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'Krieg' in der Kirche?

20. Februar 2014 in Kommentar, 29 Lesermeinungen
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Sind auch Bischöfe auf dem Weg des Zeitgeistes? Von Michael Schneider-Flagmeyer (Forum Deutscher Katholiken)


Bonn (kath.net/blog.forum-deutscher-katholiken.de) Die Bergpredigt Jesu beginnt gleich nach den Seligpreisungen mit der Beschreibung dessen, was wir sind und sein sollen nach dem Willen Gottes. „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“ (Matth.5,13)

Dieses Herrenwort ist ein fester Bestandteil der ganzen Verkündigung Jesu, die von Umkehr und Buße und dem steilen Weg, der nach oben führt, spricht. Und auf diesem Weg ist Er der Eckstein, an dem sich Viele stoßen werden. Der Herr hat uns auch gesagt, dass der Jünger nicht über dem Meister steht und dass, wenn man schon ihn verfolgt hat, die „Welt“ es auch mit uns nicht anders treiben wird. Aber er hat uns seinen Beistand versprochen und unsere Augen auf das ewige Ziel gelenkt.

Nun haben wir seit fast einem Jahr einen Papst, der das große Charisma hat, die klare Lehre seines Vorgängers in einfachen Worten, die jedermann versteht, als Pastor Mundi unter das Volk zu bringen. Dabei wird er nicht müde, in Taten und Worte die enge Verbundenheit mit seinem Vorgänger zu betonen. Immer wieder sagt er, dass er ein Sohn der Kirche sei und somit fest auf dem Boden der Konzile und des römischen Katechismus steht. Wer die täglichen „Franziskusperlen“ auf kath.net liest, kann daran nicht zweifeln. Er will nicht die Lehre der Kirche verändern sondern den Ton der Verkündigung oder wie Erzbischof Gänswein sagt: Er will nicht den Glauben sondern die Gläubigen ändern. Das verstehen viele Leute in der Kirche offensichtlich falsch.

Jesus hat vom „Salz der Erde“ gesprochen, das wir sind und sein sollen und nicht vom „Schmieröl des sich stets wandelnden Zeitgeistes“.

Wenn er vom steilen Weg nach oben spricht, dann ist es unsere Aufgabe, nicht die Mühsal und das Schwere dieses Weges mit Schrecken auszumalen, sondern zu zeigen, dass mit jedem Schritt auf diesem Weg die Aussicht weiter und schöner wird und die Frucht, die auf dem Wege liegt immer reifer, süßer und greifbarer wird.

Und es ist die Pflicht der Hirten und Verkünder der Kirche die Menschen davor zu warnen, dass das Schmieröl des Zeitgeistes die Menschen auf dem breiten und nur scheinbar bequemen Weg nach unten rutschen lässt, wo die Aussicht immer schlechter wird. Das geschieht leider bei einem großen Teil der Hirten und Verkünder nicht.


So hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann gerade in einem Zeitungsinterview eine wesentliche Änderung der kirchlichen Sexualmoral verlangt und der kirchlichen Lehre durch Papst und Konzile, wie sie im katholischen Katechismus KKK festgelegt ist, widersprochen. (Wir haben im vorausgehenden Artikel über den Brief an Bischof Feige die Berichte darüber auf kath.net verlinkt. Hier kann sich der Leser über das Problem informieren).

Ist das nun pastorale Sorge für die Menschen, die die Lehre der Kirche ablehnen oder ist das mehr?

Vor fast zwei Jahren hat Bischof Ackermann in einem Brief an einen Religionslehrer, der sich über die Fortbildung der gymnasialen Religionslehrer durch den Ex-Priester und Ex-Religionspädagogen Hubertus Halbfas zusammen mit einem evangelischen Dissidenten beschwerte, sich hinter sein Schulreferat gestellt und die Fortbildung verteidigt, obwohl ihm bekannt war, dass Halbfas in seinem neuen Buch den gesamten christlichen Glauben der Kirchen samt apostolischem Glaubensbekenntnis und Katechismen in rüdem Ton vom Altar gewischt hatte (Siehe hier und hier).

Bischof Ackermann, der sich sehr um eine menschfreundliche Pastoral bemüht, sehr aufgeschlossen im Umgang mit Menschen ist, aber ganz offensichtlich hilflos dem zum Teil rabiaten kirchlichen Apparat gegenübersteht, hat sich hier nun in Sachen Sexualmoral theologisch verrannt und damit die für diese Fragen zuständige kommende Bischofssynode sowie den Heiligen Stuhl in Verlegenheit gebracht.

So haben denn auch einige seiner Mitbrüder ihm in der Öffentlichkeit deutlich widersprochen. Darunter waren auch ein Erzbischof und ein Bischof, die sich selten in der Öffentlichkeit äußern.

Wer sich eben auf den mit Schmieröl „gesalbten“ breiten Weg des Zeitgeistes begibt, kommt ins Rutschen, darf sich aber des Beifalls des Säkularismus in und außerhalb der Kirche gewiss sein.

Der einzige Bischof, der seinem Trierer Mitbruder öffentlich beisprang, war der Bischof von Magdeburg Gerhard Feige, der Kritik an den Kritikern übte.

Es ist wichtig und unerlässlich, diesen Vorgang in einem Gesamtzusammenhang zu sehen. Dazu gehört auch das Drama von Limburg, dass in Wirklichkeit darin besteht, dass im Domkapitel und wichtigen Kreisen des dortigen Klerus eine andere, säkularisierte Kirche gewünscht wird. Mit welchen Waffen dort „Krieg“ geführt wird, haben wir alle in den letzten Monaten ausgiebig verfolgen können.

Aber auch gegen den Präfekten der Glaubenskongregation, den designierten Kardinal Müller, wird nicht nur aber besonders von deutschem Boden aus zu Felde gezogen.

Nachdem Kardinal Marx und Erzbischof Zollitsch glaubten, den Präfekten öffentlich ermahnen zu müssen, kamen besonders infame Äußerungen vom Generalabt der Benediktiner, Notger Wolf, in der Talkrunde 3 nach 9 von Radio Bremen. Dieser Würdenträger rutscht schon lange auf dem breiten Pfad des Zeitgeistes.

Auf die Frage, ob es unter den deutschen Bischöfen Betonköpfe gebe, antwortete er: Dieses könne er mit einem freudigen Ja beantworten.

Auf die Frage nach einer neuen Sexualmoral sprach er von einer „Kommando-Moral“. Viele seien mit ihrer Sexualität in großen Schwierigkeiten. „Sie werden bei den Priestern sofort abgekanzelt.(sic!) Das kanns´s nicht sein.“ Wolf lobte die Freiburger für ihre Haltung den wiederverheirateten Geschiedenen gegenüber und sagte zum Fragebogen, es sei gut, dass die Kirche mal frägt statt indoktriniert (sic).

Auf den Hinweis des Moderators, Giovanni di Lorenzo, Chef der „Zeit“, dass Erzbischof Müller ja nun aufgestiegen sei, sagte Wolf: Dieser sei nicht aufgestiegen sondern Papst Franziskus vor die Nase gesetzt worden. Der Papst könne nicht seinen Vorgänger brüskieren. Dass er damit Papst Franziskus und seinen Vorgänger abwertete, fiel dem Herrn Generalabt gar nicht auf. Was wird der geistliche Herr erst jetzt sagen, wenn er liest, dass Papst Franziskus das Vorwort zu Kardinal Müllers neuem Buch geschrieben hat?

Die Krone der Unverschämtheiten setzte sich allerdings der Pater Klaus Mertes SJ in der Süddeutschen Zeitung vom 7.2.2014 auf. Hier nannte er zwar die Anschuldigungen der UNO gegen den Heiligen Stuhl „gerührten Quark“ warf aber zugleich dem Heiligen Stuhl vor, dass er erst jetzt beginne, die Ursachen für sexuelle Gewalt aufzuarbeiten. Das kann weder Unwissenheit noch Dummheit sein, das ist einfach Dreistigkeit in Höchstform.

Gleichzeitig sagte er: „Bischöfe, die an Vertuschungen beteiligt waren, sollten zurücktreten oder ihr Amt verlieren.“ – zum Beispiel der designierte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation und frühere Bischof von Regensburg. Der klettere „mir nichts dir nichts auf der römischen Karriereleiter nach oben.“ Das sei für die Opfer unerträglich.

Abgesehen davon, dass der Jesuit Mertes hier auch massiv den Papst aus der Gesellschaft Jesu kritisiert, muss man seine Perfidie genauer betrachten. Mertes hat sich geschickt als der Vater der Aufklärung des Missbrauchs in der Kirche präsentiert, kurz bevor die Bombe in seiner eigenen Gemeinschaft hochging und zwar in Berlin, wo er Rektor war sowie in Bonn. Er, der jahrelang zu den Vertuschern gehörte und eine Sekunde vor 12 die Flucht nach vorne antrat – ein Opfer des Jesuitenkollegs in Bonn hatte schon 10 Jahre zuvor ein Buch über sein Leiden geschrieben – wirft nun Kardinal Müller vor, vertuscht zu haben in einem Fall, den dieser von seinem Vorgänger geerbt hatte, den Priester suspendiert hatte, ihn aber nach fachlichem Gutachten später wieder zugelassen hatte.

Mertes wirft auf den Präfekten der Glaubenskongregation dicke Steine aus dem wohl dünnsten Glashaus in Sachen Missbrauch heraus.

Dass der deutsche Präfekt der Glaubenskongregation gerade in Deutschland viele Feinde hat, hat schon Benedikt XVI. in diesem Amt ertragen müssen - der Panzerkardinal. Das ist nichts Neues.

Traurig ist zu sehen wie sich die Prophezeiung der Muttergottes in La Salette sowie in Amsterdam (beides kirchlich anerkannt) erfüllt. Nämlich, dass Kardinäle gegen Kardinäle und Bischöfe gegen Bischöfe stehen werden. Das ist der „Krieg“ in der Kirche.
Nun sagen uns viele Leute, dass gerade wir, die „papsttreuen Publizisten“ (Ludwig Ring-Eifel) und Gruppierungen diesen Kampf anfeuern.

Denen sei entgegengehalten, dass die, die „Feuer“ rufen, nicht die Brandstifter sind, sondern die, die beim Löschen helfen wollen.

Die hier beschriebenen Zustände in der Kirche sind ein verheerendes Signal und Zeugnis für die Gläubigen und für die Welt.

Uns allen, die wir uns Christen nennen, gilt der Ruf Christi „Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!“ Es ist die höchste Pflicht und Aufgabe der Hirten dabei mit gutem Beispiel voranzugehen und wir haben dabei zu folgen, damit alle „auf Christus schauen, den Urheber und Vollender unseres Glaubens (Hebräerbrief).

„Die Kirche ist erbauet auf Jesus Christ allein,
Wenn sie auf Ihn nur schauet, wird sie in Frieden sein.“

Alle in der Kirche sind gerufen, Christi Zeugen bis an die Grenzen der Erde zu sein, damit die Welt glaubt. Mögen alle in der Kirche eins und damit wirkliche Zeugen sein.


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