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Zentralrat der Muslime verteidigt Imame aus der Türkei

25. April 2016 in Deutschland, 4 Lesermeinungen
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Cem Özdemir (Grüne) hatte kritisiert, die Ditib sei «nichts anderes als der verlängerte Arm des türkischen Staates», türkische Regierung mache Ditib immer mehr zu einer politischen Vorfeldorganisation der Regierungspartei AKP in Deutschland.


Osnabrück (kath.net/KNA) Der Streit um den Einfluss der Türkei auf den Islam in Deutschland geht weiter: Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) weist die Forderung zurück, den sogenannten «Import» von Imamen aus der Türkei zu stoppen. Der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag), diese Forderung sei «verfassungswidrig, von Doppelmoral durchzogen und nicht zielführend, weil sie Fanatiker stärkt».

In der Kritik steht der türkisch-islamische Dachverband Ditib, der zahlreiche Moscheen in Deutschland betreibt und Hunderte von Imamen in die Bundesrepublik entsandt hat. «Die Ditib-Imame sind verfassungstreu, predigen einen gemäßigten Islam», widersprach Mazyek der oft geäußerten Kritik. Sie trügen so wesentlich zum «Bollwerk gegen Fanatiker und Radikale» bei. Würde man diese Imame jetzt alternativlos absetzen, würde das die Extremisten stärken, so der Zentralratsvorsitzende.


Solche Forderungen diskreditieren nach den Worten von Mazyek die muslimischen Gemeinden. «Das stellt eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Religion dar.» Schließlich gebe es Hunderte von Gemeinden anderer Religionsgemeinschaften in Deutschland, die selbstverständlich ausländische Priester und Rabbiner hätten. Mazyek versicherte, der Zentralrat der Muslime in Deutschland setze sich für die notwendige Optimierung der Imame ein, was Sprache und Ausbildung angehe. Das gehe aber nur mit den Verbänden zusammen.

In den letzten Tagen hatte unter anderem der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kritisiert, die Ditib sei «nichts anderes als der verlängerte Arm des türkischen Staates». Die türkische Regierung mache Ditib immer mehr zu einer politischen Vorfeldorganisation der Regierungspartei AKP in Deutschland.

Die religionspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, hatte einen flächendeckenden Islamunterricht an deutschen Schulen gefordert: Solange dies nicht gelinge, sei es «zwangsläufig, dass viele türkischstämmige Familien auf die Angebote der DITIB-Gemeinden zurückgreifen».

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte die Entsendung der Imame als «nicht akzeptabel» bezeichnet. Deren Ausbildung dürfe nicht von der Türkei ausgehen, sie müsse «in der Hand der für Bildung und Kultus zuständigen Bundesländer liegen». Islamunterricht solle ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen werden.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hatte gefordert, die Finanzierung von Moscheen oder islamischen Kindergärten aus dem Ausland zu beenden: «Die Nähe von Ditib zu Erdogan ist bekannt und mehr als bedenklich, denn die Erdogan-Türkei entfernt sich immer weiter von den Grundwerten des aufgeklärten Europas.»

Dagegen hatte das Bundesinnenministerium Ditib gelobt und betont, der Verband arbeite «kontinuierlich und konstruktiv in der Deutschen Islamkonferenz mit».

(C) 2016 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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