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Die Erklärung „Dignitas infinita“ gibt wichtige Impulse

15. April 2024 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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Es sollte in der Hand der katholischen Laien liegen, hieraus Diskussions- und Handlungsoptionen für die Politik zu entwickeln. Es gilt die Impulse der Erklärung zu vertiefen. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz-München (kath.net)

Zuerst einmal vorweg: Der Vatikan hat alles richtig gemacht mit seiner Erklärung zur Menschenwürde. Eine Einschränkung ist natürlich zu machen, denn eine Erklärung ist keine Enzyklika. Man kann in einem solchen Text nicht eine tiefe philosophisch-theologische Untermalung der Themen erwarten. Das würde dem Text nicht gerecht. Auch Vollständigkeit ist kein Anspruch den die Erklärung erheben könnte. Der Vatikan hat in „Dignitas infinita“ die großen Linien aufgezeigt und die Themen markiert, bei denen es zur Zeit brennt. Man könnte sagen, es sind jetzt ein paar Pflöcke eingeschlagen und es ist an uns, Fleisch ans Bein zu bekommen. Wie wäre es denn, wenn katholische Theologen, Philosophen und Staatsrechtler sich ans Werk begeben und Aufsätze zu den Themen von „Dignitas infinita“ veröffentlichen. Der Episkopat ist sicher herzlich willkommen dabei mitzuwirken. Das wäre eine Synodalität, die Früchte tragen könnte. Wir brauchen das jetzt dringender denn je, da uns markante Einschnitte in bioethischen und lebensrechtlichen aber auch in andere Fragen mit menschenrechtlicher bevorstehen. Die Würde des Menschen mag noch immer von der Verfassung geschützt sein. Die Aushöhlung dieses Verfassungsgutes hat jedoch längst begonnen.

Ein deutlicher Marker, dass das Dokument so schlecht nicht sein kann, ist die sofort einsetzende Kritik aus den deutschen Leitmedien. Der Papst ist gegen Abtreibung, gegen Leihmutterschaft und gegen Geschlechtsumwandlungen. Klar, bei den Ampelmännchen (m/w/d) der deutschen Buntenregierung – habe ich mich jetzt schon der Verächtlichmachung des Staates schuldig gemacht? Ja? Egal, dann mache ich jetzt auf Rowling, zeigt mich an! – also bei den Protagonist*glucks*innen von Gleichstellungsgesetzgebung und Recht auf Abtreibung und Zweiväterfamilien gehen natürlich die rotgrünen Alarmleuchten an. Auch das politische Europa sollte sich fragen, ob die Aufnahme eines frei erfundenen „Rechts auf Abtreibung“ in die Grundrechtecharta so eine gute Idee ist. Der Papst jedenfalls hat in dieser Frage mehrfach deutlich Stellung bezogen und pflegt in dem Zusammenhang eine Wortwahl, die sich kein deutscher Lebensschützer zutrauen würde.

Bezeichnend war die Reaktion des Nachrichtenportals katholisch.de welches zu „Dignitas infinita“ einen Verriss nach dem anderen veröffentlichte. Da das Portal im Auftrag der Bischöfe betrieben wird, wirkt das Lob des DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing für das Dokument eher putzig inmitten all der wortreich vorgetragenen vernichtenden Urteile. Das Schreiben des Papstes machte in den deutschen Medien eine solche Welle, dass man am selben Tag offensichtlich noch schnell ein von der Bundesregierung beauftragtes Kommissionspapier zu Neuregelung der Abtreibung leakte, um dem neuen vatikanischen Flaggschiff „Dignitas infinita“ den medialen Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Kommissionspapier wird übrigens heute offiziell veröffentlicht und wir dürfen uns auf so manche lebensrechtliche und bioethische Grausamkeit einstellen. Es bleibt abzuwarten, ob man wirklich gegen die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in Deutschland faktisch eine Fristenregelung etablieren wird oder die vorgeburtliche Tötung menschlichen Lebens gleich ganz aus dem Strafrecht streichen wird. Es wird spannend.


Ganz gleich in welche Richtung es geht, darf man auch sehr viel grundsätzlicher sagen, dass der deutsche Staat ganz offensichtlich seinen Kompass verliert. Ein Land, in dem ein Mensch einmal pro Jahr per Sprechakt sein Geschlecht ändern darf und das seinen Bürger verbietet auszusprechen, was sie sehen, geht das Risiko ein, seine Akzeptanz ganz grundsätzlich zu verlieren. Wer einen Mann erkennt, der eine Frau sein will, den Mann aber einen Mann nennt, ist mit einer hohen Geldstrafe bedroht. Es sei denn es ist Krieg, dann sind die Transfrauen schneller Männer mit Waffe in der Hand als sie „weiblicher Penis“ sagen können. Immerhin etwas. Wer wie die deutsche Regierung das Leben seiner Bürger weder vor Straftätern noch vor selbsternannten Sterbehelfern zu schützen mag, wer Müttern in Not bevorzugt die Tötung ihrer Kinder anbietet, wer Menschenhandel in Gestalt von Leihmutterschaft die Tür öffnet, spielt sehr ernsthaft mit seiner hoheitlichen Legitimität. Um diese dann zu schützen, werden Gesetze wie das „Demokratiefördergesetz“ erfunden, die dem Bürger die Kritik an der Regierung stark erschweren und alles Nichtlinke aus dem öffentlichen Diskurs zu verbannen drohen. Die Etablierung eines Netzwerkes von Denunziationsstellen macht dann auch die freie Meinungsäußerung im privaten Rahmen unmöglich. Eine starke Stimme der Kirche, die freie Rede zu schützen, wird nicht zu erwarten sein. Man hat zu viel damit zu tun, sich dem „Kampf gegen Rechts“ anzuschließen, der sich am Ende allerdings auch gegen die Kirche selbst wenden wird. Die Naivität der kirchlichen Protagonisten ist unerträglich. Zu kämpfen ist gegen jeglichen freiheitsfeindlichen Extremismus. Dazu gilt es alle freiheitlichen Kräfte zu sammeln. Leider zeigt sich die Kirche in Deutschland auch hier als Totalausfall.

Die hier willkürlich gewählten Beispiele zeigen, wie gut und wertvoll die Erklärung aus dem Vatikan ist. Katholiken haben nicht nur die Möglichkeit, sich öffentlich darauf zu berufen und klarzustellen, dass sie sich Maßnahmen gegen die Würde des Menschen niemals beugen werden und damit den Papst im Rücken haben. Für die Kirche in Deutschland bedeutet dies viel Arbeit an der Einheit, denn die Spaltungen reichen tief. Nun wird es sich scheiden zwischen papsttreuen Katholiken und den Franzsikusgroupies. Viele haben einen Franziskus bejubelt, den sie sich selber erfunden haben. Viele Katholiken haben in den vergangenen Jahren immer wieder den Papst für einzelne Aktionen kritisiert, manches zu Recht, einiges vielleicht zu schnell oder zu leichtfertig. Auch ein Leiden am Papst kann ein Aspekt von Treue zum Papst sein. Viele Impulse hat Franziskus der Kirche gegeben, die sich entwickeln müssen. Einige werden Bestand haben, andere nicht. Und es gibt wirklich ärgerliche Dinge. Das war auch bei früheren Päpsten so. Die Zeit von Pius IX. bis Benedikt XVI. zählt vielleicht zur außergewöhnlichsten in der Papstgeschichte. Das waren jeder für sich schon besondere Persönlichkeiten, die dem Petrusamt einen bestimmten Stempel aufgedrückt haben. Das Pontifikat des Mannes vom anderen Ende der Welt ist anders. „Dignitas infinita“ ist kein Solitär im Pontifikat von Franziskus, es ist ein Kompendium der Verkündigung des amtierenden Papstes und seiner Vorgänger in Fragen der Menschenwürde. Es ist ein über viele Jahre gereiftes Werk, um das im Vatikan hart gerungen wurde. Wie sich zeigt, hat es dem Dokument nicht geschadet.

Auch die Teilnehmer am Münchener Marsch für das Leben durften sich im Einklang mit dem Papst sehen, wenn sie für den Schutz des Lebens auf die Straße gehen. Dankbar konnten sie die Teilnahme von drei Bischöfen melden. Das ist gut. Aber Politik ist Weltdienst der Laien. Es wäre schön, wenn mehr Bischöfe teilnähmen oder sich klar äußerten, nötig ist das jedoch nicht. Mehr Selbstbewusstsein täte dem Lebensschutz gut, denn es gilt klarzustellen, dass eine Mehrheit der Menschen im Land grundsätzlich für den Schutz des menschlichen Lebens ist. Intuitiv erfasst jeder Mensch, dass die Tötung eines anderen Menschen niemals moralisch gut sein kann. Ebenso intuitiv erfasst jeder Mensch, dass im Körper einer schwangeren Frau ein zweiter Mensch lebt. Es ist einer jahrzehntelangen Propaganda zuzuschreiben, den logisch zwingenden Schritt, dass eine Abtreibung = die Tötung eines Menschen niemals moralisch gut sein kann, zu verweigern. Was ist das für ein Staat, der Menschen in Not nur den Tod anzubieten hat? Diese Frage gilt es, gemeinsam mit dem Papst, laut und vernehmlich zu stellen. Dass sich ein nominell katholischer Laienfunktionärsclub hier selbst diskreditiert, wenn seine Vorsitzende flächendeckende Möglichkeiten zur Kindstötung fordert, dürfte klar sein. Ebenso klar ist es, dass die sogenannte „Woche für das Leben“ inzwischen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Sie ist übrigens am vergangenen Samstag eröffnet worden und läuft gerade. Bemerkt hat das vermutlich niemand. Nach Ausstieg der EKD im kommenden Jahr könnte die DBK die Woche eigentlich an den Bundesverband Lebensrecht abgeben und sich auf die Finanzierung beschränken, doch das dürfte Wunschdenken bleiben. Eher wird man sie einschlummern lassen.

Die Kirche in Deutschland teilt in vielerlei Hinsicht die Schwäche des deutschen Staates. Sie hat ebenfalls ihren Kompass verloren und sie verliert sich weiterhin in ihrer synodalen Eigenrotation. Wir werden in den kommenden bundesweiten lebensrechtlichen und bioethischen Debatten – falls es sie überhaupt geben wird und nicht einfach alles debattenfrei durchs Parlament gepeitscht wird – nicht auf eine starke Stimme der Kirche hoffen. Bleibt zu hoffen, dass die von Laien ökumenisch getragenen Lebensrechtsverbände genügend Mobilisierungspotential haben, dann, wenn es ernst wird, eine hinreichend starke Stimme für das Leben zu sein. Der Bundesverband Lebensrecht wird am kommenden Samstag in Köln eine Fachtagung unter dem Thema „Grenzbereiche des Lebens – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ veranstalten. Das ist der richtige Weg. Der Dachverband der deutschen Lebensrechtsorganisationen könnte auf dem Weg zu einem „Thinktank des Lebens“ sein und gerne mehr Veranstaltungen machen und mehr publizieren. Es wäre eine große Hilfe für alle Menschen guten Willens.


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