Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. So nicht, Mr. Präsident!
  2. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  3. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  4. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  5. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  6. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  7. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  8. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  9. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“
  10. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  11. Trump gegen Papst Leo: Wenn Weltpolitik auf das „Heilige“ trifft
  12. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!
  13. Marsch für das Leben München – Unterstützung von Bischof Barron, Schweigen von Marx und Wilmer
  14. Papst betont in Algier Gemeinsamkeit von Christen und Muslimen
  15. Viel Lärm um nichts?

Gold statt Kirchen? Gläubigenrevolte gegen orthodoxes Establishment

24. März 2003 in Weltkirche, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


300 Familien müssten umgesiedelt, zwei Kirchen und drei Friedhöfe abgerissen werden, damit eine kanadische Firma Gold abbauen kann. Die Kirchenleitung hat dem (Geld-) Druck offenbar nachgegeben.


Rosia Montana / Siebenbürgen (www.kath.net,gk) Die geplante Errichtung eines Zyanidsees sorgt für Unruhe in der rumänisch-orthodoxen Kirche, wie lokale Zeitungen berichten. Im Cornatal in Siebenbürgen will ein kanadisches Unternehmen den seit der Antike dort praktizierten Goldbergbau wieder aufnehmen. Um den dafür nötigen mehreren Hektar großen Zyanidsee errichten zu können, müssen nicht nur rund 300 Familien umgesiedelt, sondern auch zwei über 300 Jahre alte rumänisch-orthodoxe Kirchen und drei Friedhöfe abgerissen werden. Die Kirchenleitungen der Katholiken und Protestanten sprachen sich bei bei einem Treffen mit der Geschäftsleitung der kanadischen "Gold Corporation" im Oktober des Vorjahres einhellig gegen den Abriss aus und erklärten, ihre Kirchen nicht hergeben zu wollen. Im Gegensatz dazu zeigte sich das orthodoxe Erzbistum von Alba Julia durchaus geneigt und das, so spekulieren Kritiker, unter dem Einfluss von viel Geld.

Wie anders ist es zu erklären, dass der Ortspriester beim Sonntagsgottesdienst am 16. März den versammelten Gläubigen von Rosia Montana einen Brief von Erzbischof Andrei Andreicut vorlas, der ihnen mitteilte, die Kirchenleitung habe zugestimmt, die drei orthodoxen Friedhöfe des Cornatales aufzulassen und als Ersatz den Friedhof in Piatra Alba zu erweitern. Unter den Gläubigen, die das zum ersten Mal erfuhren, machte sich Schock und Empörung breit, denn sowohl Kirche als auch die Gräber ihrer Vorfahren haben einen hohen Stellenwert in ihrem Leben, ein technokratisches Denken in "Projekten" und "Projektnotwendigkeiten" ist ihnen unnachvollziehbar.

Eine alte Frau fragte den Priester, wo sie einmal begraben werden würde und erhielt die zynische Antwort, sie könne sich noch im Cornatal begraben lassen, aber ihre Angehörigen müssten schriftlich einwilligen, über ihrem Grab den Zyanidsee schwimmen zu lassen. Diese Antwort führte zu emotionalen Ausbrüchen und tumultartigen Szenen im Gottesdienst. Man verlangte das persönliche Erscheinen des Bischofs. Im Laufe der folgenden Woche verweigerte der örtliche Kirchenrat den Gehorsam und wandte sich in Protestschreiben an den Bischof und an den Sfantul Sinod, das höchste Gremium der rumänisch-orthodoxen Kirche.

Man forderte auch Auskunft, ob "nur" die Friedhöfe oder auch die zwei alten Kirchen abgerissen werden sollen, worauf die Kirchenleitung erklärte, die Kirchen würden erhalten bleiben. Die empörten Gläubigen halten dies für unehrliche Beschwichtigung, da die Kirchen mitten in dem für den Zyanidsee vorgesehenen Gebiet liegen. Letzten Medienberichten zufolge befindet sich derzeit praktisch die gesamte Bevölkerung des großteils orthodoxen Cornatales in Aufruhr gegen die Kirchenleitung. Die weitere Entwicklung ist noch nicht abzusehen.

Im Cornatal wurde von der Antike bis ins frühe 20. Jahrhundert Gold geschürft, dann waren die mit herkömmlichen Mitteln zugänglichen Erzadern erschöpft. Zurückgeblieben ist eine einzigartige, teils auch bizarre, mehrere hundert Hektar große Kulturlandschaft. Zu ihr gehören die römischen Minengalerien des antiken Alburnius Maior, die teilweise noch gar nicht ausgegrabenen römischen Bergwerkssiedlungen, und etliche malerische Dörfer und teils orthodoxe, teils unierte Kirchen. Zentrum ist der historische Bergwerksort Rosia Montana.

Seit dem Jahr 2000 verfolgt die kanadische "Rosia Montana Gold Corporation" das Projekt einer Wiederaufnahme des Goldbergbaues. Da das noch vorhandene Gold im Gestein zu fein verteilt ist, um geschürft werden zu können, soll hinter Betonmauern ein mehrere Hektar großer Zyanidsee entstehen. Die goldhaltigen Berge sollen mit riesigen Bulldozern abgetragen und zerkleinert werden, der Schotter würde dann im Zyanid aufgelöst und das Gold chemisch abgesondert werden. Obwohl die Umwelt- und Kulturzerstörung durch dieses Projekt offensichtlich ist, hat die rumänische Regierung und das Parlament schon Zustimmung signalisiert. Deshalb hat die Gesellschaft, obwohl noch wichtige Bewilligungen aus dem Umweltbereich ausstehen, schon jetzt unbehelligt mit teils illegalen Absiedlungen begonnen.

Rund 300 Familien wären von einer Umsiedlung betroffen. Dagegen erhoben sich in den letzten Monaten Proteste, vor allem von Archäologen, von der rumänischen Akademie der Wissenschaften und von Umweltschützern. Greenpeace Hungary verbreitet von Budapest aus, wohin der Arm der rumänischen Behörden nicht reicht, ganz ungeschminkt die Ansicht, dass die bisherige Erlangung von staatlicher Zustimmung und Duldung nur durch massive Schmiergeldzahlungen an korrupte Entscheidungsträger und Parlamentarier möglich war.



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Orthodoxie

  1. Orthodoxe Christen feiern am kommenden Sonntag Ostern
  2. Papst Leo XIV. wirbt für engere Zusammenarbeit mit Ostkirchen
  3. Warum Kirchen jetzt Frieden, Recht und Wahrheit verteidigen müssen
  4. Ökumenisches Patriarchat weist Vorwürfe Russlands zurück
  5. Weihesakrament und Leitungsvollmacht
  6. „Mit den beiden Lungenflügeln atmen“, singen und beten
  7. Der Augenblick Gottes: Die Begegnung von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras
  8. Die Ost- und Westkirche – „Schwesterkirchen“ - Die Brüder Andreas und Petrus treffen sich
  9. Einladung aus orthodoxer Mönchsrepublik Athos für US-Präsident Trump
  10. Katharinenkloster-Abt Simeon zum Bischof geweiht







Top-15

meist-gelesen

  1. So nicht, Mr. Präsident!
  2. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  3. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  4. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  5. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  6. Sängerin Nina Hagen bereut ihre Abtreibungen
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Bischof: „Bin durch diese Äußerungen von Staatsanwälten und Richtern verletzt. Das ist Hassrede“
  9. "Derselbe Polarstern"
  10. Der unerklärte Formatwechsel beim Konsistorium der Kardinäle im Januar
  11. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  12. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  13. Papst Leo gegen Präsident Trump – Was steckt dahinter?
  14. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“
  15. Nach Extremerfahrung des Mondflugs: Artemis-Kommandant Wiseman fragte nach christlichem Seelsorger

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz