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Die Pontifikatskrise und die dramatischen Strukturen dahinter

3. September 2018 in Kommentar, 46 Lesermeinungen
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Es geht nicht darum, ob Konservative eine Rechnung mit dem Papst offen haben. Es geht um die Wahrheit. Die Wahrheit ist an den Tag zu bringen - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Rom (kath.net/pw)
Seitdem das Zeugnis des Erzbischofs Viganò im Umlauf ist, überschlagen sich die Ereignisse. Das Epizentrum der Berichterstattung über die Kirche hat sich in die USA verlagert. Katholische Meldungen aus den USA boomen in den sozialen Medien auch in Deutschland. Eine Struktur des Verschweigens, des Vertuschens und der womöglich mafiösen Karriereförderung im Us-amerikanischen Episkopat kommt zu Tage.

Es kommt noch härter: Der Papst habe, so der Erzbischof von Chicago, Blase Joseph Kardinal Cupich, anderes zu tun als sich mit dem sexuellen Missbrauch zu beschäftigen. Reichte dies nicht schon aus, so wird der Nachsatz einen fast ersticken. Der Papst habe wichtigere Themen, so der Kardinal: Klimawandel und Migration.

Teilen des amerikanischen Vertuscherepiskopats geht es offensichtlich nur noch darum, von sich abzulenken und andere Themen zu setzen. Die Verkündigung des Evangeliums kommt darin nicht vor. Ähnliches ist in Europa zu beobachten. Es wird ausgerechnet in bis dato extrem papstkritischen Strukturen eine eigenartige Form von Papsttreue sichtbar. Man muss unterstellen, dass gar kein Interesse an der Wahrheit oder an den Opfern existiert. Der Grund ergibt sich aus zweierlei Sachverhalten. Zum einen kommt immer mehr zum Vorschein, dass es im Kern und in der Mehrheit gar nicht um sexuellen Missbrauch an Kindern beiderlei Geschlechts geht.


Es geht um eine postmoderne Neuauflage des antiken Lustknaben. Junge Männer stehen im Fokus der Täter. Die Gesellschaft kümmert dies wenig, so lange es mündige junge Männer sind. Wehe nur, wenn es sich um Kinder handelt.

Homosexualität ist gerade der Zankapfel der Moraltheologie unserer Tage. Sind homosexuelle Handlungen in sich schlecht oder handelt es sich um eine bereichernde Schöpfungsvariante? Daran entlang verläuft die Streitlinie. Es geht dem Katechismus an den Kragen, nicht mehr und nicht weniger.

Das Drama liegt genau da. Seminaristen haben Ex-Kardinal McCarrick „gedient“. In solch einem Seminar machte Karriere, wer dem Kardinal als Betthaserl zur Verfügung stand. Ein Anziehungspunkt für homosexuelle junge Männer ist das. Homosexuelle Strukturen im Klerus bilden sich genau auf solchen Wegen. Die gegenwärtige Krise ist eine Krise des Zölibats, die von Männern verursacht wurde, die gar nicht eingesehen haben, den versprochenen Zölibat zu leben. Hauptsache, man lebt ihn nicht mit Frauen aus, heißt das Motto. In Rom wurde diese Form von Zölibatsbruch geduldet, gedeckt und vertuscht.

Papst Franziskus hat sich um derartige Strukturen gar nicht gekümmert. Er hat diejenigen in sein Umfeld geholt, die seine Agenda voranbringen konnten. Darunter dann eben auch einen McCarrick oder einen Danneels. Diese Fehler holen den Papst nun ein. Es geht nicht darum, ob Konservative eine Rechnung mit dem Papst offen haben. Es geht um die Wahrheit. Die Wahrheit ist an den Tag zu bringen.

Gerade die Klientel, die in der Vergangenheit am lautesten nach Transparenz, Aufklärung und Dialog geschrien hat, redet nun dem Schweigen das Wort. Das hat tatsächlich mit einer gefühlten innerkirchlichen Machtverschiebung zu tun. Liberale Kräfte, die schon seit Jahrzehnten insbesondere in der Moraltheologie aber auch in dogmatischen Fragen „zeitgemäße Änderungen“ der Lehre der Kirche vornehmen wollen, sehen sich durch Papst Franziskus „an der Macht“.

Die praktische Umsetzung von Amoris Laetitia und die faktische Zulassung konfessionsverschiedener Paare zur Interkommunion sprechen eine deutliche Sprache.
Es ist eine Krise, die in den Strukturen der Kirche weltweit seit mehr 40 Jahren ihr Unwesen treibt. Sie bricht in diesen Tagen wie ein Eitergeschwür auf. Es wird sich zeigen, ob Heilung oder weiterer Niedergang die Folge sein werden.

Foto: (c) Sarah Bömer


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