Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Vatikan untersagt jährlicher Wallfahrt im Rahmen der überlieferten lateinischen Liturgie den Zutritt
  2. Wenn die Falschbehauptung einer evangelischen Sängerin zum Eklat bei einer Musiksendung führt
  3. Warum bei dem hohen Aufkommen an Bischöfen in Deutschland eine solch vehemente Entchristlichung?
  4. „Menschen können die Kirche weder reformieren noch nach eigenem Gutdünken eine neue gründen“
  5. „Als Bischof ist es meine Pflicht, den Glauben der Kirche zu verkünden“
  6. Papst vor jüdischer Delegation: Die Kirche duldet keinen Antisemitismus, sie bekämpft ihn
  7. Papst Leo sagt die Assisi-Reise ab!
  8. „Drohende Worte von Kardinal Roche: Besucht nicht die überlieferte lateinische Messe!“
  9. Chick-fil-A-Chef stellt klar: Keine Öffnung an Sonntagen – das wird sich nicht ändern
  10. Steigende Zahl erwachsener Taufbewerber in ostdeutschen Städten, aber...
  11. Wir machen da was mit Medien
  12. Nordische Bischöfe: Europa sucht bei der Migration „nach einem neuen Gleichgewicht“
  13. Eine katholische Fake-Priesterin möchte das Töten kleiner Kinder
  14. Am Grab des Petrus – Die diesjährige Romwallfahrt Ad Petri Sedem
  15. Zisterzienserpater Isaak Maria Käfferlein aus Neuzelle: „Getauft sein reicht nicht!“

Freiheit und Abtreibung

16. Juli 2018 in Prolife, 1 Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Die Kultur des Todes hat sich über etwas positiv Klingendes etabliert: Gesundheit, Schönheit, Intelligenz.“ Gastkommentar von Norbert Tofall


Wien (kath.net) Abtreibungen sind mit einem liberalen Menschenbild nicht vereinbar. Aber häufig führen Denkfaulheit und Bequemlichkeit, die nicht selten durch ein sich liberal nennendes Lebensgefühl bemäntelt werden, zur Behauptung des Gegenteils. Denn der dicke Mantel aus „liberalem Lebensgefühl“ verdeckt den fundamentalen Unterschied zwischen zwei Freiheitsbegriffen, von denen der eine zu einer Kultur des Todes und der andere zu einer Kultur des Lebens führen kann.

Der Freiheitsbegriff, der zu einer Kultur des Todes führen kann, ist Freiheit verstanden als ein Bereich von Möglichkeiten. Wer mehr Möglichkeiten zu handeln hat, ist nach diesem Freiheitsverständnis freier als andere mit weniger Handlungsmöglichkeiten. Die Möglichkeit, zehnmal menschliches Leben im Reagenzglas zu produzieren, sich den gesündesten, schönsten und intelligentesten Menschen mit Wunschgeschlecht zu wählen und die verbliebenen Menschen durch den Spülstein zu entsorgen, wird in der Perspektive der größeren Handlungsmöglichkeiten nicht einmal mehr als Tötung von menschlichen Leben und als ein Malum angesehen. Die Kultur des Todes hat sich über etwas positiv Klingendes etabliert: Gesundheit, Schönheit, Intelligenz.

Unabhängig von diesen Tötungsmöglichkeiten, die sich die geborenen über die ungeborenen Menschen zugestehen, wurden seit Mitte der siebziger Jahre allein in Deutschland über sieben Millionen „reguläre“ Abtreibungen gezählt. Aber darüber spricht man in unserer Todeskultur am besten nicht; denn diese Zahlen lassen vermuten, dass in fast jeder Familie in Deutschland Fälle von Abtreibungen vorliegen. In der Schweiz und in anderen Ländern ist die Lage nicht viel anders. Die Rede von einer Kultur des Todes hat deshalb ihre volle Berechtigung.


Dass aber ganz tief im Gewissen jedes Menschen eine innere Stimme ein Veto gegen diese Kultur des Todes einlegt, lässt sich schon daran erkennen, dass die kulturkämpferischen Kampagnen der letzten Jahrzehnte nicht unter dem Titel „Ich habe das Recht, mein Kind zu töten“ geführt worden sind, sondern unter „Mein Bauch gehört mir“. Offensichtlich bedarf es einer sprachlichen Gewissensberuhigungsdroge, damit man einen Eigentums- und Herrschaftsanspruch formulieren kann, den man sonst nur bei verstiegenen libertären anarchistischen Denkern wie Murray N. Rothbard findet: „Die meisten Föten befinden sich im Leib der Mutter, weil die Mutter mit diesem Zustand einverstanden ist; sie sind dort wegen der frei gegebenen Zustimmung der Mutter. Sollte die Mutter aber entscheiden, dass sie den Fötus dort nicht länger tragen möchte, so wird der Fötus zu einem parasitären „Eindringlich“ in ihre Person, und die Mutter hat das vollkommene Recht, diesen Eindringling aus ihrem Herrschaftsgebiet auszustoßen. Die Abtreibung sollte nicht als „Mord“ an einer lebenden Person angesehen werden, sondern als Ausstoßung eines unerwünschten Eindringlings aus dem Körper der Mutter. Jedes Gesetz, das die Abtreibung einschränkt oder verbietet, bedeutet daher eine Verletzung der Rechte von Müttern.“ Rothbard, der diese Sätze im 14. Kapitel seiner Schrift „Die Ethik der Freiheit“ formuliert hat, liefert damit ein Beispiel dafür, dass auch auf der Basis klarer, aber höchst falscher Basisbegriffsbildungen (Vertragsfreiheit als höchster Bezugspunkt) Beiträge zu einer Kultur des Todes geleistet werden.

Der Freiheitsbegriff, der zu einer Kultur des Lebens führt, ist Freiheit verstanden als Unabhängigkeit von eines anderen Menschen nötigender Willkür. Dieser Freiheitsbegriff kennzeichnet immer eine Beziehung von Menschen zu Menschen, weshalb der einzige Eingriff in diese Freiheit im Zwang durch andere Menschen besteht. Immanuel Kant schreibt in seiner Metaphysik der Sitten vom angeborenen Recht des Menschen, das nur ein einziges ist: „Freiheit (Unabhängigkeit von eines anderen nötigender Willkür), sofern sie mit jedes anderen Freiheit nach einem allgemeinen Gesetz zusammen bestehen kann, ist dieses einzige, ursprüngliche, jedem Menschen, kraft seiner Menschheit, zustehende Recht.“ Und es bedarf keines Vertrages zwischen einzelnen Menschen, damit ein Mensch dieses Recht hat. Er hat es, weil er Mensch ist. Auch der Fötus ist Mensch und hat Kraft seiner Menschheit alle Menschenrechte. Die Tötung des Fötus ist deshalb kein unveräußerliches Frauenrecht, wie uns die radikale Frauenbewegung und Murray N. Rothbard einreden wollen, sondern eine fundamentale Menschenrechtsverletzung.

Zitieren wir zur Verdeutlichung dieses zivilisatorischen Konflikts noch einmal die Gegenposition des klar formulierenden Murray N. Rothbard: „Schön und gut; machen wir der Diskussion zuliebe das Zugeständnis, dass Föten menschliche Wesen (...) sind und daher Anspruch auf uneingeschränkte Menschenrechte haben. Doch welche Menschen (...) haben das Recht, als Zwangsparasiten im Körper eines unwilligen menschlichen Gastgebers zu hausen?“

Leider stellt Rothbard vorab nicht die Frage, wie der Fötus, dieser parasitäre Eindringlich, in den Mutterleib gekommen ist? Haben die Störche, die die Kinder bringen, den Frauen Gewalt angetan? Auf welchem Wege hat der parasitäre Eindringlich mit Gewalt die Mauern der Burg gestürmt und geschliffen? Oder gibt es Handlungen, an denen Frauen aus freiem Willen aktiv beteiligt sind und die zur Zeugung von menschlichem Leben führen? Ist der parasitäre Eindringlich vielleicht gegen seinen eigenen Willen ein Eindringling? Kann er gar nichts dafür, dass er gezeugt worden ist? Könnte es deshalb sein, dass die viel gescholtene Sexualmoral der katholischen Kirche eine tiefere Freiheitsdimension beinhaltet? Könnte die Sexualmoral der katholischen Kirche tatsächlich auch auf den Schutz von Menschenrechten zielen? Skandal!


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Wiederkunft 18. Juli 2018 
 

Sehr gut

Sehr gute Argumente! Es jagd einem ein Schaudern über den Rücken, ein Kind als einen Parasiten zu deklarieren. aber leider wird das von manchen so gesehen! Jesus komm bald, als Richter!!


2
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Abtreibung

  1. Neuerlich umstrittene Ehrung durch Kardinal Cupich
  2. Englische Lebensschützerin Vaughan-Spruce plädiert ‚nicht schuldig‘ bei Anklage wegen stillen Gebets
  3. 100. Stadt in den USA verbietet Abtreibungen
  4. US-Demokraten planen Abtreibung bis zur Geburt bei Wahlsieg im November
  5. USA: Frauen klagen Planned Parenthood wegen Druck in Richtung Abtreibung
  6. ‚Man kann nicht ‚Black Lives Matter‘ sagen, wenn das Leben schwarzer Babys nicht zählt‘
  7. US-Lebensschützer ändern Wortwahl nicht: Abtreibung ist Tötung eines Ungeborenen
  8. Argentinien tritt Lebensschutz-Koalition bei
  9. SPÖ-Ministerinnen fordern ‚Schutzzonen‘ um Abtreibungskliniken
  10. US-Senat bestätigt Todd Blanche als Justizminister – Pläne gegen Versandhandel mit Abtreibungspillen







Top-15

meist-gelesen

  1. Erzbischof von Vilnius als CCEE-Präsident wiedergewählt
  2. Auf den Spuren des Hl. Paulus - Mit Michael Hesemann nach Griechenland
  3. Wenn die Falschbehauptung einer evangelischen Sängerin zum Eklat bei einer Musiksendung führt
  4. Chick-fil-A-Chef stellt klar: Keine Öffnung an Sonntagen – das wird sich nicht ändern
  5. Impuls für Körper und Geist: Kirchensportler empfehlen das Jesus-Gebet
  6. Nordische Bischöfe: Europa sucht bei der Migration „nach einem neuen Gleichgewicht“
  7. Im Licht der Liebe
  8. Gott inmitten von Töpfen und Geschirr
  9. Künstlerin Akiane Kramarik erzählt von Vision des Himmels in ihrer Kindheit
  10. Papst vor jüdischer Delegation: Die Kirche duldet keinen Antisemitismus, sie bekämpft ihn
  11. Bravo! Erbprinz Alois legt Veto gegen Abtreibungsgesetz in Liechtenstein ein
  12. Eine katholische Fake-Priesterin möchte das Töten kleiner Kinder
  13. Blutiger Anschlag auf orthodoxe Kirche in Jordanien – Mindestens sechs Tote bei Trauerfeier
  14. 'Rita hat das Herz eines Engels! Gott segne sie!“
  15. Filmstar Evangeline Lilly verließ Hollywood vor sechs Jahren: ‚Gott hat einen Plan‘

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz