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Kardinal Bertone: Benedikt XVI. wollte schon 2012 zurücktreten

3. Jänner 2023 in Chronik, keine Lesermeinung
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Früherer Kardinalstaatssekretär enthüllt in Zeitungsinterview etliche Details aus dem achtjährigen Pontifikat von Benedikt XVI.


Rom (kath.net/KAP) Neue Einzelheiten über den historischen Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Februar 2013 hat einer seiner engsten Mitarbeiter enthüllt. Der frühere Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sagte der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Montag), der deutsche Papst habe ihm gegenüber bereits im Frühjahr 2012 erstmals von Rücktritt gesprochen.

Damals habe er das für eine vorübergehende Idee gehalten, doch dann sei Benedikt XVI. im Sommer mit mehr Nachdruck darauf zurückgekommen. Da habe er bemerkt, dass dieser Entschluss im Gebet und im Nachdenken im Papst herangereift sei, erklärte Bertone.


Schließlich habe er Benedikt XVI. davon überzeugen können, die Bekanntgabe wenigstens noch bis zum Februar 2013 hinauszuzögern, sodass zu Weihnachten 2012 noch der dritte Teil seines Jesusbuchs veröffentlicht werden konnte.

Bertone enthüllte in dem Interview weitere Details aus dem achtjährigen Pontifikat. So schilderte er, dass Benedikt XVI. über die heftigen Reaktionen in der islamischen Welt erschrocken und traurig gewesen sei, die er mit seiner "Regensburger Rede" im September 2006 auslöste. Es sei nie die Absicht des Papstes gewesen, den Islam zu kritisieren oder zu beleidigen, erklärte Bertone.

Zum Umgang mit den Missbrauchsfällen in der Kirche erklärte Bertone, dass Joseph Ratzinger schon als Präfekt der Glaubenskongregation "den Mut hatte, die traurigen Fakten offenzulegen, die leider lange in der Kirche verborgen gehalten wurden. Wir können stolz sein, dass er diesen Mut hatte." Bertone berichtete in diesem Kontext, dass Benedikt XVI. auch die Einsetzung einer wissenschaftlichen Kommission zum Thema Pädophilie erwogen hatte, die jedoch nicht zustande kam.

In dem Interview äußerte sich Bertone ferner über ein seit Langem im Vatikan kolportiertes Gerücht zum heutigen Papst Franziskus. Er bestätigte, dass im Vatikan mehrmals geprüft worden sei, ob der damalige argentinische Erzbischof und Kardinal Jorge Mario Bergoglio nicht eine führende Aufgabe im Vatikan übernehmen könne. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Bertone dazu: "Die Geschichte hat uns eines Besseren belehrt: Seine Aufgabe sollte eine im Vatikan werden - aber die als Pontifex Maximus."

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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