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Kardinäle bekommen Buch „Der nächste Papst“ von George Weigel

16. Juli 2020 in Buchtipp, 6 Lesermeinungen
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Weigel: Wenn das Buch hilft, „Gesprächsnetze zwischen den Kardinälen zu schaffen, in denen sie gemeinsam über die Zukunft der Kirche nachdenken können, werde ich sehr zufrieden sein.“ Von Martin Bürger


Fort Collins (kath.net/mb) Der US-amerikanische Verlag Ignatius Press hat das neue Buch „Der nächste Papst“ von George Weigel an eine Reihe von Kardinälen geschickt. Den Büchersendungen war jeweils ein kurzer Vermerk von Kardinal Timothy Dolan, dem Erzbischof von New York, beigelegt. „Eminenz, mein Bruder Kardinal, ich bin Ignatius Press dankbar dafür, diese wichtige Reflexion über die Zukunft der Kirche dem Kardinalskollegium zur Verfügung zu stellen“, schrieb Dolan laut National Catholic Reporter (NCR). Die alle zwei Wochen erscheinende Zeitung zitierte einen der Kardinäle, die das Buch bekommen hatten, mit den Worten: „Viele von uns waren sprachlos, dass dieser amerikanische Kardinal uns das Buch schickte. Wir haben einen Papst, und unser geliebter heiliger Papst Johannes Paul II. hat uns klare Normen für ein zukünftiges Konklave gegeben.“ NCR spekulierte, das Buch sei an alle 222 Kardinäle geschickt worden, von denen 122 derzeit bei einem Konklave wahlberechtigt wären.

 

Die Zeitung suggerierte, der Versand des Buches an alle Kardinäle verletze möglicherweise die Apostolische Konstitution Universi Dominici Gregis von 1996, in der Papst Johannes Paul II. es verboten hatte, „zu Lebzeiten des Papstes und ohne Beratung mit ihm, über die Wahl seines Nachfolgers zu verhandeln oder Wahlversprechen zu machen oder diesbezüglich in heimlichen Privatzusammenkünften Beschlüsse zu fassen.“ Ferner erklärte der polnische Papst: „Die wahlberechtigten Kardinäle müssen sich außerdem jeder Form von Verhandlungen, Verträgen, Versprechen oder sonstiger Verpflichtungen jeder Art enthalten, die sie binden können, einem oder einigen die Stimme zu geben oder zu verweigern.“


 

George Weigel, der Autor des Buches, zeigte sich gegenüber der Catholic News Agency über den von NCR zitierten Kardinal lustig: „Ein ‚sprachloser‘ Kardinal ist vielleicht so etwas wie eine ontologische Unmöglichkeit, und auf jeden Fall schienen diese ‚sprachlosen‘ Kardinäle ihre Stimme zu finden, als sie das wollten.“ Weigel stellte klar, dass Kardinal Dolan das Buch nicht verschickt habe, sondern US-amerikanische Verlag. Der Kardinal habe lediglich „freundlicherweise ein Begleitschreiben zur Verfügung gestellt, in dem er Ignatius Press dafür dankt, dass er das Buch dem Kardinalskollegium zur Verfügung gestellt hat. Wenn also jemand ‚sprachlos‘ war, weil Kardinal Dolan ihm ein Buch ‚schickte‘, sollte er sich seinen Brief noch einmal ansehen und ihn diesmal genau lesen.“

 

Weigel beklagte, das Kardinalskollegium habe seit Februar 2014 – vor mehr als sechs Jahren – nicht mehr als Gruppe getagt. „Diese unglückliche Tatsache“ werde die Zeit der Sedisvakanz nach dem Tod oder Rücktritt von Papst Franziskus sowie das nächste Konklave „erschweren, da sich die Mitglieder des Kollegiums wirklich nicht kennen. Wenn ‚Der nächste Papst‘ dazu beiträgt, Gesprächsnetze zwischen den Kardinälen zu schaffen, in denen sie gemeinsam über die Zukunft der Kirche nachdenken können, werde ich sehr zufrieden sein.“

 

Auch der Media Maria Verlag, verantwortlich für die vor wenigen Tagen erschienene deutsche Übersetzung von „Der nächste Papst“, bestätigte auf Anfrage, dass die deutschsprachigen Kardinäle je ein Exemplar der deutschen Ausgabe erhalten hätten, und zwar „sowohl im Auftrag von George Weigel als auch in Absprache mit ihm“. Deutschland hat mit Kardinal Reinhard Marx, dem Erzbischof von München und Freising, sowie Kardinal Rainer Maria Woelki, dem Erzbischof von Köln, zwei wahlberechtigte Kardinäle. Hinzu kommen Kardinal Gerhard Müller, der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Christoph Schönborn in Österreich und der Schweizer Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Insgesamt sechs Kardinäle aus Deutschland und der Schweiz sind nicht länger wahlberechtigt, da sie älter als 80 Jahre sind.

 

Anders als man vermuten könnte, geht „Der nächste Papst“ nicht auf einzelne Kardinäle ein, die eventuell beim nächsten Konklave zum Papst gewählt werden könnten. Stattdessen beschreibt Weigel bestimmte Eigenschaften, die der Papst haben sollte, um die Kirche überzeugend im 21. Jahrhundert zu führen. Ein Hauptaugenmerk legt der US-amerikanische Autor auf die Auswahl der Bischöfe – die wichtigste Aufgabe eines jeden Papstes. Er betonte zudem die Wichtigkeit der Klarheit in der Lehre betont, auch um Ökumene und interreligiösen Dialog voranzubringen, wobei „das Bemühen um die Einheit der Christen als ein Streben nach der Einheit-in-Wahrheit“ ausschlaggebend sei. Interreligiöser Dialog sei insofern zu fördern, als er „auf der Wahrheit basiert“. Daher müsse der nächste Papst „den in religiöser Hinsicht ‚anderen‘ […] mit Respekt gegenübertreten, der auf eine beiderseitige Klärung der Wahrheit ausgerichtet ist, und gleichzeitig unverbrüchlich an den Wahrheiten festhalten, die zu bewahren ihm aufgetragen ist.“

 

kath.net-Buchtipp:

Der nächste Papst

Das Amt des Petrus und eine missionarische Kirche

Von George Weigel

Hardcover, 160 Seiten

2020 Media Maria

ISBN 978-3-947931-24-8

Preis Österreich: 17.50 EUR


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