Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. So nicht, Mr. Präsident!
  2. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  3. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  4. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  5. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  6. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  9. Jeder zweite Deutsche wünscht sich ein Leben nach dem Tod
  10. Schwedischer Kirchenhistoriker: Viele junge Menschen wollen katholisch werden, besonders Männer
  11. Italien: Seligsprechungsverfahren für Teenager eröffnet
  12. Vatikan stoppt Seligsprechungsverfahren für argentinischen Bischof Jorge Novak
  13. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“
  14. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  15. Setzt euer Vertrauen nicht in Prinzen!

Brauchen Staat und Kirche mehr Distanz?

6. September 2013 in Deutschland, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


ARD-Film „Koalition der Frommen“ beleuchtet das Verhältnis - Alexander Kissler: Kirche würde von mehr Distanz zum Staat profitieren. Die „Versippung“ beider Bereiche führe dazu, dass die Kirche „Beißhemmungen“ gegenüber der Politik habe


München (kath.net/www.idea.de)
Wie viel Religion verträgt der Rechtsstaat? Braucht er eine stärkere Distanz zu den Kirchen, und sind kirchliche Vorrechte noch zeitgemäß? Mit diesen Fragen befasste sich der Film „Koalition der Frommen“, der am 4. September in der ARD ausgestrahlt wurde. Wie es in dem Beitrag von Tilman Jens (Frankfurt am Main) hieß, verlören die beiden Volkskirchen immer mehr an Bedeutung. Sie seien nur noch zwei spirituelle Anbieter unter vielen: „Und die Talfahrt ist nicht gestoppt.“ Viele Probleme schienen hausgemacht. Als Beispiele werden genannt: die Selbstgerechtigkeit mancher Würdenträger, die Ungleichbehandlung von Mann und Frau, der schleppende Fortgang der Ökumene und der sexuelle Missbrauch in den Reihen der Kirchen. Die kirchlichen Privilegien blieben jedoch unangetastet. Dies kritisiert der jüdische Historiker und Publizist Michael Wolffsohn (München) in dem Film: „Es ist mehr und mehr eine Posse geworden, wenn bei moralisch akzentuierten Veranstaltungen die Würdenträger der religiösen Gemeinschaften ganz vorne sitzen.“ Damit werde ihnen von der Platzierung ein Gewicht beigemessen, das sie inhaltlich nicht mehr hätten und vorlebten: „Und wenn du nicht vorlebst, kannst du nicht Vorbild sein.“ Der frühere rheinland-pfälzische und thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) verweist darauf, dass die Kirchen nach wie vor eine „ungeheuer mitgliederstarke Organisation“ seien. Der Staat solle deshalb auf sie Rücksicht nehmen.


„Beißhemmung“ der Kirchen

Der Publizist Alexander Kissler (Berlin) vertritt die Ansicht, dass die Kirche von mehr Distanz zum Staat profitieren würde. Die „Versippung“ beider Bereiche führe dazu, dass die Kirche „Beißhemmungen“ gegenüber der Politik habe: „Sie kann nicht beispielsweise Missstände auf dem Wohnungsmarkt mit der gebotenen Deutlichkeit kritisieren, wenn sie selber dort mitmischt.“ Wie es in dem Beitrag weiter heißt, gebe es im Sozialstaat zwar Einschnitte zuhauf. Aber „an der Alimentierung der Kirchen wagt keine Partei – ob nun schwarz, rot oder grün – ernsthaft zu rütteln“. Kritisiert wird auch die „Sonderstellung“ der kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie. Sie würden zwar fast vollständig von der öffentlichen Hand finanziert: „Aber so manches Gesetz unseres Rechtsstaates ist hinter Kirchenmauern außer Kraft gesetzt.“

Atheistin kritisiert Sonderrechte für Kirchen

Die SPD-Finanzexpertin und Atheistin Ingrid Matthäus-Meier beklagt, dass für 1,2 Millionen Beschäftigte in kirchlichen Einrichtungen nicht das Betriebsverfassungsgesetz gelte und sie deshalb kein Streikrecht hätten. Wenn etwa ein Mitarbeiter im Pflegebereich aus der Kirche austrete, habe diese das Recht, eine Kündigung auszusprechen: „Das findet oft genug statt.“ Darauf entgegnet die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Ellen Ueberschär (Fulda), dass auch jede Partei nur Leute einstelle, die eine Nähe zu ihrer weltanschaulichen Überzeugung hätten. Dieses Recht müsse man auch kirchlichen Institutionen zugestehen. Dagegen wendet Matthäus-Meier ein: „Der Arzt hat die Aufgabe zu heilen und nicht zu verkündigen. Eine Pflegerin hat die alten Leute zu pflegen und nicht zu missionieren.“

Streit um Beschneidung: Juden danken Kirchen

Der Film geht ferner darauf ein, dass Juden, Christen und Muslime gemeinsam für religiöse Interessen eintreten. Als Beispiel wird der Streit um die Beschneidung von jüdischen und muslimischen Jungen genannt. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann (Frankfurt am Main), dankt den Kirchen, dass sie sich an die Seite der Juden gestellt hätten. Der Beitrag erinnert ferner daran, dass Muslime sich über eine Papst-Karikatur im Satire-Magazin „Titanic“ empört hätten und deutsche Bischöfe nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen Muslime zur Seite gesprungen seien: „Denn wenn es um das so genannte religiöse Gefühl geht, sind sich Imame, Rabbiner und Kardinäle rasch einig.“

„Seilschaft“ frommer Juden, Christen und Muslime

Nach Worten der deutsch-türkischen Rechtsanwältin Seyran Ates (Berlin) gibt es nicht nur „eine Koalition der Frommen, sondern auch eine Seilschaft der Frommen“. Sie verbündeten sich, wenn sie das Gefühl hätten, dass ihre Auslegung von Religion infrage gestellt werde. Kirchentags-Generalsekretärin Ueberschär sprach von einer Koalition derer, „denen überhaupt noch etwas heilig ist“. Wem nichts mehr heilig sei, „ist am Ende das Menschenleben auch nicht mehr heilig“. Juden, Christen und Muslime verfolgten das gemeinsame Ziel, Religion in der Öffentlichkeit zu leben und nicht an den Rand gedrängt zu werden.

Schweigen von Schneider und Zollitsch

Der EKD-Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider (Berlin), hatte es abgelehnt, sich für den Film interviewen zu lassen. Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), verzichtete ebenfalls. Er hatte ein Interview an die Bedingung geknüpft, dass „dies auf Augenhöhe mit der EKD gelingt“. Dazu hieß es im Film, beim Schweigen zu streitbaren Themen sei die Ökumene bereits weit fortgeschritten.

FILM in der ARD-Videothek


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Politik

  1. Bremer Grünenpolitikerin Görgü-Philipp posiert mit Holocaust-Koffer – Rücktritt nach Eklat!
  2. 'Man kann mit der Begründung, man verteidige die Demokratie, die Demokratie nämlich auch abschaffen'
  3. Interne Grünen-Mail nach Berlin-Blackout: „NICHT Täter*innen/Ermittlungen in den Mittelpunkt ziehen“
  4. Das große CDU-Chaos ODER wenn ein angebliches Plagiat schlimmer als Abtreibung im 9. Monat ist!
  5. Erfolg für den Lebensschutz – Kein Geld für Planned Parenthood aus US-Bundesbudget
  6. US-Repräsentantenhaus untersucht möglichen Missbrauch von Steuergeld durch Planned Parenthood
  7. Transgender-Debatte: Grüne Politikerin El-Nagashi verlässt die Partei
  8. Sprecher des US-Repräsentantenhauses will Subventionen für Planned Parenthood streichen
  9. Gründer der ‚Catholics for Harris‘: US-Demokraten haben ein ‚wachsendes Problem mit Gott‘
  10. Wirtschaft, Grenzsicherheit, Kriminalität waren Wählern wichtiger als radikale Abtreibungspolitik







Top-15

meist-gelesen

  1. Wer dir beim letzten Atemzug beisteht
  2. So nicht, Mr. Präsident!
  3. Kard. Müller: „Niemand hat das Recht den Papst zu kritisieren, wenn er treu seinem Auftrag folgt“
  4. BILD spricht von Kurswechsel in Berlin: Papst Leo XIV. schickt „Dompteur“ für deutsche Bischöfe
  5. "Man hätte also Hitler gewähren lassen sollen?" - Trump-Leo-Streit eskaliert
  6. Wenn der Funktionär den Bischof ersetzt
  7. US-Vizepräsident JD Vance legt Papst Leo XIV. nahe, sich aus der US-Politik herauszuhalten
  8. Bischof: „Bin durch diese Äußerungen von Staatsanwälten und Richtern verletzt. Das ist Hassrede“
  9. Sängerin Nina Hagen bereut ihre Abtreibungen
  10. Vatikan stoppt Seligsprechungsverfahren für argentinischen Bischof Jorge Novak
  11. Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen christlichen YouTuber
  12. Vorstoß im Bundestag: AfD fordert Ende der Staatsleistungen für Kirchen
  13. Italien: Seligsprechungsverfahren für Teenager eröffnet
  14. Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus
  15. Burke: Ein anhaltender Clash zwischen Papst Leo und Trump? „Das ist übertrieben“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz