember 2021 in Kommentar, 21 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Natürlich war das Verhalten des Athener Priesters gegenüber dem Heiligen Vater völlig unangemessen, es war aber auch eines: Es war, aus der Sicht vieler Orthodoxer, sehr ehrlich.“ Gastbeitrag von Joachim Heimerl


Athen (kath.net) Als der Heilige Vater Franziskus jüngst in Athen von einem orthodoxen Priester als „Häretiker“ beschimpft wurde (Link), sorgte dies in den kirchlichen Medien für einiges Aufsehen. Dass derlei natürlich nicht akzeptabel ist, ist keine Frage.

Keine Frage ist allerdings auch, dass die Haltung, die dieser Priester vertrat, im Grunde wenig überraschte.

Wenn eine solch strikte Ablehnung des Katholischen auf uns „exzentrisch“ wirken mag, so ist dies genau besehen zutiefst „orthodox“, und das, was man in Europa oder gar in Deutschland heute als „Ökumene“ bezeichnet, sorgt in weiten Teilen der Orthodoxie nur für Kopfschütteln – oder eben für eine verbale Entgleisung wie in Athen.

Natürlich gibt es spätestens seit 1965 eine Annäherung zwischen den Kirchen des Westens und des Ostens: Die gegenseitigen Bannflüche aus dem Mittelalter wurden aufgehoben und man begegnet sich auf der Augenhöhe von Schwesterkirchen.

Immerhin: Anders als die protestantischen Glaubensgemeinschaften ist die Orthodoxie wirklich „Kirche“ und hat sich die Gültigkeit ihrer Sakramente und Ämter immer bewahrt. Der Weg zur Einheit wäre hier eigentlich kurz - eigentlich! Denn diese sehr katholische Sicht auf die Kirchen der Orthodoxie ist längst nicht deren Sicht auf eine mögliche Einheit mit uns. Daran ändern leider auch die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Heiligen Vater und dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel erst einmal nichts; schon der Patriarch ist innerorthodox nicht unumstritten und auch eine wirkliche Einheit zwischen den einzelnen Patriarchaten besteht – aus vielen Gründen – keineswegs überall. Der Gegensatz zwischen den Patriarchen von Moskau und Konstantinopel beispielsweise könnte – sehr milde ausgedrückt – gegenwärtig gar nicht größer sein.


So gleicht die orthodoxe Welt heute mehr einem Flickenteppich denn je.

Wer einmal den Heiligen Berg Athos besucht hat, bekommt auf sehr engem Raum bereits einen Eindruck davon, übrigens auch davon, wie weit entfernt man an der orthodoxen „Basis“ von allem Katholischen ist. Insofern macht der Zwischenfall von Athen wie ein Lehrstück eines sehr deutlich: Eine wirkliche Einheit zwischen den Schwesterkirchen des Westens und des Ostens wird es wohl noch lange nicht geben. Dies umso weniger, als man – etwa in Deutschland – den Begriff der „Ökumene“ vorzugsweise auf den Protestantismus bezieht und dabei völlig aus den Augen verliert, dass uns jede Annäherung an den Protestantismus von der Orthodoxie nur noch weiter trennt.

Protestantische „Kirchen“ sind eben keine „Kirchen“ im vollen Sinn. Sie haben weder gültige Ämter noch – mit Ausnahme der Taufe – gültige Sakramente. So liegt es auf der Hand, dass es keine Annäherung mit der Orthodoxie und zugleich eine „Einheit“ mit dem Protestantismus geben kann und geben wird. Auch das hat der Vorfall von Athen – wenigstens indirekt – sehr deutlich gezeigt.

Begriffe wie „Reform“ oder gar „Reformation“ sind dem orthodoxen Glaubensverständnis völlig wesensfremd. „Orthodox“ zu sein, das heißt zu allererst, den Glauben und die Tradition zu bewahren und sie zu verteidigen. Ohne Zweifel ist das etwas, das wir Katholiken von unseren orthodoxen Brüdern und Schwestern zu lernen hätten, anstatt beständig auf „Veränderungen“ zu schielen. Auch so könnte „Ökumene“ beginnen.

Natürlich war das Verhalten des Athener Priesters gegenüber dem Heiligen Vater völlig unangemessen, es war aber auch eines: Es war – aus der Sicht vieler Orthodoxer – sehr ehrlich. Das ist natürlich eine ebenso schmerzliche wie wahre Erkenntnis. Ökumene aber kann nur dort „echt“ sein, wo das Trennende ernst genommen wird und wo es einen wirklichen Schmerz darüber gibt, jenen Schmerz nämlich, der der Schmerz Christi in Abendmahlsaal war, als er um die Einheit der Seinen betete (vgl. Joh. 17,9). Hier und nur hier liegt der Ausgangspunkt jedweder wirklichen Ökumene.

Die „ökumenischen“ Bestrebungen des Synodalen Weges in Deutschland sind das erschreckende Gegenteil davon. Hier versucht man mit der Abrissbirne die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten einzueben und die Illusion einer „versöhnten Verschiedenheit“ zu erschaffen, die nichts anderes ist als die Preisgabe des Katholischen und ein Akt katholischer Selbstprotestantisierung.

Gerade in Deutschland würde man sich deshalb Priester wünschen, die lautstark für den katholischen Glauben eintreten, und die sich nicht scheuen, diesen klar zu bekennen, erst recht gegenüber so manchem Bischof, der protestantische Ansichten vertritt – und diese auch noch für „katholisch“ hält. Ein „Lehrstück“ wie in Athen bliebe – freilich in einem besseren Sinn – hier noch abzuwarten.

Der Autor Dr. Joachim Heimerl ist Priester der Erzdiözese Wien und Oberstudienrat.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Zu jedem Zeitpunkt werden auf der Welt ungefähr 8.000 bis 9.000 Messen gefeiert
  3. Scharfe Kritik von Birgit Kelle an Leihmutterschaftsentschuldigung von Jens Spahn
  4. Kardinal Aveline: Motto von Leos Frankreichreise hat auch mit dem Lebensschutz zu tun
  5. X ist Nummer 1 unter Europas Nachrichten-Apps
  6. Jesuitenpater Thomas Reese mit irrer Aussage: ‚Warum ich die alte lateinische Messe hasse‘
  7. Messermann brüllte „Allahu Akbar” in französischer Kirche – Festnahme
  8. Britisches Unterhaus stimmt erneut über Sterbehilfe-Gesetz ab
  9. 'Gott ist gut'
  10. 'Und ich dachte, es müßte um Gott und das Heil der Seelen gehen. Ich bin ja so naiv'
  11. Nicht mehr zu retten - Zum Substanzverlust der Kirche
  12. Spanischer Erzbischof erinnert angesichts der Migrationskrise an die Reconquista
  13. Drei katholische Bischöfe werden am Marsch für das Leben teilnehmen
  14. Archäologen ‚absolut‘ sicher: Bethsaida gefunden
  15. Vatikan wirbt für Religionsdialog - Eine Islamfeindlichkeit im Westen?

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz