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Experte: Kyrill hat die ukrainische orthodoxe Kirche verloren

22. Juni 2022 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Salzburger Orthodoxie-Experte Prof. Winkler: "Kaum vorstellbar, dass sich auf dem Staatsgebiet der Ukraine noch Orthodoxe zur russischen Kirche bekennen werden" - Spannungen im Hintergrund im Moskauer Patriarchat müssen enorm sein


Wien/Salzburg  (kath.net/KAP) Der Moskauer Patriarch Kyrill hat die orthodoxe Kirche in der Ukraine schon jetzt verloren und damit das Gegenteil davon erreicht, was er mit seiner Unterstützung des Angriffskrieges wollte. Davon zeigt sich der Ostkirchenexperte und Vorsitzende der Salzburger Pro Oriente-Sektion, Prof. Dietmar Winkler, in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche" überzeugt. Es sei "kaum vorstellbar, dass sich auf dem Staatsgebiet der Ukraine noch Orthodoxe zur russischen Kirche bekennen werden - ausgenommen der Teile, die von Russland besetzt bleiben - und dass sie sich einem Oberhaupt zugehörig sehen, das die Propaganda eines Angriffskriegs auf ihr Land befeuert und als Kirche imperiale Ansprüche stellt".

In der Ukraine gibt es aufgrund der (kirchen-)politischen Umstände zwei orthodoxe Kirchen: die selbstständige (autokephale) Orthodoxe Kirche der Ukraine und die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK-MP). Zweitere gehört laut Prof. Winkler zu den großen Leidtragenden des Krieges: "Die meisten Kirchen, die durch Artillerie und Bomben bisher zerstört wurden, gehören der UOK-MP. Die Gläubigen sind traumatisiert. Ihre Geistlichen gewähren ihnen Schutz in den Kellern der Kirchengebäude, während ihr Patriarch den Angriffskrieg aktiv ideologisch unterfüttert." Das Oberhaupt der UOK-MP, Metropolit Onufrij, habe, anders als Kyrill, umgehend und in "beeindruckender Weise" den russischen Angriff von Beginn an verurteilt. Er forderte sowohl seinen Patriarchen als auch Präsident Wladimir Putin auf, den Krieg zu beenden. Die UOK-MP sei in einer unerträglichen Situation. "Sie verurteilt den Krieg, ist aber Opfer der russischen Aggression und wird von ihrem eigenen Patriarchen Kyrill im Stich gelassen. Zugleich wird sie in der Ukraine als zu Moskau gehörig wahrgenommen", so Winkler.


In einem Landeskonzil hatte sich die UOK-MP kürzlich für völlig unabhängig vom Moskauer Patriarchat erklärt. Wenige Tage später hatte sich die Russisch-orthodoxe Kirche die drei Diözesen der UOK-MP auf der Krim einverleibt. Gleiches werde in den besetzten Gebieten auf dem Donbass geschehen, zeigte sich Winkler überzeugt. Dies seien jene Gebiete, wo das Moskauer Patriarchat nun direkt Zugriff habe. Eine weitere Annäherung der beiden orthodoxen Kirchen innerhalb der Ukraine bis hin zur Vereinigung hielt er trotz aller anstehenden Schwierigkeiten für "nicht abwegig".

Nachsatz: "Die Kirchen werden in der Ukraine gemeinsam eine große Versöhnungsaufgabe erfüllen müssen."

Metropolit Hilarion kein Kriegstreiber In der Russisch-orthodoxen Kirche hätten sich die Ereignisse zuletzt auch überschlagen, so Winkler, der in diesem Zusammenhang u.a. auf die Absetzung von Metropolit Hilarion (Alfejew) als Leiter des Moskauer Außenamtes hinwies. - "Man kann davon ausgehen, dass nur die Spitze des Eisbergs russisch-orthodoxer Turbulenzen sichtbar ist. Die Spannungen im Hintergrund müssen enorm sein." Hilarion sei die rechte Hand Kyrills gewesen, "der Chefstratege im Hintergrund, die Stimme seines Patriarchen in der Öffentlichkeit und Ökumene, mit besten Kontakten zu Putin". Noch wenige Tage vor dem Überfall auf die Ukraine sei er vom russischen Präsidenten mit einem Orden ausgezeichnet worden.

Die Versetzung nach Budapest, wo es nur wenige russisch-orthodoxe Pfarren gibt, sehe zweifellos nach Degradierung aus. Gut möglich freilich, "dass Hilarion auch auf eigenen Wunsch nach Budapest wollte, weil er die Ukrainepolitik seines Patriarchen nicht mittragen konnte", mutmaßt Winkler: "Vielleicht macht Kyrill aber in einer Phase der Erosion seiner Kirche die Reihen dicht, umgibt sich vermehrt mit Hardlinern und entledigt sich jener, die ihn seiner Meinung nach zu wenig unterstützen." Zumindest könne man über Hilarion in keiner Weise sagen, er sei ein Kriegstreiber.

 

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