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Nigerianischer Bischof: Religion nicht instrumentalisieren

2. Juni 2010 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Bischof Onaiyekan: Um die vorkommenden Kämpfe zwischen Christen und Muslimen einzudämmen, bedürfe es eines interreligiösen Dialogs des gegenseitigen Respekts. Prälat Obiora Ike: Religion meist nicht Ursache für Streit


Abuja (kath.net/KIN) Mit Blick auf die wiederholt auftretenden gewalttätigen Konflikte zwischen Christen und Muslimen in seinem Land hat der Erzbischof der zentralnigerianischen Stadt Abuja, John Onaiyekan, vor einer Instrumentalisierung der Religion gewarnt. Bei einer Veranstaltung des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in der Akademie Klausenhof in Hamminkeln-Dingden (Kreis Wesel) sagte er, dass das bürgerliche Strafrecht für alle Nigerianer gleich gelte und darüber hinaus in bestimmten Regionen des Landes kein weiteres bestehen sollte.

Nach Angaben von „Kirche in Not“ ist in zwölf Bundesstaaten im Norden Nigerias die Scharia, das religiös begründete Gesetz des Islam, eingeführt worden. Der Bischof sagte, dass die nigerianische Bischofskonferenz die Einführung der Scharia zwar als Gewohnheitsrecht respektiere, aber als eine allgemeingültige Gesetzgebung für alle Einwohner Nigerias ablehne.


Der Anteil der christlichen und muslimischen Gläubigen in dem afrikanischen Land ist laut „Kirche in Not“ mit jeweils 70 Millionen ähnlich groß. Aufgrund der hohen Geburtenrate im Land wachsen sowohl das Christentum als auch der Islam.

Während der vergleichsweise wohlhabende Süden Nigerias mehrheitlich christlich geprägt ist, leben Muslime vor allem im Norden des Landes. In Zukunft müsse man daher an einem starken, gemeinsamen Nigeria arbeiten, betonte Erzbischof Onaiyekan. Er verglich die Situation mit siamesischen Zwillingen: Wenn man sie gewaltsam voneinander trenne, stürben beide.

Um die immer wieder vorkommenden teilweise gewalttätigen Kämpfe zwischen beiden Religionsgruppen einzudämmen, bedürfe es eines interreligiösen Dialogs des gegenseitigen Respekts. Erzbischof Onaiyekan berichtete, dass dieser höchste Priorität in Nigeria habe, da es in keinem anderen Land der Welt eine ähnliche Situation mit fast gleich großen christlichen und muslimischen Bevölkerungsanteilen gebe. In der Ausbildung von Priestern und Katecheten werde daher besonders auf die Information über die anderen Religionen geachtet. Seit neun Jahren gebe es auch einen interreligiösen Rat, in dem Christen und Muslime über gemeinsame Ziele diskutierten.

Auch wenn man bereits vieles erreicht habe, sei man weiterhin auf die Hilfe der internationalen Gesellschaft und Hilfswerke angewiesen, betonte Prälat Prof. Obiora Ike aus der südnigerianischen Stadt Enugu. Trotz des Erdölreichtums im Land gebe es viele arme Menschen. Man brauche weiterhin die Unterstützung vor allem beim Aufbau der Entwicklungshilfe und Infrastruktur sowie bei Gesprächen zur sozialen Gerechtigkeit.

Prälat Ike kritisierte die teilweise nicht korrekt wiedergegebene Berichterstattung der westlichen Medien über das Verhältnis von Muslimen und Christen in Nigeria. Ein oft aus privaten Gründen entstandener Streit zwischen Gläubigen beider Religionen werde zu einem Religionskonflikt hochstilisiert. In Wirklichkeit sei das Verhältnis der Gläubigen beider Weltreligionen im Alltag überwiegend friedlich. "Es geht nicht um eine religiöse Identität, sondern um die Menschen insgesamt", sagte Ike. Schließlich sei auch dem Islam die Achtung des Menschen und der Gerechtigkeit sowie der Respekt für die Schöpfung wichtig.

In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu heftigen, oft blutigen Konflikten zwischen Christen und Muslimen, vor allem rund um die zentralnigerianische Stadt Jos. Dabei kamen bereits mehrere hundert Menschen ums Leben.

Nigeria ist mit 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Christen und Muslime bilden etwa gleich große Bevölkerungsgruppen. Etwa vierzig Prozent der 70 Millionen Christen sind katholisch.

Foto: (c) Kirche in Not


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