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Vor allem zum Nachbarn, der dich nervt

17. Juni 2024 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Die Realpräsenz Jesu braucht unsere Präsenz: US-Bischof Michael Martin über moderne Technologien und die Herausforderung, real da zu sein für Menschen. Von Petra Knapp.


Charlotte (kath.net / pk) „Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man in die Kirche kommt: Man ist entweder ein Gast oder ein Gastgeber. Zu viele Menschen kommen als Gäste in die Kirche. Wonach suchen die Gäste? Eine kostenlose Mahlzeit. Einen schönen Platz zum Sitzen. Sie werden die Messe später bewerten - Sie wissen schon, mit einer App, die sagt, ob es eine gute Erfahrung war oder nicht.“

Das sagte der neue Bischof von Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) Michael Martin OFM Conv. in seiner Predigt zum Fronleichnamsfest, die das „National Catholic Register“ dokumentierte.

Heute sei nicht das Problem, dass Jesus präsent sei, sondern. „Wir sind es, die weniger wirklich gegenwärtig sind.“ Die modernen Technologien hätten diese Tendenz beschleunigt. „Viele von uns sind so verwöhnt worden, dass sie schnell und einfach Inhalte, schnelle und einfache Kommunikation und schnelle und einfache ,Pseudo‘-Präsenz brauchen“, bemerkte der Bischof.

„Wir alle denken, dass wir uns nicht die Zeit nehmen müssen, etwas zu lernen, wenn wir es doch einfach googeln können. Wir müssen uns nicht die Zeit nehmen, jemanden zu besuchen, wenn wir doch eine SMS schreiben können. Wir müssen uns nicht die Zeit nehmen, uns mit jemandem zu treffen, wenn wir eigentlich nur wissen wollen, was er gerade macht und was in seinem Leben vor sich geht...“


„Ich versuche nicht, die Kultur zu ändern, aber ich stelle fest, dass die Kultur uns verändert hat. Wir müssen innerhalb dieser Kultur Wege finden, um nicht zuzulassen, dass diese Veränderung dazu führt, dass wir weniger präsent für unseren Herrn und füreinander sind.“

Präsenz bedeute, gemeinsam mit anderen dem Herrn zu folgen. „Damit wir wirklich gegenwärtig sein können, müssen wir in Gemeinschaft zusammen sein“, erklärte Bischof Martin. „Wir sind im Kern soziale Wesen. Wir müssen anerkennen, dass diese Präsenz nicht elektronisch reproduziert werden kann. Wir brauchen körperliche Nähe zueinander, um wirklich präsent zu sein.“

Echte Gegenwart bedeute auch Opfer zu bringen und vorbereitet zu sein.  „Zu oft tauchen wir als Gläubige einfach auf“, beklagte der Bischof. „Wir bereiten uns nicht vor, und dann wundern wir uns, warum wir nicht an die Realpräsenz glauben. Die Arbeit des Glaubens erfordert Vorbereitung. Ich habe meinen Gemeindemitgliedern immer wieder gesagt, dass man nicht einfach auftaucht. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man in die Kirche kommt: Man kommt entweder als Gast oder als Gastgeber in die Kirche.“

Die Gastgeber wissen, „dass sie ein Geschenk erhalten haben und es mit anderen teilen wollen. Sie suchen nach Wegen, um den Menschen zu helfen, dieses Geschenk zu erleben, um ihnen zu helfen, wirklich präsent zu sein.“

„Sind Sie ein Gast oder sind Sie ein Gastgeber? Um ein Gastgeber zu sein, muss man sich vorbereiten, meine Brüder und Schwestern. Der Glaube ist harte Arbeit! Der Glaube an die Realpräsenz Jesu in der Eucharistie erfordert Vorbereitung – besonders für unsere Kultur, die sagt: ,Wenn ich es nicht sofort begreife, bin ich raus.‘“

Der Bischof stellte fest, „dass wir zu Konsumenten des Glaubens geworden sind. Wenn wir als Gäste dasitzen und entscheiden, ob wir glauben wollen oder nicht, dann sind wir nicht wirklich präsent.“ Die Realpräsenz Jesu sei nicht nur dazu da ist, „empfangen zu werden, nicht nur dazu, angebetet zu werden, nicht nur dazu, in einer Prozession herumgeführt zu werden“.

All das sind schöne Dinge, wunderbare Dinge, aber sie haben einen Zweck, erklärte Bischof Martin:  „Dass wir gemeinsam – nicht meine Realpräsenz, nicht Ihre Realpräsenz – sondern Seine Realpräsenz in die Welt da draußen bringen, die sie so sehr braucht; dass wir als vereinter Leib Christi die Frohe Botschaft zu denen bringen, die sie am meisten brauchen, vor allem zu den Armen und Ausgegrenzten, vor allem zu unseren Feinden, vor allem zu den Menschen, die wir abgeschrieben haben, vor allem zu dem Familienmitglied, mit dem Sie seit 15 Jahren nicht mehr gesprochen haben, vor allem zu dem Nachbarn, der Sie nervt.“


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