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Passen Kind und Karriere zusammen?

28. Mai 2013 in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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Immer weniger Deutsche leben in Familien zusammen. Ein Grund dafür sei die niedrige Geburtenrate. Sie wiederum soll auch mit der schwierigen Vereinbarkeit von Kindern und Beruf zusammenhängen.


Wetzlar (kath.net/idea) Immer weniger Deutsche leben in Familien zusammen. Wie das Statistische Bundesamt am 15. Mai mitteilte, sank die Zahl im Jahr 2011 erstmals unter 50 Prozent. Ein Grund dafür sei die niedrige Geburtenrate. Sie wiederum soll auch mit der schwierigen Vereinbarkeit von Kindern und Beruf zusammenhängen. Passen also Kind und Karriere zusammen?

PRO

Die spontan von einer berufstätigen Mutter erwartete Antwort würde der Vielschichtigkeit der Frage nicht gerecht werden. Meint die Frage nicht eigentlich: Passen Kind und Karriere der Mutter zusammen? Oder passt etwa das Kind nicht zur Karriere? Oder ist Karriere möglich, obwohl man Kinder hat? Aus wessen Sicht wollen wir die Frage betrachten? Aus der des Kindes, der Gesellschaft oder des Arbeitgebers? Ich möchte sie aus der Sicht einer berufstätigen Mutter in Österreich, die das große Glück hat, sich eine professionelle Betreuung leisten zu können, beantworten: „Ja, unter gewissen Umständen“. Diese sind – die Gesundheit der Kinder vorgesetzt:


1. die Möglichkeit, Arbeitszeiten an den jeweiligen Lebensabschnitt des Kindes anzupassen.

2. Insbesondere im Falle von Dienstreisen auf die Anwesenheit des Vaters der Kinder setzen zu können.

3. Verlässliche, professionelle Betreuung vor allem im Alter von 0–14 Jahren. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, bin ich davon überzeugt, dass Kind und Karriere sehr wohl zusammenpassen. Dann kann die Karrierefrau die notwendige Leistung im Job erfüllen und zugleich ihrer Mutterrolle gerecht werden. Und das Kind kann inzwischen Erfahrungen machen, die ihm sonst verwehrt blieben.

Ich überlasse z. B. gerne anderen Dinge, die nicht meine Stärken sind. Ich kann weder Gitarre spielen, noch singe ich leidenschaftlich gerne. Haben Sie schon einmal zu zweit ein Gruppenspiel gespielt? Ziemlich langweilig. Auch Backen und Basteln ist nicht unbedingt meines. Ich spiele bei meinen Kindern lieber meine Stärken aus: Kuscheln, Vorlesen, Trösten, Mut machen, gemeinsam etwas erleben – dabei genießen wir den herrlichen Kuchen, den meine Kinder gebacken haben, während ich weg war.

Die Autorin, Karin Exner-Wöhrer, ist Finanzvorständin der Salzburger Aluminium AG (Wien/Salzburg) und Mutter von zwei Kindern

KONTRA

Vorangestellt sei eine Begriffserklärung von „Karriere“, denn diese ist entscheidend für die Antwort auf diese Frage. Karriere kommt aus dem Französischen „carrier“ und heißt übersetzt „Rennbahn, Laufbahn“. Der Volksmund meint damit im Hinblick auf die berufliche Laufbahn die Richtung „nach oben“. Vor 12 Jahren hielt ich unser erstes Kind in den Händen, als Gott mir die große und wunderbare Verantwortung zutraute, ein Kind auf seinem langen Weg ins Leben zu begleiten. Plötzlich eröffneten sich damals zwei Laufbahnen vor meinem inneren Auge. Ich spürte, dass es gut ist, eine persönliche Entscheidung zu treffen.

In welche Laufbahn investiere ich die nächsten Jahre? Ist nicht auch die „Mutterlaufbahn“ eine Karriere? Heute weiß ich, dass diese Arbeit der eines Trainers sehr ähnlich ist. Leider erfährt sie eine geringe Wertschätzung in unserem Land, besonders aus politischer Sicht. Das macht Entscheidungen oft nicht leicht.

Mir war damals klar: Es kommen Zeiten, in denen meine Kinder mich zu 100Prozent brauchen. Wenn ich aber gerade in dieser Zeit meine berufliche Karriere mache, werde ich immer hin und hergerissen sein. Und es sind die Kinder, die als schwächstes Glied den Preis bezahlen. Karriere allein als „berufliche Richtung nach oben“ beschrieben, passt für mich als 4-fache Mutter mit Kindern nicht zusammen.

Aber aus Sicht der Bibel kann dies doch zusammenpassen. Prediger 3,1 sagt: „Alles hat seine Zeit“ – das Mutterdasein und auch der berufliche Wiedereinstieg. Dies bedeutet zugleich, alles fordert seine Zeit. Die Karriere will sie, und auch unsere Kinder brauchen Zeit. Ich persönlich bin überzeugt, dass die Zeit einer „Mutterlaufbahn“ eine besondere Frucht für die Familie und unser Land hervorbringt.

Die Autorin, Doreen Paul (Weißenberg bei Bautzen in Sachsen), ist Diplom-Sozialpädagogin und Mutter von vier Kindern.


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