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Wo ist der Bruder, der unter dem Joch der Sklavenarbeit steht?

1. Mai 2013 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Franziskus-Perle am 1. Mai, Fest des heiligen Josefs, des Arbeiters: Eine Gesellschaft, die keine würdige Arbeit gibt und die Arbeitnehmer ausnützt, handelt gegen den Willen Gottes. Das Vorbild der ‚Ikone Gottes, des Arbeiters’. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Die Gesellschaft ist nicht gerecht, wenn sie nicht allen eine würdige Arbeit bietet. Dies erklärte Papst Franziskus in seiner Predigt bei der heiligen Messe am 1. Mai, Gedenktag des heiligen Josefs, des Arbeiters. An der Eucharistiefeier in der Kappelle des vatikanischen Gästehauses „Domus Sanctae Marthae“ nahmen einige Minderjährige sowie ledige Mütter teil, die vom Zentrum „Il Ponte“ betreut werden. „Il Ponte“ besteht seit dem Jahr 1979 in Civitavecchia. Der Präsident der Vereinigung, Don Egidio Smacchia, gehörte zu den Konzelebranten.

Im Evangelium vom Tag (Mt 13,54-58) werde Jesus „Sohn des Zimmermanns“ genannt. Josef sei ein Arbeiter gewesen und Jesus habe von ihm das Arbeiten gelernt. In der ersten Lesung (Gen 1,26 – 2,3) sei zu lesen, dass Gott arbeite, um die Welt zu schaffen. Diese „Ikone des Gottes und Arbeiters“ sage uns, dass die Arbeit etwas mehr sei als der alleinige Erwerb des Lebensunterhaltes.

„Die Arbeit gibt uns die Würde!“, so der Papst: „Wer arbeitet, besitzt eine besondere Würde, eine Würde als Person: der Mann und die Frau, die arbeiten, sind würdig. Diejenigen dagegen, die nicht arbeiten, besitzen diese Würde nicht. Doch es gibt so viele, die arbeiten wollen und dies nicht können. Das ist eine Last für unser Gewissen, denn: wenn eine Gesellschaft derart geordnet ist, dass nicht alle die Möglichkeit zur Arbeit haben, mit der Würde der Arbeit ‚gesalbt’ zu sein, dann ist mit dieser Gesellschaft etwas nicht in Ordnung: sie ist nicht gerecht! Es geht dies gegen Gott selbst, dessen Wille es war, dass unsere Würde mit der Arbeit anhebe!“.


Weder die Macht noch das Geld noch die Kultur gäben die Würde: „Nein!... Die Würde gibt uns die Arbeit!“. Viele sozialen, politischen und wirtschaftlichen Systeme träfen heute eine Entscheidung, welche die Ausbeutung der Person bedeute: „Nicht das Rechte zahlen, keine Arbeit geben, weil man nur auf die Bilanzen des Unternehmens schaut, weil man nur darauf achtet, wie viel Profit gemacht werden kann. Das geht gegen Gott!“

Franziskus rief einen Artikel aus der vatikanischen Zeitung „L’Osservatore Romano“ in Erinnerung, der ihn am Tag der Tragödie in Bangladesh beeindruckt habe: „Leben mit 38 Euro im Monat“: „Das war der Lohn der Menschen, die gestorben sind... Und so was heißt ‚Sklavenarbeit’“. Heute gebe es in der Welt diese Form der Sklaverei, „die mit dem Schönsten getrieben wird, was Gott dem Menschen gegeben hat: die Fähigkeit, etwas zu schaffen, zu arbeiten, daraus eine Würde zu machen. Wie viele Brüder und Schwestern in der Welt befinden sich in dieser Situation, verschuldet durch diese wirtschaftlichen, sozialen, politischen Haltungen!“.

Der Papst zitierte einen mittelalterlichen Rabbiner, der seiner jüdischen Gemeinde die Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt habe. Damals seien die Mauersteine sehr wertvoll gewesen. „Wenn ein Mauerstein irrtümlich herabfiel, so war das ein schreckliches Problem, ein Skandal: ‚Schau, was du da angestellt hast!’ Fiel jedoch einer derer herab, die den Turm bauten: ‚Ruhe in Frieden!’. Der Mauerstein war wichtiger als die Person. Das ist es, was jener mittelalterliche Rabbiner erzählte, und das geschieht jetzt! Die Menschen sind weniger wichtig als die Sachen, die Profit für jene abwerfen, die die politische, soziale, wirtschaftliche Macht besitzen. An welchem Punkt sind wir angelangt? An dem Punkt, dass wir uns dieser Würde der Person nicht mehr bewusst sind, dieser Würde der Arbeit. Heute aber lehren uns die Gestalten des heiligen Josefs, Jesu, Gottes, die arbeiten – das ist unser Vorbild –, den Weg, um zur Würde zu gelangen“.

„Heute können wir nicht mehr sagen, was der heilige Paulus sagte“, so Franziskus zum Schluss: „‚Wer nicht arbeiten will, soll nicht essen’, sondern wir müssen sagen: ‚Wer nicht arbeitet, hat die Würde verloren!’, weil er keine Möglichkeit zu arbeiten findet“. Mehr noch: „Die Gesellschaft hat diese Person ihrer Würde beraubt!“. Es sei gut, die Stimme Gottes zu vernehmen, als er sich an Kain gewandt und ihm gesagt habe: „Kain, wo ist dein Bruder?“. Heute „hören wir dagegen diese Stimme: ‚Wo ist dein Bruder, der keine Arbeit hat? Wo ist dein Bruder, der unter dem Joch der Sklavenarbeit steht?’ Beten wir für alle Brüder und Schwestern, die sich in dieser Lage befinden. Amen!“.


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