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Botschafter vor Papstbesuch: "In Ungarn ist der Glaube sichtbar"

17. April 2023 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Diplomat Habsburg vertritt Budapest beim Heiligen Stuhl: "Wir leben bewusst Christentum seit 1.000 Jahren" - Ungarn ein Symbol für christliche Werte, für klassische Werte der Familie


Rom/Budapest  (kath.net/KAP) Papst Franziskus wird bei seinem Besuch in Ungarn Ende April in ein auch historisch stark christlich geprägtes Land kommen, in dem "der Glaube im öffentlichen Raum sichtbar ist". Das erklärte Budapests Botschafter beim Vatikan, Eduard Habsburg, in mehreren Interviews für verschiedene Sprachredaktionen des Onlineportals Vatican News. "Wir leben bewusst Christentum seit 1.000 Jahren", nahm Habsburg auf den heiliggesprochenen Staatsbegründer König Stephan (997-1038), aber auch die wechselvolle Geschichte Ungarns u.a. mit der Besetzung durch die Osmanen im 16. Jahrhundert oder dem kommunistischen Regime im 20. Jahrhundert Bezug. Es sei wichtig zu verstehen, "dass die Tatsache, dass wir heute ein religiöses Land haben, ein Land voller Christentum, ein Wunder ist", so der Diplomat.

"Wenn Sie heute nach Ungarn kommen, sehen Sie ein Land, in dem der christliche Glaube sichtbar ist", sagte der 56-jährige Botschafter, der Ungarn seit 2015 beim Heiligen Stuhl vertritt. Ungarn sei "stark christlich geprägt" und gelte in aller Welt als "Symbol für christliche Werte, für traditionelle Werte der Familie". Auch auf allen Ebenen der Regierung fänden sich von Ministerpräsident Viktor Orban und Staatspräsident Katalin Novak abwärts Menschen, denen der christliche Glaube wichtig sei. "Wir haben ein Land, das keine Angst davor hat, Religion und Glauben in der Öffentlichkeit zu zeigen", hielt Habsburg fest. "Wir haben eine klare Trennung zwischen Kirche und Staat, wie sie heutzutage immer üblich ist, aber Kirche und Staat arbeiten zusammen." Gleichzeitig würden auch andere Religionsgemeinschaften von der Regierung stark unterstützt. "Wir haben eine der blühendsten jüdischen Gemeinden Europas", so der Botschafter.


Warum Papst Franziskus nach September 2021 nun ein zweites Mal nach Budapest kommt, darüber wolle er nicht öffentlich spekulieren, sagte Habsburg. Bei dem damals nur siebenstündigen Besuch für die Abschlussmesse des Eucharistischen Weltkongresses habe der Papst aber "gespürt, dass die Ungarn ihn wirklich lieben, mit ihren Herzen ihm entgegenfliegen". Über den neuerlichen Besuch seien die Ungarn "unglaublich dankbar". Franziskus habe auch etliche persönliche Bezüge zum Land. Noch als Erzbischof von Buenos Aires besuchte Jorge Bergoglio etwa mehrfach ein Mary-Ward-Kloster in Platanos unweit der argentinischen Hauptstadt, in dem auch Ordensfrauen lebten, die 1956 nach der kommunistischen Machtübernahme aus Ungarn geflohen waren, erinnerte Habsburg.

In seinen Ansprachen werde Franziskus die Ungarn ermutigen, "ihren Glauben weiter zu leben", sagte Botschafter Habsburg zu den möglichen Themen der Papstreden. Vorstellbar sei auch, dass sich das Kirchenoberhaupt zum Einsatz Ungarns für Familien äußert und dazu ermutigt, sich für den Nächsten und Menschen am Rand der Gesellschaft einzusetzen. Mit Blick auf den Krieg im Nachbarland Ukraine werde der Papst zudem "sicher über Frieden sprechen", so der Botschafter weiter.

Krieg im Nachbarland

Habsburg verwies auf die rund 150.000 Menschen umfassende ungarische Minderheit in der Ukraine, die den Krieg hautnah miterlebe. "Vielleicht erklärt das auch ein bisschen, warum sich Ungarn konsequent von Anfang an eingesetzt hat für den Frieden hier und im Moment aktuell auch die Forderung hat: Waffenstillstand so schnell wie möglich und Friedensverhandlungen so schnell wie möglich." Ungarns Position sieht der Botschafter in diesem Punkt deckungsgleich mit Papst Franziskus, "Und das ist eine Stimme, die in Europa im Moment selten geworden ist."

Mit der Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine laufe in Ungarn "die größte humanitäre Aktion in der Geschichte" des Landes, sagte Habsburg. Rund eine Million Vertriebe seien seit Kriegsbeginn versorgt worden und viele Ungarn seien bereit gewesen, zu helfen. Jene Ukrainer, die bleiben wollten, würden auch ganz aufgenommen. Habsburg nannte dazu die Zahl von derzeit rund 30.00 Menschen. Viele andere seien in an andere Länder gegangen: "Das war ihre Entscheidung."

Kritische Anfragen zur Asyl- und Migrationspolitik Ungarns wies Habsburg zurück. "Wir haben nur ein Problem mit der illegalen Migration und tun an allen anderen Fronten, was wir können." Der Botschafter verwies damit u.a. auf Initiativen wie die Aktion "Hungary helps" für bedrängte Christinnen und Christen im Orient. Ungarn versuche Menschen zu helfen, die in ihren Ländern bleiben wollen, "anstatt sie auf schreckliche Reisen zu schicken und sie dem Menschenhandel auszuliefern". Der Papst sei sich dessen bewusst, zeigte sich Habsburg überzeugt.

Zu politischen Spannungen mit anderen Staaten oder der Europäischen Union verwies der Diplomat auch auf die Historie Ungarns. Es sei eine Zeit lang Teil des Osmanischen Reiches, dann des Habsburgerreiches und später des Ostblocks gewesen. "Die Ungarn neigen dazu, aufgeregt zu werden, wenn Menschen von außerhalb versuchen, uns zu sagen, wie wir unsere Angelegenheiten zu regeln haben." Dies führe manchmal zu Spannungen auch mit Brüssel. Gleichzeitig gebe es in Ungarn eine große Begeisterung für die europäische Idee, sagte Habsburg. "Die Zukunft Europas liegt in der Europäischen Union, aber manchmal haben wir das Gefühl, dass es noch schöner wäre, wenn unsere Werte noch ein bisschen mehr respektiert würden."

Copyright 2023 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

Alle Rechte vorbehalten

Archivfoto Eduard Habsburg (c) privat


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