Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  3. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  4. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  5. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  6. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  7. Papst Leo XIV. empfing Katholiken, die mit gleichgeschlechtlicher Neigung keusch leben möchten
  8. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  9. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  10. Die große Täuschung
  11. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  12. Medienkrise verschärft sich: Dramatische Auflagenverluste für Tageszeitungen in Deutschland
  13. Fatales Gerichtsurteil in Deutschland: Chefarzt siegt gegen katholisches Klinik-Verbot
  14. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  15. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom

Glauben wir an den „Gott der Überraschungen“?

7. Jänner 2019 in Spirituelles, 7 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Kann Gott mich überraschen? Überrascht uns also Papst Franziskus, der scheinbar beständig vom „Gott der Überraschungen“ zu sprechen scheint, mit einem neuen Gottesbild?“ Gastbeitrag von Thorsten Paprotny


Hannover (kath.net) Im „Credo“ – nicht einmal in den modernen Fassungen, die Karl Rahner oder die protestantische Theologin Dorothee Sölle vorgelegt haben – lese ich nichts davon. Kann Gott mich überraschen? Überrascht uns also Papst Franziskus, der scheinbar beständig vom „Gott der Überraschungen“ zu sprechen scheint, mit einem neuen Gottesbild? Ist Gott überraschenderweise Mensch geworden?

Übersetzungen, auch von lehramtlichen Texten und päpstlichen Verlautbarungen, sind Glücks-, mitunter auch Unglückssache, ein Fall für Philologen und Sprachpuristen. Wer Weihnachten im ZDF die Ansprache vor dem Segen „Urbi et orbi“ aufmerksam verfolgt hat, sah und hörte, wie Franziskus von „fraternità“ sprach, also von „Brüderlichkeit“. Die von Jürgen Erbacher präsentierte deutsche Übersetzung vatikanischen Ursprungs lautete: „Geschwisterlichkeit“. Im Italienischen gibt es keine Entsprechung für den hierzulande etablierten „geschlechtersensiblen“ Begriff. Sprachliche Geschmeidigkeit verfügt über eine kirchengeschichtliche Tradition. Das gilt auch für falsche oder irritierende Übersetzungen. Papst Benedikt XV. bezeichnete den Ersten Weltkrieg am 28. Juli 1915 als „orrenda carneficina“ (= grauenhafte Schlächterei). Vaterländisch gesinnte Bischöfe in Deutschland sorgten indessen für eine vergleichsweise milde Übersetzung, die „entsetzlicher Kampf“ lautete. Nuancen wie diese führen nicht nur zu Akzentverschiebungen, sie setzen zuweilen absichtlich neue Akzente.

Am 3. Oktober 2017, also am Tag der Deutschen Einheit, bekannte Kardinal Reinhard Marx, er habe gelernt, mit den „Überraschungen der Geschichte“ wie mit den „Überraschungen Gottes“ zu rechnen. Naheliegend scheint es, hierbei an Worte von Papst Franziskus zu denken. Spricht der Heilige Vater zumindest nicht ständig davon, in den Morgenbesinnungen in Santa Marta wie in Interviews und Predigten, dass Gott uns – immer wieder – überrascht? Manche Katholiken, auch in Deutschland und Österreich, mögen manchen von vatikanischen Entwicklungen und päpstlichen Verlautbarungen mitunter überrascht sein. Dazu gehören vielleicht die berühmte, kontrovers diskutierte Fußnote 351 in „Amoris laetitia“ oder die unerwartete Ablösung von Kardinal Gerhard Müller als Präfekt der Glaubenskongregation 2017.


Spricht Papst Franziskus aber von einem „Gott der Überraschungen“? Offen gestanden: Das kann ich mir nicht vorstellen. Denn er weiß – natürlich –, wie es der heilige Ambrosius präzise formulierte: „Ubi Petrus, ibi ecclesia.“ Wo Petrus, d. h. wo der Papst ist, da ist die Kirche. Zugleich darf ich sagen: Mit der italienischen Sprache bin ich ein wenig vertraut. Wer als einfach gläubiger katholischer Christ irritiert ist und sich fragen mag, ob Gott uns überrascht, der begnügt sich am besten mit dem „Credo“. Das genügt in jedem Fall als Richtschnur. Dort lesen wir nichts von einem „Gott der Überraschungen“, wohl aber von dem Gott, der gesprochen hat durch die Propheten und der Mensch geworden ist. Vor diesem Gott beugen wir die Knie, wenn wir das „Credo“ sprechen. Wenn wir davon hören, dass Gott uns überraschen möchte, dürfen wir also skeptisch bleiben. Zumindest dann, wenn wir den italienischen Begriff „sorpresa“ uns anschauen, der zwei Bedeutungsvarianten aufweist. Die Übersetzung sollte vernünftigerweise abhängig vom jeweiligen Kontext erfolgen. Wenn Giuseppe vielleicht seinen alten Freund Giovanni in einem Café trifft, ruft er freudig aus: „Che sorpresa!“ – und das heißt: „Was für eine Überraschung!“, im Sinne von: dass wir uns zufällig, unerwartet und völlig überraschend hier begegnen. Wenn Papst Franziskus aber von Gott spricht, so scheint mir, verwendet er manchmal den durchaus unüblichen Begriff „sorpresa“, aber in einem ganz anderen Sinne: nämlich dass wir verwundert sind oder in Erstaunen versetzt werden. Gott vermag uns zwar nicht zu überraschen – er ist bekanntlich nicht der Weihnachtsmann –, aber Ihm gelingt es immer wieder, dass wir uns verwundern, dass wir staunen dürfen: Darum ziehen drei weise Männer nach Bethlehem und beten das göttliche Kind in der Krippe an. So wie die Heiligen Drei Könige staunen wir darüber – weil wir von innen her Bettler sind –, dass der große Gott, von der Jungfrau Maria empfangen und geboren, Mensch geworden ist. So wie sie beten wir Ihn an, fest im Glauben stehend, gläubig staunend, alle Jahre wieder. Darum singen wir: „Adeste fideles!“

Ich glaube – mit Papst Franziskus – an den Gott, der uns immer wieder ins Staunen versetzen kann, aber uns niemals weltlich überraschen wird. Gottes Liebe ist ein Versprechen, eine Zusage, zugleich eine sakramentale Wirklichkeit und eschatologische Verheißung, auf die hin wir leben und sterben dürfen – und das ist die schönste „sorpresa“, die ich kenne.

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

Link zum kathShop

Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus, Linz:
Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Buchhandlung Provini Berther GmbH, Chur:
Für Bestellungen aus der Schweiz/Liechtenstein: [email protected]

Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der Provini Buchhandlung (Auslieferung Schweiz und Lichtenstein) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

♫ Credo in unum Deum - Latein zum Mitsingen




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Glaube

  1. Entfremdung und Annäherung – Für einen Katholiken in Deutschland gibt es doch immer noch Rom
  2. Ich bin Staatsanwältin – und ich bete
  3. "Der Wind dreht sich. Es gibt immer mehr Menschen, die sich die Frage nach Gott stellen"
  4. US-Studie zeigt: Republikaner sind religiöser als Demokraten
  5. „Satt, aber nicht erfüllt – Kirche im Land der religiösen Indifferenz“
  6. "Wenn ihr dies lest, bin ich endlich in die Arme Jesu geschlüpft"
  7. Glaube ohne Feuer: Wie die Kirche Angst vor der eigenen Botschaft bekommt
  8. Hartl: „Heute ist der Mainstream atheistisch. Also schwimmt man als Christ gegen den Strom“
  9. „Nein – es geht darum, dass wir aufwärts gewandt unterwegs sind“
  10. Nicht reden, sondern machen!






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  8. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  9. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  10. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  11. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  12. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  13. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  14. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  15. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz