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| ![]() Bekenntnisse eines Warmduschersvor 5 Stunden in Kommentar, 3 Lesermeinungen Kalt-Duschen für Jesus - Ein 90 Tage dauernde Askese-Übung - Gedanken aus dem Auenland von Nikolaus Lobkowicz Prag (kath.net) Als ich mich vor drei Jahren Anfang Dezember zum ersten Mal entschieden hatte, an etwas teilzunehmen, was so final klingt, wie es martialisch anmutet, war es so, als hätte ich mir tatsächlich selber Weihnachten verdorben. Und Silvester. Das damals ab dem 1. Januar beginnende Exodus-Programm ist eine 90 Tage dauernde Askese-Übung. Man verzichtet komplett auf Alkohol, Süßigkeiten, Zwischenmahlzeiten, jegliche mediale Beschallung usw. Man fastet regelmäßig und man duscht kalt. Jeden Morgen. So kalt es die Dusche hergibt – und bei uns ist es im Januar wirklich sehr, sehr kalt. Also schmauste ich an jenem Weihnachten bewusst noch mehr Kekse als sonst. An Silvester blieb ich vor allem deswegen wach, um kurz vor Mitternacht noch einen dreifachen Whiskey zu kippen. Zwischen den Jahren hatte ich mir noch ein paar Filme angeschaut, die derart bescheuert waren, dass ich sie ohne die sich am Horizont drohende Exodus-Wolke auch nur in Erwägung gezogen hätte. Meine ganze präventive Prasserei wurde von ständigen Warmduscher-Angstphantasien begleitet: Kann man sich denn überhaupt richtig waschen, wenn man nur kalt duscht? Wie hält man das aus? Und wenn ich Schnupfen habe? Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass mir diese Sorgen damals einige schlaflose Nächte bereitet haben – und ich bin mir durchaus bewusst, wie absurd das ist. Warum mache ich das Ganze bloß, wollte ich von mir selber wissen. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus Abenteuerlust und der diffusen Hoffnung, dass mir diese Sache irgendwie dabei helfen würde, mein sich damals recht seicht anfühlendes Glaubensleben neu zu entfachen. Und so ging es also am 1. Januar los. Was ich damals noch nicht ahnte, war, dass es letztlich ein ganz anderer Aspekt an Exodus 90 sein würde, der mir, dem frommen Nikolaus, noch viel schwerer fallen würde als kalte Duschen. Denn an kalte Duschen gewöhnt man sich in Wahrheit recht schnell, und das Hochgefühl danach entschädigt einen reichlich für alle erlittenen Schmerzen (Haare waschen! …). Was mich, den angeblich so frommen Nikolaus, besonders hart anging, war die sogenannte „Holy Hour“, die tägliche Stunde stillen Gebets, die fixer Bestandteil jedes der 90 Exodus-Tage ist. In dieser Zeit kann man natürlich auch ein bisschen Bibel lesen, um „etwas zu tun“ … aber sobald es an das „einfach nur da sein“ geht, die sogenannte „Kontemplation“, ist man auf einmal tatsächlich allein mit seinem ganzen Gedankenchaos und mit Gott. Wie redet man eigentlich noch mal mit Gott? „Ja, äh, hallo auch.“ Oder eher: „Großer, erhabener Gott, Schöpfer von allem …“ Schwall, Schwall … oder vielleicht doch eher gar nichts denken?! „Gar nichts, gar nichts, gar nichts …“ Oder rattert man einfach einen Rosenkranz nach dem anderen runter, bis man „es hinter sich hat“? Es, also dieses (zumindest für mich) oft fast unerträglich schwierige „einfach anwesend sein“ vor Gott. Wenig ist erst mal so brutal entblößend für mich, wie viel Zeit mit und vor Gott zu verbringen – ohne irgendwas zu lesen, zu sagen oder zu tun. Aktiv einzutreten in diese erwartungsvolle Passivität, da, wo jeder Schmäh zerbröselt und aller Schein erstickt. Für mich ist vor Gott sein nicht immer angenehm. Anders als mit den meisten anderen Menschen, inklusive mir selbst, kann ich Gott nichts vormachen. Und die ganzen guten Gründe, aus denen ich das gewisse äußere Theater mitunter auch verinnerlicht habe, stechen mir während dieser exklusiven Zeit mit Gott in den Rücken wie eine harte Feder in der Matratze. Schon spannend – sonst verwende ich alle meine nicht unerhebliche Kunst darauf, genau diese Gründe vor der ganzen Welt und vor allem mir selbst zu verstecken. Im Grunde tue ich so, als glaubte ich mir selber, dass „es eh wurscht“ ist – sprich, dass ich über den Dingen stehe. Das ist meine Fassade, mit der ich ständig unterwegs bin, die ich zum Teil virtuos einzusetzen gelernt habe und deren Anforderungen an mich und Behauptungen über meine Identität ich willfährig gehorche und glaube. Und dann setze ich mich freiwillig in diese brutal entlarvende Stille hinein, in der erst mal alles in mir fast unerträglich laut wird, und lasse mich und meine vielen Gründe, aus denen meine Fassade letztlich gebaut ist, von Gott anschauen. Für mich persönlich als Erfahrung während der ersten zwei Wochen vor allem unangenehm. Immerhin habe ich meine Gründe – ohne die wäre ich ganz nackt vor Gott, eine Vorstellung, die mir vor allem am Anfang sehr unangenehm ist. Gott hingegen scheinen meine Gründe entweder nicht sehr zu beeindrucken oder sie interessieren ihn einfach nicht, so genau kann ich das nicht sagen. Dass Gott nicht sehr beeindruckt von meinen Gründen ist, veranlasst mich wiederum, ein bisschen beleidigt zu sein – ich hätte schon irgendwie erwartet, dass ihn meine (sehr, sehr guten!) Gründe etwas mehr in Bewegung setzen würden; dass er dann aber so gar nicht reagiert, triggert mich in genau jenem (mir Scham verursachenden) Bedürfnis nach Anerkennung, das ja wiederum auch genau so einer meiner gewissen Gründe ist. Das müssen wir erst mal klären, Gott und ich, sage ich mir. Und ich habe recht – Gott klärt das tatsächlich mit mir. Der Lärm in mir kommt mit der Zeit immer mehr zur Ruhe. Die Pädagogik des väterlichen Ursprungs aller Ideen beginnt langsam, aber durchaus machtvoll zu wirken, und manchmal spüre ich sogar ein bisschen was von seiner unbegreiflichen Begeisterung darüber, dass ich ihm in dieser Weise Zeit mit mir schenken will. Die Demut Gottes ist erschütternd. Meine Frau findet, ich sei „anders“, und meint das als Kompliment. Die kalten Duschen sind ein Kinderspiel gegen die Holy Hour, in der ich – unter anderem – mehr und mehr verstehen lerne, warum Judas Jesus verraten hat. Der hatte auch lauter Gründe. So wie ich. Ich wäre viel lieber wie Johannes, der immer von sich selbst sagt, er sei „der Jünger, den Jesus liebte“. Ein weiteres Thema, das Gott nach und nach mit mir klärt. So in etwa sieht mein erster Exodus-90-Monat aus. Dem Himmel sei Dank für Jamie Baxter, Pater Boniface Hicks, Bischof Erik Varden und vor allem die anderen Männer, mit denen ich gemeinsam auf der Flucht aus unseren jeweiligen inneren Ägyptens bin – hin zu einer, für mich zunächst sehr vagen, Vorstellung von einem „gelobten Land“. Gegen Ende der 90 Tage bin ich diesem gelobten Land tatsächlich irgendwie etwas näher gekommen. Dem Land, in dem ich frei von meinen Gründen bin. Ich bin da nicht alleine hingekommen, wohlgemerkt, sondern Schulter an Schulter mit den anderen Exodus-Jungs. Gemeinschaft ist ein Exodus-Schlüssel, vielleicht sogar wichtiger als die Askese. So eine 90 Tage lange Reise zu machen, das schweißt schon zusammen. Da lernt man sich ganz gut kennen – und zwar vor allem ab dem Moment, an dem alle anfangen, wirklich ehrlich zu werden. Wenn die Fassaden, die aus lauter guten Gründen gebaut sind, anfangen zu bröckeln. Dann wird die Verwundbarkeit der anderen einem selbst zum Geschenk – und zur Waffe gegen die eigene Versuchung, die einem immer wieder die vollen Fleischtöpfe der Sklaverei vor Augen führt und einen an die allzu wichtigen Gründe erinnern will. Exodus 90 ist eine im ur-schöpferischen Sinne sehr männliche Erfahrung. Ein echtes Abenteuer, vielleicht mehr, als es gewisse reale Reisen je sein könnten. Eine Übung, die dem, der sich darauf einlässt, zeigen kann, dass er viel mehr kann und aushält, als er dachte. Wenn man sich darauf einlässt, kann man echte Qualität erfahren, im Erleben Gottes aus der Askese und in der Gemeinschaft – Communio. Exodus ist nicht zuletzt eine Übung, die einen ein Stück weit auf das vorbereiten will, was dann im eigentlichen gelobten Land auf einen wartet: Riesen. Nikolaus Lobkowicz lebt mit seiner Familie in Tschechien. Seit Oktober 2025 erscheint seine neue Kolumne "Gedanken aus dem Auenland" regelmäßig auf kath.net.
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