Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Kirchen verfehlen die Lebensrealität vieler Christen in Deutschland
  2. Rundumschlag statt geistige Auseinandersetzung
  3. "Möchte ich mich formell für die Klimaangst entschuldigen!"
  4. Papst mahnt "Gewissenserforschung" im Umgang mit Flüchtlingen an
  5. Lobpreis, die Beziehung zum Vater, Ruhe in Jesus
  6. Kritik: „Gewissensfreiheit durch die Hintertür eines faktischen Teilberufsverbots aushebeln“
  7. Diözese Linz verlinkt umstrittenes Bekenntnis zur LGBT-Propaganda
  8. „Meine Zeit im Gefängnis“ – „Mein katholischer Glaube hat mich gestützt“
  9. Grüne wollen Ärzte zur Abtreibung zwingen!
  10. Umwandlung der Hagia Sophia löst Proteste in Ost und West aus
  11. R.I.P. Ennio Morricone
  12. Der synodale Weg funktioniert nicht
  13. Türkisches Gericht annulliert Museumsstatus der Hagia Sophia
  14. Der Glaube ist „verdunstet, verdampft, verflüchtigt“, auch an den katholischen Schulen
  15. Überraschende Wende: Macron will identischen Nachbau des Notre-Dame-Vierungsturms

Warum die Oper mit der Religion verbunden werden kann

17. Oktober 2019 in Kultur, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Cavalleria Rusticana“ als Einstiegsoper und warum "Carmen" so treffend den Weg einer Seele beschreibt - kath.net-Interview mit P. Francisco Sunderland LC über Opern und Glaube - Von Roland Noé


Wien (kath.net)
kath.net: Warum sollten Christen sich überhaupt mit der Opernwelt befassen? Was hat die Opernwelt mit Religion zu tun?

P. Francisco Sunderland LC:
Einen seiner Charaktere lässt der Komödiendichter Terenz (Publius Terentius Afer, ca. 195 bis 158 v. Chr., Anmerkung der Redaktion) auf die Frage, warum er sich in die Dinge anderer einmische, mit dem berühmten Satz antworten: „Ich bin ein Mensch, und nichts was menschlich ist, ist mir fremd“.

Damit will der Dichter teilweise der allgemeinen menschlichen Neugierde oder Sensationslust einen Freibrief geben. Für uns Christen gehört vielmehr zur Wahrheit über den Menschen, dass Jesus Christus selbst wahrer Mensch wurde und der Gottessohn somit auch alles Menschliche mit erlöst hat.

Vor diesem Hintergrund können wir Christen, zusammen mit vielen anderen Nichtchristen, sagen, dass die Oper, als musikalische Gattung des Theaters, im Wesentlichen bestehend aus der Vertonung einer dramatischen Dichtung, eine der vollkommensten Künsten überhaupt ist, da sie so viele andere Künste in sich birgt: Instrumentalmusik, Lieder, Tragik, Drama, Komödie, Ballett, Dichtung, usw.

Die Oper ist an sich nicht unmittelbar mit der Religion verbunden. Sie kann aber, wie viele andere Künste – zum Beispiel die bildende Kunst – mit der Religion über die sogenannten „Heilige Bilder“ verbunden werden. Was das Zweite Konzil von Nicäa (um das Jahr 787), das Konzil von Trient (1545-1563) und das Zweite Vatikanische Konzil über die „Heiligen Bilder“ gesagt haben, kann auf mehrere Kunst-Gattungen angewendet werden.

Was Nicäa sagte, kann in der Lehre von Johannes von Damaskus zusammengefasst werden. Dieser behauptet, der Künstler sei vor allem, jemand der die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachtet. Nach dieser Betrachtung drückt er „mit seinen Farben“ aus, was er betrachtet hat. Der Kern oder Rechtfertigung der Hl. Bilder ist deshalb, in der Menschwerdung Christi zu finden.


Trient äußerte sich zu diesem Thema in seiner 25. Sitzung nach der bekannten Lehre des heiligen Basilius. Dieser Kirchenlehrer behauptet nämlich, dass die Bilder nicht heilig aus eigener Kraft seien. Sie beziehen sich vielmehr zu einer Person, und zwar zur Person Christi und den Menschen seiner Gnade.

Schließlich das 2. Vatikanische Konzil – in der Konstitution Sacrosanctum Concilium – sagt, dass das Ziel der Hl. Bilder Menschen zu helfen ihre Seele zu Gott zu erheben sei. Dazu kommt noch die Erbauung der Gläubigen, ihre Frömmigkeit zu stärken und sie im Bereich der Religion zu ausbilden bzw. zu fortbilden.

