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»Augenblick des Schreckens« und Feier des Glaubens

27. Juni 2014 in Chronik, keine Lesermeinung
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Die Riten und Zeremonien nach dem Tod des Oberhauptes der katholischen Kirche folgten über Jahrhunderte fast immer dem gleichen Verlauf. - Leseprobe 4 aus der Neuerscheinung „Der unbekannte Vatikan“ von Ulrich Nersinger


Vatikan (kath.net) Die Riten und Zeremonien nach dem Tod des Oberhauptes der katholischen Kirche folgten über Jahrhunderte fast immer dem gleichen Verlauf. Nach seinem Ableben wurde der Papst mit einem Rochett (» Chorrock mit engen Ärmeln«) der Mozzetta (»Schulterkragen«) und dem Camauro (»einer roten Pelzmütze«) bekleidet. Das Gesicht des Heiligen Vaters bedeckte man mit einem weißen Seidentuch. Zwei Nobelgardisten traten heran und übernahmen die Ehrenwache, die Beichtväter von Sankt Peter erschienen und begannen mit ihren Gebeten für das Seelenheil des dahingeschiedenen Papstes. Dann betraten der Kardinalkämmerer und die Prälaten der Apostolischen Kammer das Zimmer. Der Kämmerer stimmte das De profundis (»den Totenpsalm«) an und näherte sich dann dem Leichnam. Man hob das Seidentuch an, sodass man das Gesicht des Verstorbenen sehen konnte. Der Kardinalkämmerer ließ sich vom päpstlichen Leibarzt das Ableben bestätigen und stellte dann seinerseits ex officio (»von Amts wegen«) den Tod fest. Bis zum Pontifikat Leos XIII. wurde zur Feststellung des Todes dem Kämmerer ein silberner Hammer gereicht. Mit ihm berührte er dreimal die Stirn des Papstes und rief ihn dabei jedes Mal mit seinem Taufnamen. Dann wandte er sich an die Umstehenden mit den Worten: Papa vere mortuus est (»Der Papst ist wirklich tot«). Aus seinem Sterbezimmer wurde der Pontifex von Offizieren der Nobelgarde in einen Saal des Apostolischen Palastes oder direkt in die Sixtinische Kapelle überführt, um dort einbalsamiert zu werden. Zwei Tage lang hielten auch hier die Nobelgardisten und die Beichtväter von Sankt Peter die Totenwache. Am Abend des dritten Tages kam den Beichtvätern die Aufgabe zu, dem toten Papst die roten Pontifikalgewänder, den Fanon, das Pallium und die goldene Mitra anzulegen.

Am folgenden Tag geschah die Überführung nach Sankt Peter. Aus dem Bronzetor heraus betrat der Trauerzug durch das Atrium der Basilika das Gotteshaus – »Es ist das erste Mal, dass der Papst Einzug hält, ohne von dem Schmettern der silbernern Trompeten und den Ovationen der Menge begrüßt zu werden. Die riesige Kirche ist leer, Trauer durchzieht den weiten Raum«, beschrieb Jean Neuvecelle diesen Augenblick. Nach dem Tode Johannes’ XXIII. hatte man entschieden, den Leichnam des Pontifex durch das Bronzetor über den Petersplatz in die Basilika zu tragen. In der Vorhalle hielt der Leichenzug kurz inne, dort kam dem Dekan des Domkapitels die Aufgabe zu, die erste Absolution zu erteilen. Eine zweite Absolution wurde vor dem Altar der Confessio (»Stätte vor dem Grab des Apostelfürsten«) erteilt, die dritte in der Sakramentskapelle. In der Kapelle des Allerheiligsten Sakramentes fand die letzte Aufbahrung statt. Der Kopf des Papstes war dem hohen Gitter zugewandt, das den Zugang zur Kapelle versperrte. Die Bahre, auf der der Leichnam des Papstes ruhte, hatte man so aufgestellt, dass er von Weitem sichtbar war. Die Füße reichten durch das Gitter hindurch, damit sie von den Gläubigen geküsst werden konnten. Seit dem Tode Pius’ XII. im Jahre 1958 wurden die Päpste wegen der größer werdenden Menschenmenge, die ihnen die letzte Ehre erweisen wollte, auf einem Katafalk bei der Confessio aufgebahrt. Auch hier hielten Angehörige der Päpstlichen Nobelgarde die Wache, unterstützt von Hellebardieren der Schweizergarde.


Drei Tage lang konnten die Gläubigen an der Bahre des Papstes vorbeiziehen. Am Abend des dritten Tages wurden die Türen der Basilika geschlossen. Man trug den Leichnam in eine andere Kapelle, wo er in Gegenwart des diplomatischen Korps, des römischen Adels, hoher kirchlicher Würdenträger, der Familie und der engsten Vertrauten des Papstes in das große rote Seidentuch gehüllt wurde, das bisher die Tragbahre bedeckt hatte und jetzt als Leichentuch diente. Zu Füßen des verstorbenen Pontifex wurde ein Beutel mit sämtlichen unter seinem Pontifikat geschlagenen Medaillen und Münzen niedergelegt. Eine von einer Metallkapsel umschlossene Pergamentrolle mit den Aufzeichnungen der wichtigsten Daten seines Lebens und des vergangenen Pontifikates wurde dazu gelegt und ins Grab mitgegeben. Drei verschiedene, ineinandergeschachtelte Särge nahmen den Leichnam des Papstes auf. Der erste war aus Zypressenholz und mit roter Seide ausgeschlagen, der zweite mit Blei überzogen und der dritte aus Eichenholz gearbeitet. Nach der Beisetzung des Leichnams wurde über dem dreifachen Sarg ein letzter Segen gesprochen, bevor der Papst in der Krypta der Basilika seine letzte irdische Ruhestätte fand. In den Novendiales (»neuntägigen Trauerfeierlichkeiten«) wurde des verstorbenen Pontifex gedacht. Bis in die jüngste Vergangenheit wurden an den Zeremonien, die den Tod und die Beisetzung begleiteten, nur wenige Veränderungen, die zeitbedingt waren, vorgenommen. So wählte man als Ort für die Messfeier der Exequien den Petersplatz, um möglichst vielen Gläubigen eine Teilnahme zu ermöglichen. Welche Dimensionen das Ableben eines Papstes anzunehmen vermochte, sollte sich in den Monaten März und April des Jahres 2005 eindrucksvoll erweisen.

In den Tagen, als das Pontifikat Johannes Pauls II. zu Ende ging, schrieb Eckhard Fuhr in der »Welt«, der Papst sei nicht gewillt, »dem Publikum der säkularisierten Moderne das altertümliche Drama um seinen Körper ersparen zu wollen«. In einem Interview mit Radio Vatikan merkte Kardinal Joseph Ratzinger an: »Wir haben gerade in diesen letzten Jahren gelernt, dass das Zeugnis eines leidenden Papstes eine große Bedeutung hat, dass Leiden eine eigene Art der Verkündigung ist. Ich habe durch viele Briefe und persönliche Zeugnisse gesehen, wie leidende Menschen sich dadurch neu angenommen fühlen. Mir hat die Vereinigung der Parkinson-Kranken geschrieben, dass sie dem Papst so danken, dass er gleichsam ihr Bild rehabilitiert, indem er öffentlich den Mut hat, als solcher Leidender aufzutreten und dennoch mit ganzem Einsatz zu wirken. Und er hat uns gerade auch in der Zeit seines Leidensweges vieles geschenkt und Neues gesagt. Kurzum: Es ist ja ein Stück eines ganzen Weges. Wir haben vom Papst sehr viele Worte geschenkt bekommen, eine große Botschaft. Eine andere Botschaft ist, dass er nun in die Passion Jesu Christi miteintritt; und das zeigt, wie Leiden fruchtbar ist als Mittragen mit dem Herrn, als Mittragen mit den vielen Leidenden dieser Welt.«

Ende März 2005 hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass Papst Johannes Paul II. im Sterben lag. In aller Welt wurden Gebete für den Papst verrichtet; Tausende von Menschen strömten auf den Petersplatz. Bei einem Bittgottesdienst in der römischen Lateranbasilika, an dem auch der italienische Staatspräsident teilnahm, sagte der Kardinalvikar des Papstes für die Diözese Rom: »Der Heilige Vater sieht und berührt schon den Herrn.« Am Abend des Sterbetages beteten die Gläubigen auf dem Platz vor der Petersbasilika den Freudenreichen Rosenkranz. Als von ihnen nach dem Gebet im Anklang an das Lourdes-Lied das »Ave Maria« gesungen wurde, verschied der Papst.

kath.net-Buchtipp
Der unbekannte Vatikan
Von Ulrich Nersinger
Hardcover, 272 Seiten
2014 Media Maria
ISBN 978-3-9816344-1-9
Preis 19.50 EUR

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Ulrich Nersinger, Historiker und Autor, überreicht Papst Franziskus sein neuestes Buch: ´Der unbekannte Vatikan´



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