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Kommt ein neuer ‚zweiter Mann’ im Staatssekretariat?

29. April 2011 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Der Apostolische Nuntius in Kuba, Erzbischof Giovanni Angelo Becciu, soll Nachfolger von Erzbischof Fernando Filoni als Substitut im Staatssekretariat werden. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Nach italienischen Presseberichten steht für den Mai eine wichtige Neubesetzung im Staatssekretariat bevor. Erzbischof Fernando Filoni (65), Substitut und zweiter Mann nach Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, soll zum Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker („Propaganda Fide“) ernannt werden. An seine Stelle soll an einen der wichtigsten Posten der römischen Kurie der bisherige Nuntius in Kuba, Erzbischof Giovanni Angelo Becciu (62), berufen werden.

Becciu stammt aus Sardinien (Diözese Ozieri) und wurde 1972 zum Priester geweiht. Seit 1984 arbeitet er im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls und war an Nuntiaturen in Afrika, Neuseeland, Großbritannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten tätig. 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Nuntius in Angola, wo er im März 2009 in Luanda Papst Benedikt XVI. während seiner Afrikareise empfing. Vier Monate später ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Nuntius in Kuba. Dort begleitete er den Machtwechsel von Fidel Castro zu dessen Bruder Raúl und setzte sich dabei besonders für die Achtung der Religionsfreiheit ein. Der Nuntius erreichte ebenso einen Zugang zu den Medien seitens Vertretern der Kirche. Auch der Bau von neuen Kirchen sowie die Einreise von Missionaren in das Land wurden erleichtert


Der Substitut nimmt im Staatssekretariat eine Schlüsselposition ein. Seine Figur vereint in sich die Aufgaben eines „Innenministers“ und des „Chefs des Bundeskanzleramts“. Er leitet die
Sektion für die Allgemeinen Angelegenheiten (auch „Erste Sektion“ genannt), welche die größte Abteilung des Staatssekretariates ist. In deren Aufgabenbereich fallen die regelmäßige Korrespondenz mit den Nuntiaturen sowie die Kontakte mit den Diplomaten anderer Nationen. Daneben steht er in direktem Dienst des Papstes, kümmert sich um die Kommunikation zwischen den verschiedenen Dikasterien der Kurie, die Korrespondenz des Papstes, die Archive und ist verantwortlich für die Texte des Papstes sowie deren offiziellen Übersetzungen. Zu den Aufgaben des Substituten gehört auch die „Personalpolitik“ des Heiligen Stuhls an den Nuntiaturen und in der Kurie. Er ist verantwortlich für das Protokoll bei Staatsbesuchen und vor dem Staatssekretär der Letztverantwortliche für die vatikanischen Kommunikationsmittel- und formen.

Der Substitut hat direkten Zugang zum Papst und trifft sich oft mit ihm, um ihn über die verschiedenen Angelegenheiten zu informieren. Er begleitet den Papst bei allen Reisen im In- und Ausland und ist in allen Bereichen die Vermittlungsstelle zwischen dem Willen des Papstes und den anderen Einrichtungen.

Dem größeren Publikum bekannt ist der heutige Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, Leonardo Kardinal Sandri, der von 2000 bis 2007 das Amt des Substituten inne hatte. In den letzten beiden Jahren des Pontifikats Johannes Pauls II. war er zur „Stimme des Papstes“ geworden: Er verlas unter anderem auch den sonntäglichen Angelus und die Predigten Johannes Pauls II., als die gesundheitliche Schwäche den Papst immer mehr beeinträchtigte. Der damalige Erzbischof Sandri war es auch, der der Welt am 2. April 2005 die Nachricht vom Tod Johannes Pauls II. übermittelt hatte.


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