Zu beobachten ist außerdem, dass oft eine Analogie zwischen dem Inhalt und Aufbau eines Kunstwerks und Glaubenswahrheiten und Gotteserfahrungen besteht. In vielen Kunstwerken, gerade der Oper, lassen sich z.B. tiefe Wahrheiten über die Seele des Menschen wiederfinden.

kath.net: Was würden Sie Jemand raten, der sich erstmals damit beschäftigt, welche Opern wären so eine Art Einstieg?

P. Francisco Sunderland LC: Das hängt von jedem Einzelnen ab und ist individuell unterschiedlich: Für manche könnte ein guter Einstieg darin bestehen, zunächst eine schöne Arie zu hören, um dann zum eigentlichen Werk vorzudringen. Andere finden vielleicht das Interesse am Werk über die Geschichte von der die Oper handelt oder über einzelne Charaktere darin, die der Künstler darzustellen versucht.

Mein persönlicher Favorit zum Einstieg in die Welt der Oper ist auf jeden Fall „Cavalleria Rusticana“ von Domenico Monleone und Pietro Mascagni. Die Handlung spielt in einem Dorf im Süden Italiens, auf Sizilien, am Ostermorgen. Mehr verrate ich nicht.

kath.net Welche Opern befassen sich besonders explizit mit der Religion?

P. Francisco Sunderland LC: Das ist eine schwierige Frage. Es ist schwer, sich zu vorstellen, wie viele Opern es überhaupt gibt! Wenn ich feststelle, wie viele Opern allein ein Komponist wie Antonio Vivaldi geschrieben hat (von welchem ich keine einzige gehört bzw. gesehen habe), kann ich nur zugestehen, dass diese Frage mich überfordert.

kath.net: Zu Ihren Lieblingsopern gehören "Il Barbiere di Siviglia" und "Carmen". Ganz kurz, um was geht es in beiden Opern und was ist schön an diesen Opern?


P. Francisco Sunderland LC:
Aus meiner Sicht wird in der Oper „Carmen“ (Uraufführung 1875) sehr treffend der Weg einer Seele beschrieben, die sich mehr und mehr in der Sünde verstrickt. Jeder Akt ist wie eine Stufe, die tiefer ins Reich des Todes hinabführt; bis der endgültige Tod eintritt. Die Gestalt des Don José erscheint wie die Seele des Menschen; Carmen wie die Schönheit aber ohne Seele; Michaela wie die Gnade usw. Als Priester finde ich diese Oper deshalb nicht nur künstlerisch schön, sondern in der Gesamtaussage menschlich sehr „treffend“. Es ist eine Geschichte, die ich auf geheimnisvolle Weise ständig betrachten darf.

„Il Barbiere“ (dt. „Der Barbier von Sevilla“; Uraufführung 1816) ist hingegen eine musikalische Komödie („Opera buffa“). Die ganze Geschichte ist sehr lustig, in ihrem Verlauf werden die fernen und oft gut verborgenen Winkel des Herzens ans Licht gebracht. Um nur zwei kurze Beispiele zu geben, die Arie des Basilio mit dem Titel „La Calunnia“ (dt. „Die Verleumdung“) ist zum Beispiel eine vorzügliche Beschreibung dessen, was wir auch heute über die üble Nachrede wissen sollten: „La calunnia è un venticello, un'auretta assai gentile che insensibile, sottile, leggermente, dolcemente incomincia a sussurrar“, heißt es da, auf Deutsch ungefähr so: „Verleumdung ist ein Kinderspiel, ein Heiligenschein so freundlich wie gleichermaßen unsensibel, subtil, leicht, sanft beginnt sie zu flüstern.“

Die Arie von Berta verweist auf fantastische Weise auf die Relativität des Alters und wie Menschen oft gerade das kritisieren, was sie selber sind! Die Oper ist voll von kleinen Lehrstunden der Menschlichkeit, die uns dabei helfen können, uns besser kennenzulernen und eventuell zu verbessern.


kath.net: Sind Opern auch etwas für Kinder?


P. Francisco Sunderland LC:

Ja, es gibt z.B. viele Geschichten in Opern-Form, die Kinder auch heute mögen: „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck oder „Aschenputtel“ von Rossini, um nur zwei zu nennen. Ich empfehle aber sehr, mit Kindern vor dem Opern-Besuch über das konkrete Werk zu sprechen und sie darauf vorzubereiten. Mir gefällt auch das Programm des Bayerischen Rundfunks (BR-Klassik) speziell für Kinder, das „Do, Re Mikro“. Mir scheint, dass Kinder darin mit Hilfe fröhlicher Musikübungen gut und altersgerecht in die Welt der klassischen Musik eingeführt werden.

