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Köln: „Schräge Berichterstattung über die Kirche“

27. März 2018 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
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Kritik an der Berichterstattung des „Kölner Stadtanzeigers“ und der „Kölnischen Rundschau“ über die Neubesetzung der Generalvikarsaufgabe. Gastbeitrag von Volker Hildebrandt


Köln (kath.net) Nach einer, wie so oft, schrägen Berichterstattung über die Kirche, habe ich hier einmal klar Stellung bezogen und dies in unseren Pfarrnachrichten von dieser Woche wie folgt veröffentlicht:

Wir alle haben Grund, dem bisherigen Generalvikar, Dr. Dominik Meiering, für seinen dreijährigen Dienst als Generalvikar zum Wohl unseres Erzbistums von Herzen zu danken. Wir wünschen ihm und dem neuen Generalvikar, Msgr. Dr. Markus Hofmann, Gottes reichen Segen, viel Geduld und reichlich Inspiration, die Gott ihnen schon geben wird. – Zum Wechsel im Amt des Generalvikars gab es einige ziemlich schräge Pressenachrichten, zu denen ich in den Pfarrnachrichten dieser Woche in Überarbeitung zweier Leserbriefe von mir Stellung beziehe.

Zum Bericht im Kölner Stadtanzeiger vom 19.03.2018: „Paukenschlag im Kölner Erzbistum. Kardinal trennt sich von seinem Generalvikar“ habe ich der Redaktion – hier noch einmal überarbeitet – folgendes geschrieben:

Leider bedienen Sie sich in Ihrer Berichterstattung Klischees von gestern: „Blitz und Donner in der Führungsetage des Erzbistums Köln“; „Abberufung und Entmachtung“. So war das wohl mal: vor und auch noch einige Zeit nach dem Konzil. Da hat sich Vieles längst verändert.

Von Ihrer fast ausschließlich auf Soziologisches reduzierten Perspektive sind dann auch einige ihrer Schlussfolgerungen ziemlich „verpeilt“. Unter anderem „trennt sich Kardinal Rainer Woelki“ nicht von Meiering. Mit der neu übertragenen Aufgabe drückt Woelki seinem bisherigen Generalvikar vielmehr sein uneingeschränktes Vertrauen und seine allergrößte Wertschätzung aus. Wenn schon nur in diesen Kategorien gedacht wird, dann wird Meiering in mancher Hinsicht eher befördert als degradiert.


Als Kölner Generalvikar bestand Meierings Aufgabe in der Gesamt-Verwaltung des Erzbistums als Chef einer bischöflichen Behörde mit 600 Kirchenbediensteten. Je nach Perspektive ist seine zukünftige Aufgabe durchaus vielfältiger und anspruchsvoller. Er stellt sich nun der Herausforderung, ca. 40.000 Menschen ihr Leben vor und mit Gott neu entdecken zu lassen. Da sind Innovation, Kreativität und Empathie pur gefragt.

In dieser Hinsicht ist Meierings neue Aufgabe von ganz anderem Kaliber. Diese Aufgabe lässt einen Priester gleichermaßen wie einen Erzbischof zuerst einmal in die Knie gehen und den Himmel um seinen Beistand bitten.

So ist Meiering auch nicht „Opfer des pastoralen Zukunftsweges“, wie sie Ihre Informanten als vermeintliche „Kenner der Verhältnisse im Erzbistum“ zitieren. Für eine sachgerechte Wahrnehmung und ausgewogene Berichterstattung sind solche „Insider-Unkenrufe“ wenig hilfreich. An der gegenwärtigen Realität der Kirche zielen Sie leider zu oft haarscharf vorbei und daneben.

An die Kölnische Rundschau habe ich als Leserbrief - hier noch einmal überarbeitet – geschrieben:

Ihre Berichterstattung über die katholische Kirche in Köln lässt mehr als zu wünschen übrig. Sie reduzieren die Kirche auf Soziologisches und werden ihr damit nicht mehr gerecht.

Letzten Dienstag haben Sie deshalb einen schrägen Artikel über die Abberufung von Dr. Meiering als Generalvikar („Generalvikar wird leitender Pfarrer“ – Rundschau vom 20.03.2018, S. 23) publiziert. Sie schreiben über das Amt des Kölner Generalvikars: „Eine Führungsposition, die im Erzbistum Köln als Empfehlung für höhere Weihen gilt.“ Nun: Wenn jemand Priester oder Pfarrer wird, um Karriere zu machen, dann ist er fehl am Platz. Die Gläubigen lehnen das ab.

Dann widersprechen Sie sich in ein und demselben Artikel. Sie schreiben, dass „es offenbar hinter den Mauern der Bistumsverwaltung gekracht“ und dass „die Chemie zwischen Generalvikar und Kardinal nicht mehr gestimmt habe“. Es sei „von Entfremdung die Rede“.

Einseitig auf negativ Zwischenmenschliches reduziert, präsentieren Sie unausgewogen ein verzeichnetes Bild von Kirche.

Das hätte Ihnen an der Widersprüchlichkeit Ihres Berichtes auffallen müssen. Denn im Folgenden zitieren Sie Meiering, der ganz in Übereinstimmung mit seinem Bischof erklärt: Sein (Meierings) neuer Aufgabenbereich liege „in der Herzkammer unseres Erzbistums. Unzählige Menschen suchen hier die Begegnung mit der Kirche und damit mit dem lebendigen Gott.“ Für eine – wie in Ihrer Berichterstattung – tendenziös auf negativ Soziologisches reduzierte Kirche bleibt es doch zutiefst widersprüchlich, wenn nach „Entfremdung“ und „Krach“ ein Kardinal und Erzbischof diesem Priester, mit dem „die Chemie nicht mehr stimmt“, das Filetstück seines Erzbistums anvertraut.
Hier sind Sie mangels gesundem Menschenverstand Opfer von klerikalem Gerede Ihrer Informanten.

Heute nun lese ich in Ihrer Zeitung, zudem noch auf der ersten Seite, eine 19-Zeilen-Meldung („Woelki beruft Hofmann als Generalvikar“ – Rundschau vom 22.02.2018, S. 1) mit gleich drei Fehlern. Davon belegt zumindest einer, wie unqualifiziert Ihre kirchliche Berichterstattung ist.

Sie schreiben, dass Hofmann „2009 von Woelki zum Leiter des erzbischöflichen Priesterseminars ernannt wurde.“ Im Jahre 2009 war Rainer Maria Woelki allerdings Weihbischof in Köln, der in diesem Amt überhaupt niemanden ernennt. Kirchliche Ernennungen in einem Bistum gehen ausschließlich vom Diözesanbischof aus. 2009 war das für die Diözese Köln Kardinal Meisner. Peinlich!

Seit Jahren ist nicht nur Ihre Berichterstattung über die katholische Kirche mal mehr mal weniger tendenziös, einseitig, unausgewogen und oft nicht sachgerecht. Das liegt zum einen an illoyalem Insider-Gerede, das in der Kirche leider auch unter einigen Priestern und anderen gepflegt wird, und auf die Sie als Ihre Informanten zurückgreifen. In ihr teils verdächtig schadenfroh auf negativ Soziologisch-Zwischenmenschliches reduzierte Kirchenbild mischt sich dann noch die Phantasie anderer, die Ihrer Aufgabe und Verpflichtung als Journalist nicht mehr umfassend gerecht werden. So verkaufen Sie uns dieses Gemenge als Sensation und Nachricht.

Vielleicht haben Sie zumindest so viel Rückgrat, auch einmal deutliche Kritik an Ihrer kirchlichen Berichterstattung zuzulassen, und diese nicht unter den Tisch zu kehren.

Dr. Volker Hildebrandt ist Priester an St. Pantaleon, Köln.

Symbolbild: Fragezeichen und Kreuz



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