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Kirche: Missbrauchstäter kontrollieren und Kinder schützen

4. August 2021 in Österreich, 2 Lesermeinungen
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Sprecher der Erzdiözese Wien, Prüller: Täter werden nicht mehr seelsorglich eingesetzt - Theologe Zulehner: Begriff eines "kirchlichen Gefängnisses" irreführend


Salzburg (kath.net/KAP) Wiener Kirchenvertreter plädierten in den "Salzburger Nachrichten" (SN, Dienstag) dafür, Missbrauchstäter aus den Reihen der Kirche nicht aus den Augen zu verlieren, sondern ihnen weiterführende Therapien zu verordnen und damit die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen zu verringern. Zentral sei wirksamer Schutz von Kindern, so Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien, und der ebenfalls befragte Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner. Anlass für den SN-Artikel war ein ORF-Interview des Kinderschutzexperten P. Hans Zollner, der darin für Nachbetreuungseinrichtungen plädierte, die als eine Art "kirchliche Gefängnisse" bezeichnet werden könnten. Diesem Vergleich konnten Prüller und Zulehner wenig abgewinnen, auch wenn eine effiziente Nachkontrolle verurteilter Täter wünschenswert sei.

Heute würden Triebtäter "nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt, weder mit Kindern noch mit Jugendlichen", erklärte Michael Prüller. "Einige wurden frühpensioniert. Und wir haben Geistliche in die Verwaltung versetzt, sie arbeiten beispielsweise im Archiv." Die Kirche als Arbeitgeberin könne einem Täter eine Therapie als Voraussetzung für die Weiterbeschäftigung auferlegen. In letzter Konsequenz könne der Papst einen übergriffigen Priester in den Laienstand versetzen, aber: "Dann entschwindet er ganz unserer Obhut und ist für uns nicht mehr greifbar", sagte Prüller.


Auch Paul Zulehner sprach sich in den SN für eine weiterführende therapeutische Begleitung von Missbrauchstätern aus. Es sei wichtig, Verhältnisse zu schaffen, damit es keine Gelegenheit zu Übergriffen mehr gebe. Die Kirche und auch Psychologen hätten früher die Möglichkeit einer Änderung zu optimistisch  eingeschätzt. Es eine trügerische Hoffnung, dass man mit Beichte und Buße die triebhafte Neigung in den Griff bekomme. "Alle haben Fehler gemacht, mit Versetzen und Vertuschen hat man Kinder einer Gefahr ausgesetzt", blickte Zulehner zurück. Mit dem Laisieren von Klerikern gebe die Kirche die Verantwortung für Priester nur weiter, dann müsse sich der Staat überlegen, wie er die Gesellschaft am besten vor einem Triebtäter schütze.

"Kirchliches Gefängnis" irreführend

Einer Art "kirchliches Gefängnis", wie Jesuit P. Zollner im Interview mit religion.ORF.at (Samstag) vorschlug, stehen die beiden Wiener Kirchenvertreter in Bezug auf den Begriff und die Umsetzung kritisch gegenüber. Die Kirche könne als Arbeitgeberin niemandem vorschreiben, wo er sich aufzuhalten habe. Sie könne einem Täter nur raten, weiter in Behandlung zu bleiben, gab Prüller zu bedenken. Darüber hinaus gelte in Österreich eine abgebüßte Tat als vergangen und vergessen.

Zulehner hält den Begriff für "völlig irreführend". Es gehe darum, Gefährder so zu isolieren, dass sie keine Gefahr mehr für Kinder darstellen können. Der Pastoraltheologe forderte deshalb, dass die Isolation Teil des Urteils sei: "Egal ob Kleriker oder nicht, für die ganze Gesellschaft müsste diese rechtliche Möglichkeit im Sinne der Kinder geschaffen werden." Man wisse heute aus der Forschung, dass eine pädophile Neigung letztlich nicht therapierbar sei. Man könne in der Therapie lediglich lernen, mit dieser Neigung verantwortungsvoll umzugehen. Als einzig zulässige Regel sehe er, die Gelegenheit zur Sünde zu meiden.

P. Zollner, Leiter des Kinderschutzzentrums "Center for Child Protection" der Päpstlichen Universität Gregoriana, hatte gegenüber dem ORF Einrichtungen in "entlegenen Gegenden" angeregt, wo sich Täter freiwillig klaren Regeln unterwerfen, um weitere Übergriffe zu verhindern. In den USA habe dieses Modell Erfolg. Zollner beschrieb die dortigen Einrichtungen als "etwas Ähnliches wie ein Gefängnis", wo für Betroffene klare Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen gelten - auf freiwilliger Basis. Schuldeinsicht könne man nicht erzwingen, so der Experte.

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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