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Gerl-Falkovitz: Hildegard Burjan widerstand ‘Sozial-Versuchung’

31. März 2019 in Österreich, 4 Lesermeinungen
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Heiligenkreuzer Philosophin setzt sich im "Osservatore Romano" anhand der seliggesprochenen österreichischen Politikerin mit Wesen christlicher Sozialpolitik als Frucht des Glaubens auseinander.


Rom (kath.net/ KAP)
Die Heiligenkreuzer Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz hat sich im "Osservatore Romano" anhand der seliggesprochenen österreichischen Politikerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, Hildedgard Burjan (1883-1933), mit dem Wesen christlicher Sozialpolitik als Frucht des Glaubens auseinandergesetzt. Wenn Burjan etwa schreibe, dass "wir in den Kranken immer den leidenden Heiland pflegen und so recht mit Ihm verbunden sein können", sei dies heute für viele unverständlich, aber es treffe den Kern des Motivs und der Wirksamkeit des selbstlosen Tuns, in dem sich die Helfer in "in den Raum der Erlösung stellen", so die Philosophin in einem Beitrag für die aktuelle deutschsprachige Wochenausgabe (22. März) der Vatikanzeitung.

Gerl-Falkovitz erinnert, dass die französische Philosophin Simone Weil (1909-1943) vom Sozialen als der "subtilen Versuchung des Christentums" gesprochen habe. Hildegard Burjan, die einige große Sozialgesetze initiierte, sei dieser Versuchung nicht erlegen.

"Eine erloschene Christlichkeit kann ihre Leere mit sozialer Aktivität überspielen. Sie wird weiter 'funktionieren', aber die Quelle ist versiegt. So besteht die Versuchung, das Leiden organisatorisch zuzudecken. Oder das Leiden abzuschaffen, indem der Leidende selbst beseitigt wird", so die Heiligenkreuzer Professorin.


Die "unlösbar scheinende Aufgabe" Hildegard Burjans sei es gewesen, "die Not durch Gesetzgebung 'strukturell' einzudämmen und eine politische Antwort großen Stils zu entwerfen". Doch habe neben der politischen Antwort auch die Notwendigkeit des "Stoßtrupps für den Einzelfall" gesehen, weshalb sie die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis gegründet habe. Dies unterscheide sie von Rosa Luxemburg (1871-1919), die soziale Veränderung "nur revolutionär, also strukturell, denken konnte" und im Zweifelsfall tatsächlich auch bereit gewesen sei, Menschenleben dafür zu opfern. Burjan sei aber nicht Luxemburg gewesen, resümiert Gerl-Falkovitz.

Hildegard Burjan, eine der großen Gestalten der christlichen Frauenbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde am 30. Jänner 1883 als Hildegard Freund im sächsischen Görlitz in eine liberale jüdische Familie geboren, studierte in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. Im Jahr 1907 heiratete sie den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan. Nach Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte sie zur katholischen Kirche.

Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für Frauen. 1912 gründete sie den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen" und 1918 den Verein "Soziale Hilfe". Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein.

In Absprache mit der der sozialdemokratischen Fraktion gelang ihr 1919 das "Hausgehilfinnengesetz" als Rechtsgrundlage für Arbeit und Lohn. 1920 gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" (CS), mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern. "In der CS entwickelte sie neue Sozialprojekte für Randgruppen, kämpfte um rechtliche Rahmenbedingungen, ließ ihre großbürgerlichen Beziehungen spielen, nicht ohne auf antisemitische Vorurteile zu stoßen", wie Gerl-Falkovitz schreibt.

Als große Ausnahme in der neueren Ordensgeschichte war Burjan zugleich Oberin ihrer Gemeinschaft, Ehefrau (eines der führenden Industriellen seiner Zeit) und Mutter einer Tochter. Zugleich war sie die Beraterin führender Politiker der Ersten Republik, so von Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel (1876-1932).

Obwohl sie nur kurze Zeit dem Parlament angehörte, galt sie schon bald als dessen "Gewissen". Die tief religiöse Burjan stellte sich dem Elend großer gesellschaftlicher Schichten und verschloss vor Jugendkriminalität, Verwahrlosung und Prostitution nie die Augen. Dadurch erwarb sie sich auch den Respekt sozialdemokratischer Politiker.

Als im Jahr 1920 Neuwahlen anstanden, zog sich Burjan aus Rücksicht auf ihre stark angeschlagene Gesundheit und wegen der zunehmenden antisemitischen Strömungen auch innerhalb ihrer Partei aus dem Parlament zurück, blieb aber weiter politisch aktiv. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden. 2012 wurde sie von der katholischen Kirche seliggesprochen.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

 lesa 31. März 2019 

Berührungspunkte

Danke für den Impuls! Sehr aktuell!
Nach einer unerklärlichen Heilung wurde H. Burjan plötzlich am Ostersonntag geheilt. Danach konvertierte sie zum Katholischen Glauben. „Ich habe mich entschlossen, zu glauben, so wie es die Kirche lehrt, darum will ich eben glauben und nicht wissen.“ Sie, eine Intellektuelle, lehnte jedes kritische Herumtüfteln an der Weisung der Kirche ab. Alle wichtigen Entscheidungen prüfte sie sie vor dem Tabernakel.
Ihr Kampf für die Rechte der Frau ist frei von jenem egozentrischen Feminismus, wie wir ihn seit 1968 kennen und den sie durchschaut hatte: Es würde keinen Fortschritt bedeuten, „wenn die Frau ihrem natürlichen Beruf als Frau und Mutter entzogen wird“. Es geht ihr um die Möglichkeit der Entfaltung der Frau in ihrer großen Aufgaba am Leben.
@Authentische: "Bei all unserer Arbeit muss uns doch als höchster Leitstern vorschweben, dass der Mensch nicht allein vom Brote lebt, sondern dass seine Seele voll Sehnsucht nach Gott verlangt." (Sel.H.Burj.)


6
 
 Authentisch 31. März 2019 

Ein sehr guter Beitrag. Ich glaube auch, dass soziales Engagement ohne den Glauben an Gott "abflacht", "leer wird". Deshalb kann Helfen, ohne zuerst auf Gott zu sehen, in eine falsche Richtung gehen. Zuerst Gott und dann der Mensch.


6
 
 myschkin 31. März 2019 
 

Das ist sehr schön,

dass an diese eindrucksvolle Frau erinnert wurde. Eine katholische Politikerin, die Modernität und Frömmigkeit in Harmonie lebte - trotz oder wegen ihrer gesundheitlichen Einschränkungen. Hildegard Burjan kann gerade in der heutigen Zeit mit ihren oft genug ins Kraut schießenden Debatten über die Geschlechterrollen ein brandaktuelles Vorbild sein - nicht zuletzt für die gegenwärtig in politischer Verantwortung stehenden Politikerinnen.


5
 
 nazareth 31. März 2019 
 

Wie beeindruckend ist diese Persönlichkeit von Hildegard Burjan. Und wie aktuell ist diese Botschaft in jeglicher Hinsicht. Kirche als abgeflachter humanistischer Sozialverein, Politik ohne Gott, katholische Soziallehre als Lösung für viele aktuelle Probleme... Hildegard Burjan bitte für uns.


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