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Joseph Ratzinger – weltgewandt und diskussionsfreudig

6. Mai 2020 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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Neue Biographie von Peter Seewald ist für Kritiker Ratzingers wieder einmal Anlass, reflexartig und eigenwillig monoton-konservativ mit dem Finger auf ihn zu zeigen" - Gastkommentar von Christian Schaller/Institut Papst Benedikt XVI. (Regensburg)


Regensburg (kath.net) Die neue Biographie von Peter Seewald ist für die Kritiker Joseph Ratzingers wieder einmal Anlass, reflexartig und eigenwillig monoton-konservativ mit dem Finger auf ihn zu zeigen. Gerade in dieser Reaktion zeigt sich, wie Recht der emeritierte Papst hat. Denn weder wird die enorme Leistung des Autors Peter Seewald, der sich über Jahre hinweg intensiv und mit großer Hingabe diesem Projekt gewidmet hat, auch nur ansatzweise gewürdigt, noch versucht man seitens der Rezensenten, die außergewöhnliche Lebensleistung von Joseph Ratzinger in all seinen unterschiedlichen Diensten für das Evangelium, die Kirche, die Theologie und die Menschen zu verstehen und objektiv zu deuten. Als Verantwortlicher für die „Joseph Ratzinger Gesammelten Schriften“ entpuppt sich in allen Texten und Begegnungen der „Panzerkardinal“ als weltläufiger, offener, jeder Diskussion sich stellender Mensch, dessen einzige Intention in seinem Wirken die innere Verbindung von Glaube und Vernunft herauszustellen war und sie neu in der jeweiligen Zeit zu verdeutlichen. Deshalb war sein Engagement im Vorfeld des Konzils, während der Beratungen in Rom und in der flankierenden Vermittlung und nachfolgenden intensiven Rezeption eines der bedeutendsten innerhalb der theologischen und kirchlichen Wirklichkeit. All dies könnte man in Band 7 der Gesamtausgabe dezidiert nachlesen – wenn man die Fähigkeit besäße, sich auf eine objektiv-wissenschaftliche Ebene einzulassen.


Seine letzte Ansprache als amtierender Papst galt dem Konzil. Das erschien mir als programmatische Ansage, dass dem Konzil auch heute immer noch die Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, die nötig ist, um Kirche der Zukunft zu gestalten. Das bedeutet aber, sich der Texte anzunehmen, die Genese einzelner Dokumente zu verfolgen, um deren Tragweite und inhaltliche Dimension zu verstehen. Darin besteht genau das von Johannes XXIII. eingeforderte „aggiornamento“, das nicht bedeutet, den Glauben an eine menschlich-konstruierte säkulare Gesellschaft (die schon lange nicht mehr von der Kirche gestaltet wird in unserer Sphäre), sondern vielmehr, dass sich die Kontinuität der Kirche, die von den Quellen Offenbarung, Schrift, Tradition ausgeht, immer neu in die Aktualität der Welt hinein sich ausdrücken muss. Worte finden für eine verstehbare Verkündigung heute. Auch das ist keinem besser gelungen, als Joseph Ratzinger, der in Lehre und Verkündigung – ohne dabei eine Trennung vorzunehmen – sich an den jeweiligen Adressaten orientiert hat. Dass man all dies nicht zur Kenntnis nehmen will/kann, zeigt auf der Negativfolie eines ganz deutlich: Dass der emeritierte Papst mit seiner Analyse schon vorher Recht hatte. Erstaunlich ist darüber hinaus die unkritische Hinnahme interessanter Details des Agierens der Kritiker Ratzingers gegen ihn. Ist der Feind bestimmt, ist wohl alles erlaubt. Und an manchem Denkmal darf man unter keinen Umständen rütteln.

Seewalds Werk ist ein gelungenes Beispiel für eine Biographie, die eine Persönlichkeit in den Kontext ihrer Zeit stellt. Wie stark sich Ratzinger mit den Ideen, Gefahren, Philosophien, mit der Literatur und den Künsten, den politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigt und sie kritisch begleitet hat, wird nur in dieser Weise zu einem Gesamtgemälde einer Person in ihrer Zeit. In einer Biographie geht es nicht darum, den Terminkalender zu kopieren, sondern Einflüsse, Lektüre und Interessen einer Person zu erfassen – bei einer Persönlichkeit wie Benedikt XVI. wird diese Schau zu einer Retrospektive eines ganzen Jahrhunderts, in dem gerade er mit-gearbeitet und mit-gedacht hat. Die Geschichte wird zeigen, dass Benedikt XVI. dieses Jahrhundert in Kirche und Welt auch wesentlich mit-gestaltet hat.

Dr. Christian Schaller ist Stellvertretender Direktor am Institut Papst Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Benedikt XVI.
Ein Leben
Von Peter Seewald
Hardcover
1184 Seiten; 245 mm x 170 mm
2020 Droemer/Knaur
ISBN 978-3-426-27692-1
Preis Österreich: 39.10 EUR

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Titelblatt zu Peter Seewald: Benedikt XVI. - Ein Leben



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Lesermeinungen

 lesa 7. Mai 2020 

Jes 9

@Scotus: Danke für die von Ihnen so formulierte Prognose!


4
 
 mphc 7. Mai 2020 

Ich schließe mich zu 100% der Meinung

meiner Vorposter an!
Ich liebe Benedikt XVI.


5
 
 Scotus 7. Mai 2020 

Benedikt XVI.

Das Leben dieses Papstes und sein Werk mag vielen noch verborgen sein. Der Samen, den Papst Benedikt gestreut hat, ist noch nicht aufgegangen. Aber die Arbeit dieses "einfachen Arbeiters im Weinberg des Herrn" wird noch offenbar werden.

Unser Glaube verlangt von innen her nach vernunftgeleiteter Durchdringung. Christliche Offenbarung ist nicht einfach die Mitteilung von Sachwahrheiten, sondern auch ein geschichtliches Ereignis. Das Wort ist Fleisch geworden. Gott wurde Mensch.

In einer seiner Katechesen zitierte Papst Benedikt einmal Wilhelm von Saint-Thierry: "Amor ipse intellectus est." Diese Liebe vom Vater zum Sohn, und die Liebe des Sohnes zu uns Menschen ist nicht nur ein heilsgeschichtliches Mysterium, sondern selbst allerhöchste Vernunft.


5
 
 bernhard_k 6. Mai 2020 
 

Ich freu mich riesig ...

... auf diese 1100 Seiten!

Papst Benedikt XVI. verfügt über eine theologische Power von ca. 10.000 PS (=Papst-Stärke).

All seine Kritiker zusammen kommen auf geschätzte 5 PS (=Plapper-Stärke) ...


7
 

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