Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbruderschaft legt Einspruch gegen Exkommunikatons-Dekret ein
  2. "Der Dämon liebt es, wenn sich die Katholiken über die Liturgie zerfleischen"
  3. Bischof Oster kritisiert Leihmutterschaft scharf und spricht von „Skandal“
  4. "Wir wollen den Glauben verteidigen gegenüber häretischen Interpretationen und Verfälschungen!"
  5. Scharfe Kritik an CDU: Birgit Kelle rechnet nach Leihmutterschafts-Fällen mit Partei ab
  6. „Beten wir, dass den Gläubigen leichterer Zugang zur überlieferten Form der Messe ermöglicht wird"
  7. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  8. "Zwei Bundestagsabgeordnete, also Mitglieder der Legislative, umgehen das deutsche Recht..."
  9. ALfA begrüßt den Rücktritt Jens Spahns
  10. Kard. Sarah: „Europa ändert die Bedeutung von Wörtern, um den Menschen und die Familie zu zerstören“
  11. Glaubte Papst Benedikt XVI. an die nahende Endzeit?
  12. Erzbistum Hamburg: Eltern wehren sich gegen LGBT-Sexualkonzept in katholischen Schulen
  13. US-Bischof warnt vor FSSPX-Messen – nahm selbst an interreligiöser Chanukka-Feier teil
  14. Zwei Formen - ein Ritus
  15. Amnesty International stuft englische kath. Bischofskonferenz als „gegen [Menschen]-Rechte“ ein!

Beschließen ohne zu entscheiden?

6. März 2026 in Kommentar, 10 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Die Kirche ist kein Bundestag, kein Verein, kein politisches Gremium, das Mehrheiten organisiert und anschließend Vollzug anmeldet. Sie ist Leib Christi, Sakrament des Heils und Zeugin der Wahrheit. BeneDicta am Freitag von Dorothea Schmidt


Rom (kath.net)
Wenn ich etwas beschließe – entscheide ich dann nicht? Genau diese Unterscheidung wollte die deutsche Delegation beim letzten Gespräch in Rom den Kurialen plausibel machen, wie der Passauer Bischof in einem Interview von dieser Woche berichtete. Er zeigte sich gespannt, wie der Vatikan darauf reagieren werde.

Man möchte sich von seiner Gelassenheit eine Scheibe abschneiden. Da tricksen die Deutschen seit Jahren herum, dass sich die Balken biegen, um Veränderungen der kirchlichen Lehre weltkirchlich einzukleiden – und Oster stellt dem, zumindest nach außen hin, Gelassenheit und Gottvertrauen entgegen. Er hat Recht: Dem einfachen Gläubigen bleibt die Macht des Gebets und das Vertrauen darauf, dass Gott seine Kirche führt bis ans Ende der Welt (vgl. Mt 28,20). Und dies ist bei allem Engagement das Entscheidende.

Und doch erstaunt die Kühnheit der synodalen Wortführer – nicht, dass deren Doppelspurigkeit neu wäre. Aber die scheinbar subtile Differenz zwischen „Beschluss“ und „Entscheidung“ ist kein harmloses Wortspiel. Sie berührt die Frage kirchlicher Verbindlichkeit. In der Rechtssprache haben sowohl Entscheidungen als auch Beschlüsse verbindlichen Charakter. Was die Deutschen hier versuchen, ist ein weiterer semantischer Trick, um nicht zu sagen eine perfide Fakenummer. Auf der letzten Synodalversammlung haben die Wortführer des Synodalen Wegs gezeigt und sogar ausgesprochen, was sie unter Beschluss verstehen: eine bindende Entscheidung. Nach Rom signalisieren sie jedoch, keine Entscheidungen getroffen zu haben. Diese semantische Feinmechanik gleicht einem Spiel mit dem Feuer – einem Feuer, das nicht im Heiligen Geist entzündet, sondern die Substanz der Kirche langsam verzehrt.


Was bedeutet es denn konkret, wenn eine Synodalkonferenz behauptet, sie habe Beschlüsse gefasst, aber keine (endgültige) Entscheidungen getroffen? Dass sie formal nicht lehramtlich bindend sind, faktisch aber normative Erwartungen erzeugen? Dass sie beschließt – und der einzelne Bischof entscheidet, ob er sich daran hält? Entsteht hier nicht eine Spannung zwischen formaler Unverbindlichkeit und moralischem Druck? Hier wird nach innen Entschlossenheit signalisiert, nach außen die eigene Verantwortung relativiert. Verbindlichkeit wird so zur rhetorischen Kategorie, während faktisch ein Prozess etabliert wird, der Druck erzeugt und normative Kraft entfaltet. Genau hier liegt der Sprengstoff der semantischen Feinmechanik. Sauber wäre einzig, wenn „Beschluss“ als unverbindliches Beratungsvotum gekennzeichnet und als solches auch dem Bischof vorgelegt würde, der dann in aller Freiheit darüber entscheiden kann.

Kirche lebt von der Einheit von Wort und Wirklichkeit. Wenn sie spricht, soll ihr Ja ein Ja und ihr Nein ein Nein sein. Wenn „Beschluss“ nicht mehr das meint, was auch die Rechtssprache darunter versteht, wird Sprache strategisch. Wenn kirchliche Sprache strategisch wird, dient sie nicht mehr primär der Wahrheit, sondern der Steuerung von Prozessen. Sie untergräbt Vertrauen – jenes Vertrauen, das der Synodale Weg doch eigentlich wiedergewinnen wollte.

Hier liegt der Kern des Problems. Die Kirche ist kein Bundestag, kein Verein, kein politisches Gremium, das Mehrheiten organisiert und anschließend Vollzug anmeldet. Sie ist Leib Christi, Sakrament des Heils und Zeugin der Wahrheit. Ihre Einheit gründet nicht in Verfahren, sondern in der Wahrheit des Glaubens. Der heilige Cyprian von Karthago schrieb im 3. Jahrhundert: „Die Kirche ist im Bischof und der Bischof in der Kirche.“ Einheit entsteht aus dem gemeinsamen Hören auf Christus, nicht aus geschickter Satzungsarchitektur und der Ausgrenzung derer, die an der weltkirchlichen Einheit festhalten. Reform heißt Vertiefung, nicht Mutation. Und Synodalität meint gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist, nicht strategische Sprachtricks zur Machterweiterung. Wenn aber semantische Differenzierungen vor allem der taktischen Absicherung und letztlich auch der Verschleierung dienen, verliert Synodalität ihre geistliche Tiefe.

Vielleicht aber geschieht doch noch ein Wunder und die deutsch-synodalen Verantwortlichen begreifen, dass die entscheidende Frage nicht lautet: Wie formulieren wir Satzungen so, dass sie maximalen Spielraum eröffnen und wir die Lehre der Kirche so lange zu dehnen, bis sie den Erwartungen unserer Zeit entspricht? Sondern: Sind wir wirklich bereit, uns selbst vom Evangelium korrigieren zu lassen?

Im christlichen Verständnis sind Worte nicht neutral, auch die Psychologie weiß, das Worte Macht haben. Die Kirche erneuert sich nicht durch semantische Kunstgriffe. Sie erneuert sich durch Wahrheit, durch Umkehr, durch Heiligkeit. Joseph Ratzinger erinnerte immer wieder daran, dass die Kirche nicht durch Strukturen, sondern durch Heilige erneuert wird, nicht durch Anpassung, sondern durch Vertiefung des Glaubens.

Die Glaubenskrise ist eine Krise der Gottesbeziehung, der Glaubenspraxis, der missionarischen Kraft. Wer wirklich Erneuerung will, würde fragen, warum junge Menschen, die neu zur Kirche finden, gerade Liturgie, Tradition und klare Identität suchen – und nicht Gremienarchitektur. Vielleicht ist dies die Antwort Gottes auf das synodale Chaos. Während in Ausschüssen um Kompetenzen und Definitionshoheit gerungen wird, sprießen jenseits kirchenpolitischer Bühnen neue Glaubensknospen. Sie haben Christus die Tür des Herzens geöffnet. Er ist das fleischgewordene Wort, in dem Gott selbst sich offenbart. „Im Anfang war das Wort“, heißt es zu Beginn des Johannesevangeliums. Und dieses Wort ist keine taktische Größe, sondern die wahre lebensverändernde — reformatorische — Kraft. Es ist nicht Objekt kirchlicher Beschlussfassung, sondern Subjekt göttlichen Handelns. Und es ruft zur Entscheidung. Nur dort, wo es angenommen wird, entsteht wahre, nachhaltige Erneuerung.


 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

BeneDicta

  1. Technisch brillant, geistig obdachlos
  2. Die große Täuschung
  3. Hoffnung schlägt Optimismus
  4. Kirche zwischen Riss und Rückbindung
  5. Freu dich, Gott liebt dich
  6. 'Sommer ist, was in deinem Kopf passiert'
  7. Denn der Glaube ist kein Leistungssport
  8. Das Glück dieser Welt kauft man nicht mit Geld
  9. Herabsteigen in die „Tiefe unseres Seins“
  10. Lächle einen Menschen an, der dich nervt!






Top-15

meist-gelesen

  1. Kard. Sarah: „Europa ändert die Bedeutung von Wörtern, um den Menschen und die Familie zu zerstören“
  2. "Wir wollen den Glauben verteidigen gegenüber häretischen Interpretationen und Verfälschungen!"
  3. Glaubte Papst Benedikt XVI. an die nahende Endzeit?
  4. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  5. Piusbruderschaft legt Einspruch gegen Exkommunikatons-Dekret ein
  6. Bischof Oster kritisiert Leihmutterschaft scharf und spricht von „Skandal“
  7. Scharfe Kritik an CDU: Birgit Kelle rechnet nach Leihmutterschafts-Fällen mit Partei ab
  8. Eklat in Regensburger Basilika St. Emmeram: Schweizer Popsängerin dreht heimlich frivoles Musikvideo
  9. Erzbistum Hamburg: Eltern wehren sich gegen LGBT-Sexualkonzept in katholischen Schulen
  10. "Der Dämon liebt es, wenn sich die Katholiken über die Liturgie zerfleischen"
  11. Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente: „Ich bete jeden Tag, aber nicht für den Sieg“
  12. Überraschende Wendung im Mordfall Ann Widdecombe: Jetzt doch offizieller Terrorverdacht!
  13. Glaube & Sex vs. Vernunft & Geld?
  14. "Zwei Bundestagsabgeordnete, also Mitglieder der Legislative, umgehen das deutsche Recht..."
  15. ALfA begrüßt den Rücktritt Jens Spahns

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz