Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Emeritierter Kurienkardinal Sarah: „Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“
  2. „Sehr geehrter Herr Erzbischof Koch, mit großer Verwunderung haben wir Ihr Statement zum CSD…“
  3. Was interessiert mich das Geschwätz von Rom...
  4. Wenn sich Gratismut in Angst verwandelt
  5. Erschütterndes Beispiel für die Kultur des Todes: Seniorin wurde gegen ihren Willen euthanasiert
  6. Katholiken fordern Exkommunikation der „katholischen“ US-Gouverneurin Maura Healey
  7. Bußgeldverfahren gegen Schüler nach Weigerung an LGBT-Workshop teilzunehmen
  8. Katholische Beerdigung für italienischen Gitarristen wurde abgesagt, weil er Freimaurer war
  9. "Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich"
  10. Das Kirchenjahr als Weg durch die Heilsgeschichte. Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden!
  11. Frust beim Klima-Kleber-Jesuiten
  12. ‚Waldbrände in der Kurie‘
  13. Influencerin bezeichnet Trans-Politiker als Mann: zu zwei Jahren Hausarrest verurteilt
  14. 500 Euro für ein Sakrament oder was ist das wirkliche Problem?
  15. Edith Stein – Ave, Crux, spes unica

Wie ich einmal eine Messe rettete

20. März 2017 in Spirituelles, 27 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Ich sah den Pfarrer, der mir freundlich winkte, einzutreten. Die Bänke für die Gemeinde waren leer. Gastbeitrag von Tobias Klein


Berlin (kath.net/Blog ‚Huhn meets Ei‘) Für die diesjährige Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, möglichst oft auch werktags zur Messe zu gehen. Wobei ich gleich einräumen muss, dass dieser Vorsatz nicht ganz wörtlich zu verstehen ist: "Möglich" wäre schließlich Vieles. Präziser müsste es heißen: "An jedem Tag zur Messe gehen, an dem ich das terminlich ohne größere Schwierigkeiten einrichten kann, außer samstags, denn am Samstag haben meine Liebste und ich unseren gemeinsamen Ausschlaf- und Rumgammeltag". Aber mit dieser pragmatischen Einschränkung läuft mein selbst auferlegtes Programm bislang recht gut: Seit dem Aschermittwoch war ich bisher nur an drei Tagen nicht in der Messe. 

Meiner bisherigen Erfahrung zufolge - und damit meine ich nicht nur die Erfahrungen der letzten zwei Wochen - werden Frühmessen an "normalen" Werktagen hauptsächlich von alten Damen besucht; gelegentlich sind auch, in signifikant geringerer Zahl, alte Männer dabei, und manchmal auch noch nicht so alte Frauen, die - so jedenfalls mein Eindruck - zumeist aus Polen, Kroatien oder von den Philippinen stammen. Natürlich variiert die Zusammensetzung des Werktagsmessen-Publikums von Pfarrei zu Pfarrei, aber mit so 5-10 Seniorinnen kann man eigentlich immer rechnen. 


Dachte ich. 

Einen Vorgeschmack darauf, was es für die Messbesuchszahlen bedeuten wird, wenn die treuen und unermüdlichen Kirchgängerinnen sterben, ins Pflegeheim kommen oder so gebrechlich werden, dass sie es nicht mehr zur Kirche schaffen, bekam ich erstmals am letzten Dienstag. Da war ich nämlich zum, soweit ich mich erinnern kann, ersten Mal in einer Werktags-Frühmesse ohne Seniorinnen. 

Wenn keiner kommt, bleib der Altar leer. 

In der Kirche, die ich regelmäßig besuche, gibt es dienstags keine Messe, und so war ich aufs Geratewohl zu einer Kirche gefahren, die ich bislang nur von außen kannte und die zwar nicht in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung liegt, aber mit der S-Bahn schnell und leicht zu erreichen ist. Es ist eine sehr große Kirche mit weithin sichtbarem Turm, und als ich sie gut fünf Minuten vor dem angekündigten Beginn der Messe betrat, war sie leer. Aber es war Licht an. Angesichts der Größe der Kirche konnte ich mir schon denken, dass die Werktagsmessen in einer Seitenkapelle stattfinden würden, aber ich konnte zunächst keine solche entdecken. Also dachte ich mir, vielleicht gibt es einen separaten Eingang, und ging einmal außen um das Gebäude herum, aber bis auf das Hauptportal waren alle Türen verschlossen und sogar vergittert. Also versuchte ich es noch einmal von innen und entdeckte tatsächlich eine Seitentür, die offen war und aus der Lichtschein drang. Ich trat näher und hörte eine Stimme, und dann sah ich auch den Eingang zur Werktagskapelle - und den Pfarrer, der mir freundlich winkte, einzutreten. Ein jüngerer Priester, vermutlich der Kaplan der Gemeinde, trug gerade die Lesung vor. Die Bänke für die Gemeinde waren leer. 

In Canon 906 des Codex Iuris Canonici (CIC) heißt es, "[o]hne gerechten und vernünftigen Grund" dürfe ein Priester "das eucharistische Opfer nicht ohne die Teilnahme wenigstens irgendeines Gläubigen feiern"; aber die Priester waren ja zu zweit und hatten die Messe daher pünktlich begonnen, auch ohne Gemeinde. (Merke: Es heißt "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" - zwei sind also das Minimum.) Ich setzte mich in die Bank, und die Messe nahm ihren Lauf. Pünktlich zur Gabenbereitung kam noch eine junge (!) Frau herein. Die Messe war schön und feierlich und liturgisch tadellos, und nach dem Entlassungssegen richtete der Pfarrer noch ein paar Worte an die kleine Gemeinde. Es sei schön, dass wir gekommen seien, sagte er, und: "Gott war auch dabei, und Er ist in der Dreieinigkeit, also waren wir insgesamt zu siebt." 

Nach dieser Erfahrung ging ich heute wieder in dieselbe Kirche, und da ich den Weg zur Werktagskapelle ja nun schon kannte, war ich pünktlich. Diesmal zelebrierte der Pfarrer allein - und ich repräsentierte allein das "Volk". Dafür durfte ich dann auch die Lesung und den Antwortpsalm vortragen. Insgesamt war es eine bemerkenswert intensive Erfahrung, die Messe allein mit dem Priester (und mit Gott) zu feiern - nicht zuletzt auch, weil das bedeutete, dass ich in den liturgischen Texten allein die Antworten geben musste. Am Ende bedankte sich der Pfarrer bei mir, dass ich gekommen war - denn ohne mich hätte, siehe oben, die Messe nicht stattfinden können. Mit anderen Worten: Wäre ich heute nicht zur Messe gegangen, und zwar genau dort, dann hätte es ein heiliges Messopfer weniger auf der Welt gegeben. 

Die Lehre, die daraus zu ziehen ist, scheint mir deutlich: Es ist nicht egal, ob du zur Messe gehst. Wenn du es nicht tust, tut es vielleicht niemand. Die Kirche braucht dich. Sie braucht jeden von uns. 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Eucharistie

  1. Vatikan korrigiert argentinische Bischöfe: Gläubige dürfen kniend und auf die Zunge kommunizieren
  2. Eucharistische Prozession zum 250-jährigen Jubiläum der USA
  3. Die katholische Insel des Friedens
  4. „Ein Leib, ein Glaube“
  5. Österreich: Liturgische Kommission wirbt für Kommunion in beiderlei Gestalt
  6. „Ich kann die Kommunion nicht empfangen. Ist es trotzdem sinnvoll, zur Messe zu gehen?“
  7. "Der Herr ist wirklich in diesen Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig"
  8. Tausende bei Eucharistie-Prozession in New York City
  9. Theologin: Eucharistie vereint, heilt und verwandelt
  10. Weihbischof Hofer bei "Adoratio" über die tiefste Form des Gebets






Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Edith Stein – Ave, Crux, spes unica
  3. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  4. „Sehr geehrter Herr Erzbischof Koch, mit großer Verwunderung haben wir Ihr Statement zum CSD…“
  5. Emeritierter Kurienkardinal Sarah: „Riten können nicht willkürlich abgeschafft werden“
  6. Erschütterndes Beispiel für die Kultur des Todes: Seniorin wurde gegen ihren Willen euthanasiert
  7. "Die meisten kommen wegen der Sozialleistungen"
  8. Frust beim Klima-Kleber-Jesuiten
  9. Grösse
  10. Angeklagt, weil er einen schismatischen Bischof nicht rehabilitierte: Armeniens Patriarch Karekin II
  11. Scharfe innerorthodoxe Kritik an Kyrills Atomwaffen-Predigt
  12. „Ich spüre die Berufung zu pilgern“ – Andrzej Kurek pilgert seit 65 Jahren nach Tschenstochau
  13. Salzburg: Opernstar bereitete Franziskus-Rolle im Kapuzinerkloster vor
  14. Ceuta: Integrationsministerin Bauer fordert mehr Außengrenzschutz und effektive Rückführungen
  15. ALfA startet „von-Galen-Projekt“ zum 85. Jahrestag der Predigt von St. Lamberti

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz