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„Die fortdauernde Mission der Kirche: das Evangelium überall und jedem Geschöpf zu verkünden“

13. April 2021 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Nuntius Eterović: Auch Papst Franziskus „unterstreicht die Wichtigkeit“ des Bußsakramentes „für den Weg zu einem gereiften christlichen Leben“, „leider ist schmerzvoll anzuerkennen, dass dieses Sakrament von den Gläubigen nur noch wenig gesucht wird“


Berlin (kath.net) kath.net dokumentiert die Predigt von S.E. Apostolischer Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović zum 2. Ostersonntag – Weißer Sonntag am 11.4.2021 und dankt für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung in voller Länge - Apg 4,32-35; Ps 118; 1 Joh 5,1-6; Joh 20,19-31

„Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19).

Liebe Schwestern und Brüder,
    
    mit den ersten Worten, die der Herr nach seiner Auferstehung gesprochen hat, wende ich mich an Euch: „Friede sei mit euch!“ (I). Seinen Jüngern hat er außerdem den Heiligen Geist gegeben (II). Wegen des Unglaubens des Apostels Thomas lehrt uns der auferstandene Herr, wie an Ihn und seine glorreiche Auferstehung zu glauben ist, was grundlegende Folgen für unser christliches Leben hat (III). Öffnen wir auch unsere Herzen dem Heiligen Geist, um die Gaben der Auferstehung des Herrn Jesus erhalten zu können: den Frieden und die Freude, die Hoffnung und die geschwisterliche Gemeinschaft.

1.    „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19).

Im heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium spricht der auferstandene Jesus dreimal den Gruß „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19.21.26). Er macht den Aposteln keine Vorwürfe, weil sie ihn verraten und während seines Leidens verlassen haben. Er schenkt ihnen im Gegenteil die Früchte seiner Auferstehung. Als erstes schenkt er den Aposteln den Frieden, den er mit der Hingabe seines Lebens erworben hat. Das bezeugen die Zeichen seiner Passion, seine durchbohrten Hände und die durchstoßene Seite, die er seinen Jüngern zeigt (vgl. Joh 20,20). Mit seinem Leib, der für uns gekreuzigt worden ist, hat Jesus die Sünde besiegt, das Böse und den Tod. Er hat sie in der Kraft seiner Liebe verwandelt und kann nunmehr allen seinen Freunden den wahren Frieden geben. Es handelt sich nicht um einen vorübergehenden und damit unvollkommenen Frieden, sondern um seinen Frieden, wie er es verheißen hat: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch“ (Joh 14,27). Der Friede des auferstandenen Herrn richtet sich an alle Menschen. Denn Jesus Christus betont feierlich und mit Autorität: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21). Alles kommt aus der unendlichen Liebe des Vaters. Jesus ist in die Welt gekommen und hat das Heilswerk vollbracht, um damit den Willen Gottvaters zu tun. Im Licht seiner Auferstehung verstehen wir seine Worte des Lebens gut: „Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag. Denn das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben hat und dass ich ihn auferwecke am Jüngsten Tag“ (Joh 6,38-40). Der Herr Jesus schenkt den Aposteln Frieden, damit sie ihn der ganzen Welt und zu jedem Menschen bringen. Die Worte des auferstandenen Herrn Jesus begründen die fortdauernde Mission der Kirche: das Evangelium überall und jedem Geschöpf zu verkünden (vgl. Mk 16,15).


2.    „Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20,22).

Die Gabe des auferstandenen Herrn schlechthin ist der Heilige Geist. Alle übrigen Gaben: die Vergebung der Sünden, der Friede, die Freude, die Hoffnung und die Gemeinschaft sind Früchte dieser Gabe ohnegleichen. Am Auferstehungstag, „am Abend dieses ersten Tages der Woche“ (Joh 20,19), nachdem er seine Wundmale gezeigt und die Jünger gegrüßt hatte, goss Jesus über sie den Heiligen Geist aus: „Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20,23). Mit diesen Worten hat der gestorbene und auferstandene Herr das Sakrament der Versöhnung eingesetzt. Wir alle haben schon die Früchte dieses Sakramentes erfahren können, die dem sündigen Menschen gewährt, den wahren Frieden wiederzuerlangen, den nur der auferstandene Jesus geben kann, den Herzensfrieden im innersten Inneren der Menschen. Leider ist schmerzvoll anzuerkennen, dass dieses Sakrament von den Gläubigen nur noch wenig gesucht wird. Jesus aber hat es den Aposteln und ihren Nachfolgern übergeben und zum Heil aller eingesetzt, die reuevoll vor einem Vertreter der Kirche bekennen, gesündigt zu haben und die Gnade der Vergebung empfangen, der einen Neuanfang des persönlichen, kirchlichen und sozialen Lebens ermöglicht. Der Heilige Vater Franziskus unterstreicht die Wichtigkeit dieses Sakramentes für den Weg zu einem gereiften christlichen Leben. „Es ist wahr, dass ich mit dem Herrn sprechen, Verzeihung von Ihm erbitten und zu ihm flehen kann. Und der Herr vergibt, sogleich. Aber es ist wichtig, dass ich zur Beichte gehe, die mich vor einen Priester, die mich auf die Knie vor die Mutter Kirche bringt, die berufen ist, die Barmherzigkeit Gottes zu wirken. Es gibt eine Objektivität in dieser Geste, auf meinen Knien vor dem Priester, der in diesem Moment der Vermittler der Gnade ist, die mich erreicht und heilt“ (aus dem Buch: Il nome di Dio è Misericordia, S. 38-39).

3.    „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28).

Mit dieser schönen und theologisch verdichteten Aussage erkennt der Apostel Thomas Jesus als Messias und als Gott an. Es ist seine Glaubensantwort auf die große Barmherzigkeit des Herrn Jesus. Acht Tage nach seiner ersten Erscheinung lässt sich der Herr wieder in seinem verherrlichten Leib sehen, der jedoch die Wundmale trägt, die Zeichen seines Leidens. Auf diese Weise wird der Grund angegeben, warum Thomas nicht glaubt. Denn auf die Botschaft von der Auferstehung Jesu, sagt er: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh 20,25). Nunmehr kann er den Auferstehungsleib des Herrn sehen und berühren und glaubt an seine Auferstehung (vgl. Joh 20.27). Die Vorhaltung Jesu an Thomas: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,28) ist eine Warnung an uns alle. Wir sehen Jesus Christus nicht auf physische Weise, doch begegnen wir ihm durch den Glauben in der Gnade des Heiligen Geistes. Bei diesem Glaubensprozess spielen das Zeugnis der Apostel, die Sakramente der Kirche, vor allem die Eucharistie, und die Heilige Schrift, wo das Leben und die Wunder des Herrn, vor allem auch die Erscheinungen nach seiner Auferstehung festgehalten sind, eine besondere Rolle. Der Heilige Johannes betont die Bedeutung des Glaubens für das christliche Leben und für die rechte Beziehung mit der Welt: „Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube“ (1 Joh 5,4) und damit ist der Glaube gemeint, „dass Jesus der Sohn Gottes ist“ (1 Joh 5,5). Zu diesem Glauben gelangt man in der Wahrheit des Heiligen Geistes (vgl. 1 Joh 5,6).

    Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen uns durchdringen lassen von der Gnade des Heiligen Geistes, um fest im Glauben an die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus zu stehen. Dieser Glaube erfüllt uns mit dem wahren Frieden, den nur der auferstandene Jesus schenken kann. Neben dem Frieden möge uns tiefe Freude erfüllen, ähnlich den Aposteln, die sich freuten, „als sie den Herrn sahen“ (Joh 20,20). Jesus Christus ist der Erstgeborene der Schöpfung und der Toten (vgl. Kol 1,15.18; Offb 1,5) und ermöglicht somit auch uns, nach dem Tod zum ewigen Leben aufzuerstehen. Diese Hoffnung ist das Fundament christlicher Hoffnung. Sie spiegelt sich schon jetzt in dieser Welt. Um den Himmel zu erreichen, müssen wir hart auf Erden arbeiten und Verdienste erwerben. Das verlangt nach unserer Liebe zu Gott, die sich ausweitet in der Liebe zu unserem Nächsten, im Aufbau einer geschwisterlichen Gemeinde nach dem Beispiel der Gemeinschaft der ersten Christen, die „ein Herz und eine Seele“ waren (Apg 4,32).
   

Vertrauen wir unsere Überlegungen der mächtigen Fürsprache der seligsten Jungfrau Maria an, der Königin des Himmels, damit ihr Sohn und Herr unseren Glauben an seine Auferstehung stärke, uns mit dem Heiligen Geist erfülle und jeden von uns zu eifrigen Aposteln des Friedens, der Freude, der Hoffnung und der christlichen Gemeinschaft mache. Amen.

Archivfoto Nuntius Eterović (c) Apostolische Nuntiatur Berlin


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Lesermeinungen

 Chris2 13. April 2021 
 

Sehr wichtige Erinnerung, denn

"wem Ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen, wem Ihr sie behaltet, dem sind sie behalten" (Joh 20,23)
Aus diesem unmissverständlichen Auftrag Jesu folgt:
1. die Sündenvergebung ist ein zentraler Auftrag Gottes und ein unermessliches Geschenk an seine Kirche, das an sein Kreuzesopfer anschließt
2. Um Sünden behalten zu können, muss der Priester die Sünden und Disposition des Beichtenden zwingend (sic!) kennen*, es muss also zuvor ein öffentliches (Urkirche) oder 'geheimes' Sündenbekenntnis gegeben haben
3. Ein Priester, der die Beichte bewusst vernachlässigt oder sie seinen Gläubigen gar ausredet, handelt klar gegen den Willen des Herrn
* falls jemand ein anderes geeignetes Kriterium kennt, anhand dessen man den Nachlass der Sünden verweigern (sic!) kann, würde ich es gerne erfahren


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