Wenn ich noch kurz ein Wort über die klassische Musik sagen darf… Mit dieser Musik verhält es sich ein wenig wie mit dem Essen. Fast alle Kinder lieben Pizza, Nudeln „alla Bolognese“ und Schnitzel mit Pommes. Und dann gibt es die Gerichte, von denen wir Erwachsenen sagen, sie seien besonders exquisit, womit Kinder in der Regel aber nichts anfangen können. Mit viel Geduld, Einfallsreichtum und Probieren führen dann die Eltern ihre Kinder an diese Speisen heran. Nicht selten finden sie es dann als Jugendliche sogar ziemlich cool, regelmäßig mit den Eltern „gut essen“ zu gehen. Manche klassischen Werke ähneln vielleicht auch einer „Pizza“ oder „Pommes“. Mit denen sollten Eltern natürlich beginnen.

kath.net: Danke für das Interview

Cavalleria Rusticana als OPERN-FILM




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 edith7 17. Oktober 2019 
 

"Cavalleria rusticana" ist ein Anti-Beispiel

Die Oper "Cavalleria rusticana" (bei den Salzburger Osterfestspielen 2015 mit Jonas Kaufmann in der männlichen Spitzenrolle meisterhaft aufgeführt) nehme ich eher als eine musikalische Form der "Religionskritik" wahr, wie sie für den "verissmo" ("Naturalismus") nicht untypisch ist.
Hier nimmt an einem Ostermorgen in einem sizilianischen Dorf - umrahmt von den zahlreichen Kirchengängern des Ortes, die sich zur Ostermesse begeben, zum Teil untermalt von festlicher Musik, die aus dem Gotteshaus auf den Vorplatz dringt - ein gehörnter Ehemann blutige Rache an seinem Nebenbuhler indem er ihn mit dem Messer ersticht.
Kirche und Religion fungieren als "Folie" und spiegeln zugleich die Oberflächlichkeit von Folklore und Volksfrömmigkeit wider.
Von der Erlösung durch die Auferstehung Christi bleibt die menschliche Seele, von niederen Instinkten beherrscht, völlig unberührt.


3

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Musik

  1. Popstar Kelly Clarkson: Sie glauben an etwas Größeres als nur an sich selbst
  2. Lionel Richie: Ich bin so dankbar, dass Gott dich uns vorgestellt hat
  3. Gottesdienst ohne Singen ist wie Bundesliga ohne Ball
  4. Trotz Corona: Andrea Bocelli gibt Osterkonzert im Mailänder Dom
  5. „Es geht nur um Jesus den König! Amen“
  6. Wenn man mit einem Anbetungslied eine deutsche Casting-Show gewinnt!
  7. Junge Christin Claudia Emmanuela gewinnt "The Voice of Germany"
  8. Jahre nach Whitney Houstons Tod steht ihr neuer Song in den Charts
  9. Wiener Mathias Lehnfeld gewinnt ersten "Vocation Music Award"
  10. Bier, Musik und Anbetung








Top-15

meist-gelesen

  1. Benedikt XVI.: „Vergelt’s Gott, lieber Georg, für alles“
  2. Rundumschlag statt geistige Auseinandersetzung
  3. "Möchte ich mich formell für die Klimaangst entschuldigen!"
  4. „Meine Zeit im Gefängnis“ – „Mein katholischer Glaube hat mich gestützt“
  5. Grüne wollen Ärzte zur Abtreibung zwingen!
  6. Der synodale Weg funktioniert nicht
  7. Kirchen verfehlen die Lebensrealität vieler Christen in Deutschland
  8. „Herr, ich bin da!“ – Georg Ratzinger über seine Primiz
  9. Wir knien nur vor dem allmächtigen Gott nieder!
  10. „Unser aller aufrichtige Anteilnahme gilt dem Papa emerito Benedikt XVI.“
  11. „Das Bekenntnis zur Wahrheit betrachtete Kardinal Meisner als heilige Pflicht“
  12. „Black Lives Matter“ fordert Auflösung der Kernfamilie
  13. „Der nächste Papst“: Welchen Herausforderungen muss er sich stellen?
  14. Papst mahnt "Gewissenserforschung" im Umgang mit Flüchtlingen an
  15. Trondheim bekommt nach elf Jahren wieder eigenen Bischof

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz