Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  2. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  3. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  6. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  7. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  8. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  9. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  10. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  11. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen
  12. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  13. Eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts!
  14. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  15. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"

‚Schuld und Sünde überall – aber nicht bei sich selbst’

13. Dezember 2008 in Buchtipp, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Exklusiv auf Kath.net im Dezember: Leseprobe aus dem Buch "Sinn und Glück" von P. Karl Wallner.


Linz/Wien (www.kath.net)
Die Therapie

Wir brauchen die Beichte, um uns die Freude zurückzuerobern! Der genannte Brauch des „Risus paschalis“ ist eine Art historischer Beweis, denn das liturgische Osterlachen entstand zu einer Zeit, in der sich die Beichte in großem Stil als persönliche Bußform durchsetzte. Nach der Bußhaltung der Fastenzeit und nach der Mühe der Beichte machte sich dann zu Ostern gleichsam kollektiv und explosiv die fröhliche Atmosphäre der Erlösung Luft. Die Gemeinde lachte; sie lachte, weil die Gläubigen in ihrer eigenen Umkehr erfahren hatten, wie gut Gott ist und wie schön ein versöhntes Leben sein kann. Die Beichte ist die Therapie Gottes gegen jede Form der Frustration seiner Gläubigen.

Diese Therapie der seelischen Heilung setzt allerdings eines voraus: die Erkenntnis der Sünden und die Annahme dieser Sünden. Und das ist genau das, was uns heutigen Menschen nicht liegt: sich selbst – und damit seine Schwäche – anzunehmen! Von Anfang an liegt im Menschen die Sucht, gut dazustehen. In der Erzählung des Sündenfalls wird das äußerst illustrativ beschrieben: Es ist die Erzählung von der großen Ausrede. Adam schob die Schuld auf Eva: „Die Frau, die du mir beigesellt hast, die war es!“ Eva schob die Schuld auf die Schlange. Und es sind immer die anderen schuld. Die Folge der Ursünde ist der Hochmut, seine Fehler nicht eingestehen zu wollen.

Das Abschieben von Negativem auf andere ist heute zu einer umfassenden gesellschaftlichen Mentalität geworden. Die Frankfurter Schule in den 60er-Jahren propagierte die „Kritikfähigkeit“ als höchstes Ideal des selbstbefreiten Menschen.
Gemeint war natürlich immer: Kritisch-Sein gegenüber dem anderen, nie gegenüber sich selbst. Und kritisch sind wir wirklich geworden! Kritisch gegenüber allem und jedem, solange es der andere ist. Auf diese Weise wurde die Blindheit gegenüber den eigenen Fehlern gefördert. Immer haben die anderen Schuld. Wie oft erleben Seelsorger, dass es bei Ehekrisen offensichtlich nur noch die Schuld „des anderen“ gibt.
Wie ungeniert, ja schamlos, lässt man sich in übelster Weise in anonymisierten Internetforen über die Verantwortungsträger in Welt und Kirche aus: Schuld und Sünde überall – aber nicht bei sich selbst. Würde das Schuldbekenntnis der Messe diesem Trend angepasst werden, dann müsste man statt dem „mea culpa“ formulieren: „tua culpa, tua culpa, tua maxima culpa“: durch deine Schuld, durch deine Schuld, durch deine große Schuld…


Damit geht eine tragische Charakterverformung einher, die Jesus mit den Worten entlarvt hat: „Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, das Brett aber vor deinem eigenen Kopf bemerkst du nicht“ (vgl. Mt 7,3). Das eigene Ich stilisiert sich in dem Maß zur obersten Bewertungsinstanz der anderen hoch, wie es zugleich unfähig wird, sich selbst realistisch einzuschätzen. Das „Ego“ wird nicht nur blind gegenüber sich selbst, es setzt sich auf den Thron der Selbstgefälligkeit und wartet auf seine Anbeter. Doch alle anderen sitzen ebenfalls auf ihren Thronen, sodass niemand da ist, der dieses Ich anzubeten bereit wäre. In Ermangelung fremder Wertschätzung bleibt dem egozentrischen Menschen nichts anderes übrig als einen Minderwertigkeitskomplex zu entwickeln.

Merkwürdig: man sollte eigentlich davon ausgehen, dass die Menschen, die keine eigenen Fehler mehr kennen, glücklich und zufrieden wären. Es sind ja doch immer nur die anderen schuld. Das eigene Ich müsste dabei doch eigentlich fein herauskommen. Aber nein, die Menschen sind unzufriedener und neurotischer als je zuvor. Warum? Weil hier ein zerstörerischer Mechanismus waltet! Johannes hatte diese Dämonie beim Namen genannt. Er sprach von Lüge und Selbstbetrug: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1 Joh 1,8).

So gerät der kritisch-gewordene Egozentriker in Nöte und Lebensängste. Und gerade hier schließt sich der Circulus vitiosus, der Kreislauf der Perversion: Denn gerade hier raten manche Psychotherapeuten dem über die Welt und sich selbst frustrierten Menschen nichts anderes, als dass er sich in seinen Beklemmungen und Minderwertigkeitsgefühlen immer nur suggerieren solle: „Ich bin gut, ich kann alles, ich bin stark, ich bewältige alles, ich bin der Beste usw.!“ Eine fatale Therapie, denn keine vordergründige Suggestion kann die hintergründige Last der Sünde und der Unordnung jemals heilen.

So wird man nicht frei, sondern der über die Welt Frustrierte gerät immer tiefer in die Gefangenschaft des eigenen Ichs. Er wird immer trauriger und verzagter. Doch es gibt Heilung. Bruder Ephraim, der Gründer der lebendigen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, trifft den Punkt, wenn er formuliert: „Das Problem ist, dass der Mensch sein eigenes Herz nicht kennt. Oder vielmehr, dass er dunkle Bereiche vor sich selbst verbirgt, die seine Seele verwüsten, die er aber als verborgene Schuld beibehält.“ Man könnte das alte Sprichwort zitieren: „Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung.“ Die ehrliche Selbsterkenntnis, das Annehmen der eigenen Begrenztheit und Fehlerhaftigkeit ist eine große Gnade!
Damit soll jedoch die Behandlung durch Psychiater und Psychotherapeuten in keiner Weise abgewertet werden. Es gibt psychische Erkrankungen wie z. B. Depressionen, Neurosen, Psychosen usw., bei denen unbedingt ein Fachmediziner zu Rate gezogen werden muss. Die Priester sollten entsprechend ausgebildet sein, dass sie erkennen, ob eine psychotherapeutische Behandlung notwendig ist. Aber die Psychotherapie kann die Seelsorge nicht ersetzen. Anders als im bloßen therapeutischen Gespräch oder in der neuromedizinischen Behandlung wirkt in der sakramentalen Beichte eine Kraft heilend und vergebend: Gott!


Sinn und Glück im Glauben
Karl Josef Wallner
13,5 x 20,5 cm, gebunden, 176 Seiten
€ 15,40 oder CHF 27,50


Alle Bücher und CDS können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der
Buchhandlung CHRIST-MEDIA (Auslieferung Österreich und Deutschland) und der
RAPHAEL Buchversand (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die
anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den
jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch nur Inlandportokosten.

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Für Bestellungen aus der Schweiz:
[email protected]


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Philosophie

  1. „Als katholischer Christ und als Hochschullehrer macht mich dieser Vorgang tief traurig“
  2. ,Die Geschichte des Westens ist eine Geschichte des Mutes‘
  3. Gibt es eine Vielfalt der Geschlechter? – Versuch einer Orientierungshilfe
  4. „Deutschlandfunk“ interviewt Philosophen Markus Gabriel: „Das Böse nimmt spürbar zu“
  5. „Selbstrechtfertigung seiner sündhaften Leidenschaften“
  6. Vom Verstummen der Wahrheit in der Schweigespirale
  7. "Im Aschenputtel lebt das Magnificat"
  8. Wider die Abdankung des Denkens
  9. R. I. P. Robert Spaemann
  10. Die Stunde der Propheten






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  5. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  6. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  7. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  8. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  9. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  10. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  11. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  12. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  13. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  14. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  15. "Ich glaube, dass Gott das erste Selfie geschossen hat.“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz