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Facebook-Reaktion zu Bodes fehlendem Rücktritt: „Bei Woelki würden alle den Rücktritt fordern“

23. September 2022 in Aktuelles, 7 Lesermeinungen
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Aussagen mit klarer Kante: „Denen muss doch allen die Düse gehen. Solange nichts öffentlich vorliegt, kein Sterbenswörtchen zu hören… Feiglinge seid ihr, hoffend und bangend, dass möglichst nichts rauskommt.“– Blütenlese von Petra Lorleberg


Osnabrück (kath.net/pl) Überraschung, ja Unverständnis zieht die Entscheidung des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode nach sich, der gestern in einer Pressekonferenz öffentlich gemacht hatte, dass er trotz des ihn persönlich belastenden Missbrauchsberichts nicht zurücktreten werde. Nicht wenig hatten erwartet, dass Bode Konsequenzen aus seinem öffentlich gewordenen Versagen ziehen würde, siehe dazu auch den kath.net-Artikel (Link). Nebenbei: zumindest bisher ist auch nicht bekannt, dass er sich aus seinen Verantwortungen als stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und als stellvertretender Vorsitzender des „Synodalen Wegs“ zurückziehen würde – aber was sagt dies aus, dass ein stark belasteter Bischof solche Leitungsverantwortungen weiter ausüben darf?

Der – moderat– kritischer Artikel „Sexualisierte Gewalt: Die Lernkurve des Franz-Josef Bode“ von Roland Jochem für die katholische Nachrichtenagentur (KNA), der tunlichst Bodes Leitungspositionen bei DBK und Synodalem Weg verschweigt, wurde beim „offiziell nichtoffiziellen Nachrichtenportal“ der deutschen katholischen Kirche abgedruckt. Auf Facebook findet sich dazu beim katholisch.de-Auftritt neben etwas Zustimmung vor allem erhebliche Kritik an Bode. kath.net hat sich die Reaktionen näher angeschaut:

-    „Denen muss doch allen dermaßen die Düse gehen. Solange nichts öffentlich vorliegt, kein Sterbenswörtchen zu hören. Später dann immer dasselbe Blabla. Da gibt man sich dann blind oder taub oder was sonst noch. Feiglinge seid ihr, hoffend und bangend, dass möglichst nichts rauskommt.“

-    Jemand macht auf die Situation von Missbrauchsopfern aufmerksam: „Die bittere Erkenntnis als Betroffener ist: Wir sind nicht nur den Bistumsleitungen egal, sondern auch den ach so kritischen Journalist:innen.“ Das erläutert der Schreiber des Posts folgendermaßen: „Ich finde es erschreckend, dass der Autor dieses Artikels, der bei der Pressekonferenz dabei wahr, sich über Fragen des Umgangs mit Betroffenen auslässt, aber genau wie seine Kolleg:innen im Raum nicht ein einziges Mal aufgesehen und durch den Raum geblickt hat, um dann den Bischof zu fragen: ‚Wo sind eigentlich die Betroffenen, deren mangelnde Präsenz und fehlende Aufmerksamkeit man ihnen vorwirft, heute? Wenn Sie sogar einen Betroffenenrat in Ihrem Bistum haben, Herr Bischof, wo sind die Vertreter:innen, die mal aus ihrer Perspektive dazu was sagen? Warum fahren Sie eine Kohorte von Expert:innen aus Ihrem Bistum auf, aber holen sich keine Expertise von denjenigen, um die es hier eigentlich gehen müsste?‘“

-    Ein Facebook-Nutzer fragt: „Nachdem alles an der Öffentlichkeit war macht er Fortschritte. Was hat er davor Positives gemacht?“, worauf eine andere Person antwortet: „Gehofft, dass es nicht auffliegt.“

-    „Eilmeldung: Kardinal Woelki tritt für seine Kollegen zurück“

-    Jemand schreibt: „Bei Woelki würden alle den Rücktritt fordern“, eine andere Person antwortet: „Nein, nicht ‚würden‘. Es fordern so gut wie alle seinen Rücktritt. Und so ist es bei Herrn Bode auch.“

-    „Sexueller Missbrauch, das Versagen im Leitungsamt aber auch das Wegsehen muss verantwortet werden von denjenigen, die ihre Aufsichtspflicht persönlich verletzt haben. Der 600-seitige Zwischenbericht der Universität Osnabrück, der sich speziell den Pflichtverletzungen der Bistumsleitung widmet, hat schwere, jahrzehntelange Versäumnisse insbesondere durch Bischof Franz-Josef Bode ermittelt. Eine Selbstanzeige bei der Polizei und sofortiger Rücktritt sind die einzig logische Konsequenz… Man stelle sich vor, ein Schulleiter deckt über Jahre die Übergriffe und Missbräuche seiner Lehrer und sagt, als er auffliegt: ‚Oh nein. Ich war ja so blind. Wie konnte ich das nur nicht sehen? Wie fahrlässig von mir. Das tut mir ja auch wirklich leid und ich ziehe aber lieber keinerlei Konsequenzen für mich und bleibe schön hier. Schließlich habe ich ja auch Entschuldigung gesagt.‘ Wo leben wir eigentlich? Warum werden diese Männer nicht wegen Beihilfe angeklagt und in Gefängnisse gesteckt? In den USA wird systematische Vertuschung als organisierte Kriminalität gewertet. Die Bischöfe Bode und Bätzing und Kardinal Marx sind durch Gutachten schwer belastet worden. Sofortiger Rücktritt.“

-    Ein anderer Leser bringt noch einen anderen Aspekt zur Sprache: „Ein Bischof der römisch-katholischen Kirche kann nicht selbst von seinem Amt zurücktreten. Laut Kirchenrecht kann er dem Papst lediglich seinen Amtsverzicht anbieten. Und selbst wenn das Gesuch vom Heiligen Vater angenommen wird, behält der Betreffende den Titel eines Bischofs… Bischof Bode hat dem Heiligen Vater keinen Amtsverzicht angeboten und angetragen. Nach dem Kirchenrecht ist das nicht ‚sein Bier alleine‘. Der Amtsverzicht des Münchners (und Freisingers) fand nicht die Zustimmungen des Heiligen Vaters.“

Fazit: Mit der Causa Bode ist die Glaubwürdigkeit der deutschen katholischen Kirche weiter belastet. Und der Ball liegt mittig im Feld der Dissenzkatholiken, denn Bode ist ein Motor für kirchliche Grundsatzveränderungen. Da hilft alle Kritik am Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nichts: Denn sogar Woelkis Gegner können gegen ihn nur erheblich geringere Vorwürfe machen als nun gegen Bode im Raum stehen.

Obendrein ist es spannend zu beobachten, wie sich die Mainstreampresse (einschließlich der katholischen Mainstreampresse) gegenüber Bode verhält: denn auch die Glaubwürdigkeit der Presse könnte an der Causa Bode erheblichen Schaden nehmen. Man sollte nun mal nicht bei dem einen übersehen, was man beim anderen überbordend tadelt. Gleich mehrere der oben zitierten FB-Posts nehmen genau diesen Umstand aufs Korn.

Doch die allerwichtigste Frage ist: Was sollen eigentlich Missbrauchsopfer im Umfeld des Bischofs fühlen, wenn ein solcher Bischof weiter in Amt und Würden bleibt? Missbrauchsopfer eventuell jener Priester etc., die Bischof Bode hätte viel früher maßregeln, effektiv ausbremsen und zur Anzeige bringen müssen?


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Lesermeinungen

 girsberg74 24. September 2022 
 

legal, illegal, liberal

@Herbstlicht „ein Armutszeugnis! “

Ihr Satz:
„Einem liberalen Bischof wird -so scheint es- also mehr nachgesehen und verziehen als einem konservativ Gesinnten.“
bringt mich auf Gedanken, die auszuformulieren ich augenblicklich nicht die Muße habe. Er ist aber nicht vergessen, komme nochmals darauf zurück, hier oder ein andermal.


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 Herbstlicht 23. September 2022 
 

ein Armutszeugnis!

"Liberale Kreise" riskieren einen immens großen Glaubwürdigkeitsverlust, wenn sie bei dem einen Kirchenoberen etwas fordern, was sie bei ihrem eigenen wohl nicht einmal in Erwägung zu ziehen scheinen.
Das ist mehr als beschämend!
Einem liberalen Bischof wird -so scheint es- also mehr nachgesehen und verziehen als einem konservativ Gesinnten.


2
 
 lakota 23. September 2022 
 

@girsberg 74

Ich habs gerade erst gelesen, aber wie Sie gesagt haben: Es ekelt einen an!

Wie haben kaum noch Hirten, die Mehrheit ist eine Bande von Lügnern und Heuchlern. Und wie heißt es so schön: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.


2
 
 PaterBenedikt 23. September 2022 
 

Das Geschrei wäre groß, wenn es Rainer Kardinal Maria Woelki betreffen würde!

Die ZDK-Präsidentin Stetter-Karp würde mit vielen Worten Kritik üben. Der DBK-Vorsitzende Bätzing würde auch sein Senf wie immer dazu geben. BDKJ etc. etc. stünden parat....

Aber es geht ja schließlich um Bischof Bode, das herrscht Bandenfreundschaft!

Wie ich schon immer sagte "Erst vor der eignen Türe kehren, bevor man versucht andere auf den Schmutz hinzuweisen"


2
 
 girsberg74 23. September 2022 
 

Nur ein Kommentar bis jetzt ?

[@HeikeSti]

Klar, diese Sache ekelt einen an.


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 Stock 23. September 2022 
 

Konsequenzen-Kultur der DBK

Zur Kritik der „Konsequenzen-Kultur“ deutscher Bischöfe in den Missbrauchs-Affären, die m. E. auch in diesem aktuellen Fall zutrifft, gebe ich die resümierende Aussage von Dr. Manfred Lütz anlässlich der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens wieder:
»Im Fall des Münchner Gutachtens entstehe jedoch der Eindruck, „dass ein Greis, der ausgerechnet zur ihm ursprünglich ganz fremden Missbrauchsthematik Bahnbrechendes geleistet hat, sensationslüstern auf die Bühne gezerrt wurde, anstatt endlich den entscheidenden Fragen nachzugehen“. Diese sei nach Lütz‘ Ansicht, warum bis heute noch kein kirchlich Verantwortlicher in Deutschland offen seine persönliche Schuld eingestanden habe und freiwillig zurückgetreten sei.“« (‚Meldung‘ in „Die Tagespost“, 01.02.2022)
https://www.die-tagespost.de/kirche/bistuemer/muenchen/luetz-kritisiert-gutachten-mischung-aus-anklageschrift-und-urteil-art-225253, aufgerufen am 23.09.2022


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 HeikeSti 23. September 2022 
 

In der Tat - Bei Woelki würden alle Rücktritt schreien

Die ZDK-Präsidentin Stetter-Karp würde mit vielen Worten Kritik üben. Der DBK-Vorsitzende Bätzing würde sich distanzieren. BDKJ etc. etc. stünden parat.... Aber es geht ja schließlich um Bischof Bode. Und der gehört zum Lager der selbsternannten "Reformer". Da drückt man natürlich ein Auge zu. Aber wehe, es ginge um Woelki, Hanke, Oster, Vorderholzer usw. Dann hieße es: Frei zum Abschuss. .... Und was Bischof Bode betrifft; er hat nicht nur bei der Bearbeitung von Missbrauchsfällen schwerer Fehler gemacht, seine Positionen beim Synodalen Weg laufen auf eine Bankrott-Erklärung hinaus. Seit über 30 Jahren ist er nun Bischof von Osnabrück. Schon jetzt kann einem der Nachfolger nur leid tun.


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