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Nur der Weg der Liebe ist der Weg des Lebens

vor 57 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV. in Maria Santissima del Lago in Castel Gandolfo. Eucharistie, Marienverehrung und die Prozession über den Albaner See: ein Aufruf zu Vergebung, Frieden und christlicher Nachfolge. Von Armin Schwibach


Castel Gandolfo (kath.net/as) Papst Leo XIV. feierte in der Kirche Maria Santissima del Lago in Castel Gandolfo die heilige Messe zum Fest der Madonna del Lago. An die Eucharistie schloss sich die traditionelle Prozession auf dem Albaner See an, bei der das Bild Mariens über das Wasser getragen wurde. In seiner Predigt verband Leo XIV. die biblischen Lesungen mit der Frage nach der christlichen Nachfolge. Im Mittelpunkt stand für ihn die Liebe als der Weg, auf dem der Mensch das Leben finde, während Hass und Gewalt in Zerstörung und Tod führten.

Zu Beginn erinnerte der Papst daran, dass er die Feier der Madonna del Lago gemeinsam mit den Gläubigen begehe, wie dies bereits seine Vorgänger getan hätten. Er verwies auf Paul VI., der den Bau der Maria geweihten Kirche gewünscht, unterstützt und sie geweiht hatte, sowie auf Johannes Paul II., der an diesem Ort ihres Gedächtnisses ihre Botschaft erneuert hatte.

Leo XIV. richtete den Blick zunächst auf den Propheten Jeremia und dessen Berufung. Jeremia habe den unwiderstehlichen Drang erfahren, auf den Ruf Gottes zu antworten. Der Prophet habe bekannt: „Du hast mich betört, o Herr, / und ich ließ mich betören, […] so brannte in meinem Herzen ein Feuer; […] Ich mühte mich, es auszuhalten, / vermochte es aber nicht“. Gott habe Jeremia erkennen lassen, dass er ihn bereits im Mutterleib gekannt und erwählt habe und dass er sein Volk mit ewiger Liebe liebe. Gott habe ihm seinen Heilsplan eröffnet, und deshalb habe Jeremia nicht mehr schweigen können. Der Papst hob hervor, dass Jeremia den Auftrag Gottes auch dann nicht zurückgehalten habe, wenn er wusste, dass seine Worte und sein Handeln vielen missfallen würden. Er habe Leiden und Unverständnis erfahren und sei schließlich „zum Gespött geworden den ganzen Tag“. Dennoch habe ihn die Liebe dazu gedrängt, für das Wohl seines Volkes ohne Kompromisse bis zum Ende zu handeln.

Von Jeremia führte Leo XIV. zur Gestalt Jesu im Evangelium. Jesus habe zuvor fünftausend Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen und später viertausend Menschen mit sieben Broten und wenigen Fischen gespeist. Jenseits des Erfolgs dieser Zeichen habe er seinen Jüngern nun deren messianischen Sinn eröffnet. Jesus habe angekündigt, dass er „nach Jerusalem gehen und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet werden und am dritten Tag auferstehen“ müsse. Damit habe Christus zugleich erklärt, worin die endgültige Offenbarung seiner Herrlichkeit bestehen werde: nicht in menschlichem Erfolg, sondern in der freien Hingabe des eigenen Lebens. Jesus habe sein Leben freiwillig hingegeben und sich am Kreuz als gebrochenes Brot dargebracht. Zugleich habe er gezeigt, dass auch derjenige, der seine Sendung fortsetzen wolle, diesen Weg gehen müsse: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24)


Leo XIV. stellte daraus eine grundlegende Aussage über das christliche Leben heraus: „Nur die Liebe rettet“. Diese Liebe habe Gott den Menschen dadurch gezeigt, dass er Mensch geworden sei, für sie gestorben und auferstanden sei. Die Antwort des Menschen bestehe darin, sich selbst dem Herrn und den Brüdern hinzugeben – in der beständigen Treue der Liebe des Alltags ebenso wie in außergewöhnlichen Formen der Hingabe, bis hin zum Martyrium. Auch heute erlitten Christen in verschiedenen Teilen der Welt den Tod aufgrund ihres Glaubens.

Mit Augustinus verwies der Papst anschließend auf das Verhältnis von Aussaat und Ernte. Der Kirchenvater habe geschrieben, „dass die Freude des Schnitters […] die Absicht des Sämanns zeigt“ (Sermo 330, 2). Leo XIV. verband damit den Wunsch, sich die Haltung des Sämanns zu eigen zu machen und mit Gottes Hilfe überall auf der Welt die Samen seiner unendlichen Liebe auszustreuen. Dies müsse „ohne müde zu werden, ohne Maß“ geschehen, damit heute und immer Menschen deren Früchte empfangen und sich darüber freuen könnten. Zugleich benannte Leo XIV. den Widerstand, den dieser Weg hervorrufe. Nicht alle verstünden die Schönheit, die Güte und die konkrete Gestalt dieses Traums des Schöpfers. Viele hielten ihn für eine Utopie. Die andere Wange hinzuhalten, gelte dann als Verhalten eines Verlierers, Geben angesichts der Ablehnung als Naivität und grenzenloses Vergeben als Schwäche. Selbst Petrus habe Schwierigkeiten gehabt, diese neue und andere Weise des Denkens anzunehmen. Jesus bleibe jedoch eindeutig: „Nur der Weg der Liebe ist der Weg des Lebens“.

Daran schloss Leo XIV. eine Warnung vor Hass und Gewalt an. „Machen wir uns keine Illusionen“, forderte er. Hass und Gewalt brächten „nichts Gutes, sondern immer nur Zerstörung und Tod“, auch wenn sie als Antwort auf erlittenes Unrecht verstanden würden. Dies zeige sich sowohl im kleinen Bereich des häuslichen Lebens als auch auf der großen Bühne der Welt. Die Erfahrung bestätige damit, was Jesus gelehrt habe: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden“. Aus dieser Einsicht leitete der Papst einen Ruf zur Umkehr der Haltung ab. Die Menschen hätten nach seinen Worten „so sehr“ Leben, Hoffnung, Gelassenheit und Frieden nötig – in sich selbst, in den Städten sowie unter den Völkern und Nationen. Deshalb dürfe keine Verletzung und keine Beleidigung den Menschen dazu bringen, dem Bösen Raum zu geben. „Erlauben wir dem Bösen nicht, unsere Menschlichkeit zu entstellen und unser Herz zu verderben!“, forderte Leo XIV. Die Christen sollten sich nicht „der Denkweise dieser Welt“ anpassen, sondern weiterhin lieben, geben und vergeben. Dabei verwies der Papst auf die Aufforderung des Apostels Paulus, sich selbst „als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer“ darzubringen. Darin sah er den Weg, die Würde des göttlichen Bildes, das der Mensch in seiner Seele trage, in sich selbst und in den anderen zu bewahren und wachsen zu lassen. Auch angesichts der Schwierigkeit dieses Weges dürfe der Christ nicht den Mut verlieren: „Unsere Kraft ist im Herrn, und mit seiner Hilfe ist alles möglich“.

Eine besondere Bedeutung erhielt in der Predigt die anschließende Prozession auf dem See. Leo XIV. erklärte, dass der Ritus an ein weiteres Wunder Jesu erinnere. Kurz vor den Ereignissen, von denen das Evangelium berichtet habe, sei Jesus auf dem See von Tiberias zu seinen verängstigten Jüngern gekommen, indem er über das Wasser gegangen sei, und habe sie ans Ufer geführt, nachdem er den Sturm beruhigt hatte. Gerade in dem Augenblick, in dem die Jünger am meisten Angst gehabt und den entgegenstehenden Winden ausgeliefert gewesen seien, habe Jesus sie zum Glauben und zum Gebet aufgefordert, damit sie den Frieden wiederfänden und gemeinsam mit ihm auf das ersehnte Ziel zufahren könnten. Leo XIV. deutete die Prozession deshalb als einen Vollzug dieses Glaubens. „Mit diesem Glauben nehmen wir heute Abend an der Eucharistie teil“. Auf dem Altar brächten die Gläubigen sich selbst zusammen mit Brot und Wein dar. Der Herr verbinde diese Gaben mit seiner eigenen Hingabe, heilige sie und gebe sie verwandelt in seinen Leib und sein Blut zurück, damit die Gläubigen sie als Nahrung für ihren Weg miteinander teilten.

Danach würden sie wie die Jünger gemeinsam das Ufer verlassen und das Bild Mariens mit sich tragen. Maria erscheine dabei als Vorbild und Führerin. Die Gläubigen sollten entlang der Ufer des Sees den Segen weitertragen, den sie empfangen hätten. Leo XIV. bezeichnete diese Handlungen als einfache Gesten, durch die das Vertrauen auf Gott und die kindliche Verehrung seiner heiligsten Mutter erneuert würden. Dabei verwies der Papst erneut auf Paul VI. und dessen Hinweis auf die kleine Gemeinschaft, die diesen Ort das ganze Jahr über bewahre. Dadurch könne sich zu den festlichen Zeiten das ganze Volk Gottes an diesem Ort versammeln. Leo XIV. stellte diese Aufgabe in Beziehung zu Maria, die den menschgewordenen Sohn Gottes in ihrem Schoß und im Haus von Nazareth aufgenommen habe, damit seine Erlösung alle Menschen erreichen könne.

So wurde für Leo XIV. die Kirche Maria Santissima del Lago zu einem Zeichen der Einheit der Kirche. Der Ort marianischer Verehrung zeige, wie die Kirche Tag für Tag darum ringe, alle Menschen „zu einem einzigen Leib“ werden zu lassen - im Gebet, in den Empfindungen und in den Vorsätzen sowie in einem geordneten und gemeinsamen Leben. Zugleich verwies der Papst auf die Liebe, mit der der Herr durch seine heiligste Mutter den Menschen nahekommen wollte, indem er einer von ihnen wurde und sich „mit der großen Menge unserer Menschheit“ verband.

Am Ende seiner Predigt richtete Leo XIV. den Blick erneut auf Christus und Maria. Die Gläubigen sollten sich an diesem Abend an den Sohn und die Mutter halten, „um vereint, nicht nur auf dem See, sondern in allen Nächten der Welt, ein beruhigender Widerschein der Gegenwart Gottes und ein unwiderstehliches Echo seiner Liebe zu sein, die zum Lieben einlädt“.

 


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