Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  4. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  5. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  6. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  7. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  8. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  9. „Das Ende von Maria 2.0“
  10. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  13. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  14. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  15. 'Wir sprechen deshalb zurecht hier nicht von Neuevangelisierung, sondern von Erstevangelisierung'

Kardinal Schönborn: 'Unrechtssituationen direkt ansprechen'

12. September 2017 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Wiener Erzbischof leitete Maria-Namen-Feier mit tausenden Gläubigen im Stephansdom - "Können nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, aber ich bitte jeden von uns, ein Flüchtlingsschicksal persönlich kennen zu lernen"


Wien (kath.net/KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat dazu ermutigt, Situationen des Unrechts direkt anzusprechen. Oft falle es schwer, Menschen direkt zu konfrontieren, vor allem wenn es sich dabei und Leitungspersonen etwa in Kirche, Politik oder Wirtschaft handle, sagte der Wiener Erzbischof am Sonntag bei der Maria-Namen-Feier der Rosenkranz-Sühnekreuzzug-Gebetsgemeinschaft (RSK) vor mehreren Tausend Gläubigen im Stephansdom. Die entsprechende Anweisung Jesu in der sogenannten Gemeinderegel des Matthäusevangeliums sei allerdings klar.

Als "einer der ganz großen mutigen Heiligen, die sich getraut haben, das Unrecht direkt anzusprechen und anzugehen", habe der Heilige Pedro Claver (1580-1654) eine Vorbildfunktion, so Schönborn. Der spanische Jesuitenmissionar nahm sich zur Hochzeit des Sklavenhandels im 16. und 17. Jahrhundert im heute kolumbianischen Cartagena der damals in Lateinamerika ankommenden Sklaven aus Afrika an. Schönborn schlug hier eine Brücke zum aus Österreich stammenden "Amazonas-Bischof" Erwin Kräutler, der bei der Maria-Namen-Feier ein Glaubenszeugnis gab. Kräutler setze sich als mittlerweile emeritierter Bischof von Xingu bis heute unermüdlich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Brasilien ein, erinnerte der Kardinal.

Einmal mehr brach Schönborn auch eine Lanze für Migranten, Asylwerber und Flüchtlinge. "Ich weiß, das Thema ist in Österreich jetzt sehr stark zurückgedrängt worden, aber die Not ist nicht aus der Welt geschafft", hielt der Kardinal fest. Er räumte ein, "dass wir nicht alle aufnehmen können", das erwarte auch niemand, "aber ich bitte jeden von uns, ein Flüchtlingsschicksal persönlich kennen zu lernen", rief der Wiener Erzbischof auf. Es könne nicht "alle Not der Welt" gelöst werden, "aber es ist notwendig, dass wir wissen, was es heißt, die Heimat verlassen zu müssen".


Respekt und Toleranz forderte der Kardinal auch für Menschen ein, die aus wirtschaftlichen Gründen aus ihren Heimatländern flüchten. Er erinnerte an die vielen Europäer, die nach dem Krieg aus Perspektivenlosigkeit etwa in die USA ausgewandert seien: "Auch das waren Menschen, die nichts mehr zu essen und keine Perspektive mehr hatten."

In der Diskussion um Flüchtlinge gehe es schließlich immer um Menschen, um die Not, die oft unbeschreiblich sei. Schönborn verwies auch auf jene 250 Erwachsene, die sich in der Erzdiözese im Vorjahr taufen hätten lassen, 200 von ihnen seien früher Muslime gewesen: "Wenn wir als Christen so leben, dass das Christentum anziehend ist, dann bin ich mir sicher, viele Menschen, viele Muslime werden die Freude des Evangeliums entdecken und diesen Weg finden."

Die Maria-Namen-Feier der 1947 vom Franziskanerpater Petrus Pavlicek (1902-1982) gegründeten Rosenkranz-Sühnekreuzzug-Gebetsgemeinschaft (RSK) wird seit 1958 jährlich in Wien abgehalten. Die zweitägige Feier am Samstag und Sonntag im Stephansdom war einer der Höhepunkte im heurigen Jubiläumsjahr, das der RSK zu seinem 70-jährigen Bestehen unter dem Motto "Beten für den Frieden" begeht.

Kräutler: "Rosenkranz hilft mir durch schwere Zeiten"

Bischof Kräutler, dem sein Einsatz vor allem für die indigene Bevölkerung Brasiliens mächtige Feinde beschert hat, legte im Dom ein Glaubenszeugnis ab. Der 78-jährige Bischof steht seit vielen Jahren wegen Morddrohungen unter Polizeischutz. Eine "Katastrophe", die "mich damals fast depressiv" werden ließ, weil "meine Freiheit total eingeschränkt" war, schilderte er bei der Maria-Namen-Feier. Was ihm immer wieder aus tiefen Löchern helfe, sei der Rosenkranz.

Von seinem Weg abgebracht haben ihn die Morddrohungen nicht. Bis heute gilt der Polizeischutz - "wenn ich wieder in Brasilien lande, erwarten mich zwei Polizisten" - und bis heute setzt sich Kräutler für die indigene Bevölkerung ein. Ein Engagement, das dringend notwendig sei, denn in Brasilien "leben wir in einer Zeit, die ich nie so erwartet hätte". Mittlerweile sein zwar die Rechte der indigenen Bevölkerung in der brasilianischen Verfassung verankert, "leider Gottes gibt es aber Kräfte und Mächte, die gegen die Indios arbeiten und ihre Rechte wieder auslöschen wollen".

Erst vor ein paar Wochen habe der aktuelle brasilianische Präsident verfügt, ein Gebiet so große wie Dänemark, in dem Indios leben, für multinationale Gesellschaften freizugeben. "Damit ist der physische und kulturelle Tod der indigenen Bevölkerung bescheinigt und beschlossen", so Kräutler. Einmal mehr übte er auch Kritik am Wasserkraftwerk Belo Monte, ein Projekt, bei dem "auch ein ganzes Volk auf der Strecke bleibt".

Sein Leben sei immer ein Auf und Ab gewesen; was ihm immer wieder helfe, schwere Zeiten durchzustehen, sei das Rosenkranz-Gebet. Mit elf Jahren trat er der Bewegung "Rosenkranz-Sühnekreuzzug" bei. Kräutler erwähnte etwa den Tod eines seiner Mitbrüder bei einem Autounfall, die Ermordung eines Mitbruders und einer Ordensfrau in Brasilien aber auch die immer wieder vorgebrachten Morddrohungen gegen ihn.

Eine wichtige Rolle spiele der Rosenkranz auch in vielen brasilianischen Gemeinden. "Das ist oft das einzige Gebet das sie kennen." In der Praxis werde an Samstagen der Rosenkranz gebetet und am Sonntag ein Wortgottesdienst gehalten. Eine richtige Messe feiern viele brasilianischen Gemeinden nur selten. Grund dafür sei der Priestermangel in dem südamerikanischen Land. "Wir haben 800 Gemeinden und nur 30 Priester", so der frühere Diözesanbischof von Xingu.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Schönborn

  1. Kardinal Schönborn: "Wenn sich bei uns so viele Menschen vom Christentum verabschieden..."
  2. Wird Kardinal Schönborn jetzt die linksextreme Plattform Bluesky verlassen?
  3. "Mein größter Wunsch: Das gegenseitige Wohlwollen soll nie verloren gehen"
  4. Der Populismus des Wiener Kardinals
  5. Schönborn: Geist Ratzingers entscheidend für "Weltkatechismus"
  6. Schönborn bei Maria-Namen-Feier: Kraft des Gebets schrumpft nicht
  7. Schönborn übt heftige Kritik am deutschem Synodalen Weg - "Instrumentalisierung des Missbrauchs"
  8. Schönborn: Schon acht Jahre Krieg in der Ukraine
  9. "Wieder eine Kirche Gottes und der Menschen zu werden, und nicht guter Partner des Staates!"
  10. Kirche der Barmherzigkeit? - Kardinal von Wien feuert Polizeiseelsorger nach Demo-Auftritt







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst Leo an 80.000 Jugendliche im Stade de France: "Wer mit Gott lebt, ist frei"
  3. „Wenn wir Eucharistie feiern, dürfen wir mit allem zu ihm kommen, was in uns unvollendet ist“
  4. Neuer Schülerkreise Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. bestätigt bisherigen Vorstand im Amt
  5. Nordische Bischofskonferenz beendet Herbstvollversammlung in Paderborn
  6. Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘
  7. Die Menschheitsfamilie zwischen Babel und Pfingsten
  8. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  9. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  10. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  11. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  12. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  13. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  14. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  15. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz