Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. „Der Wahlausgang in Berlin im September 2026 gibt vielen Bevölkerungsgruppen Anlass zur Sorge“
  3. Niederländischer Weihbischof Mutsaerts: „Kirche in der Krise – und wie wir sie nicht retten sollten“
  4. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  5. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  6. Katholische Cityseelsorge St. Gallen Mitveranstalter von ‚Drag-Show‘
  7. BDKJ und eine doch getaufte Kandidatin im Bundesvorstand
  8. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  9. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  10. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  11. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  12. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  13. Fast der gleiche Glaube?
  14. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  15. Mutmaßlicher IS-Anhänger soll Anschlag auf eine Kirche in Bremen geplant haben - Festnahme

Etikettenschwindel auf Kosten des ungeborenen Lebens – Das Dilemma mit Covid-19-Impfstoffen!

17. Jänner 2022 in Aktuelles, 65 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Gläubige, die die Verwendung fetaler Zellen in der medizinischen Forschung zu Recht als inakzeptabel und im Widerspruch zur Lehre der Kirche verstehen, sind verstört.“ Kommentar von Pfarrer Johannes Laichner


Wien (kath.net) Darf man in schwerwiegenden Fällen von etwas „Gutem“ profitieren, auch wenn es unter moralisch unerlaubten Handlungen entstanden ist?

Diese moralische Abwägung entpuppt sich in der aktuellen Debatte um den Gebrauch einiger COVID-19-Impfstoffe zur zentralen Gretchenfrage. Wo während einer pandemischen Bedrohung durch ein hochpathogenes Virus keine „ethisch einwandfreien“ Impfstoffe zur Verfügung stünden, da sei es „moralisch akzeptabel“, aus schwerwiegenden Gründen auch jene einzusetzen, bei deren Entwicklung und Herstellung Zelllinien von menschlichen Feten zum Einsatz kamen 1, so eine Note der Glaubenskongregation im Dezember 2020.

Dies natürlich unter der Voraussetzung, dass besagte Impfstoffe eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit aufweisen und jene, die diese Vakzine in freier Entscheidung gebrauchen, grundsätzlich Abtreibungen nicht gutheißen.

Die römische Note traf am Höhepunkt der zweiten Pandemiewelle eine moralische Abwägung: Man billigt nicht das Übel der Abtreibung, aber nimmt es auf Basis einer „differenzierten Verantwortlichkeit“ in Kauf, um etwas Gutes zu ermöglichen (nämlich Schutz der eigenen Gesundheit und die der anderen). Seit damals hat sich viel getan! Angesichts der „saisonalen“ Faktenlage mit ihrer verblüffend geringen Halbwertszeit und der atemberaubenden Beschneidungen in Grundrechtsfragen schreit die römische Note förmlich danach, regelmäßig auf ihre tagesaktuelle Relevanz überprüft zu werden. Dementsprechend hat nun IMABE (Institute für medizinische Anthropologie und Bioethik) bezüglich dem neu zugelassenen Impfstoff „Novovax“ wie schon für die beiden mRNA-Vakzine von Biontech-Pfizer und Moderna festgehalten: Diese drei Vakzine kommen während ihrer Entwicklung und Erzeugung ohne embryonale Zelllinien aus. Ergo seien sie alle „ethisch akzeptabel“, so IMABE. „Gott sei Dank“, ruft der sensible Geist und möchte sich beruhigt zurücklehnen. Oder doch zu früh?


Ein wenig verhalten weist IMABE nun auf den Umstand hin, dass bei genannten Impfstoffen doch auch humane Zelllinien „als Kontrollmedium für IN-vitro-Tests verwendet (sc. werden), um mögliche Nebenwirkungen und die Sicherheit für den Menschen zu prüfen“. 2

Gläubige, die die Verwendung fetaler Zellen in der medizinischen Forschung zu Recht als inakzeptabel und im Widerspruch zur Lehre der Kirche verstehen, sind verstört: Dieselben fetalen Zelllinien (HEK293), deren Nichtgebrauch bei Entwicklung und Produktion diesen Vakzinen angeblich das Etikette „ethisch vertretbar“ verleiht, sollen entgegen aller Logik trotzdem für die Testung verwendet werden dürfen? Welch Quadratur des Kreises! Das Institut selbst hat noch im Jänner 2021 eingemahnt, „dass abseits der katholischen Moraltheologie ein Bewusstsein in der Gesellschaft gewachsen ist, dass in einem umfassenden Sinn die „Güte eines Produkts“ nicht losgelöst von seinen Entstehungsbedingungen bemessen werden darf (Stichwort: Fair-Trade, Ökologie, Kinderarbeit usw.)“ . 3

Eigentlich erschreckend, dass im aktuellen Diskurs von dieser Seite (Fair-Trade, Ökologie und Kinderarbeit) her argumentieren werden muss, um noch irgendwie das Gewissen angesichts des Verbrechens industriellen Missbrauchs fetaler Zelllinien wachzurütteln.

Biontech-Pfizer, Moderna und Novovax trotz der Tatsache ihrer Testung mit fetalen Zelllinien als „ethisch unproblematische“ Impfstoff einzustufen, kommt einer moralisch fragwürdigen Relativierung gleich und steht nicht im Einklang mit einem leidenschaftlichen Einsatz für die Kultur des Lebens.

Zurück zu unserer Gretchenfrage: Unabhängig davon, wann (ob während der Entwicklung, Produktion oder Testung) und in welchem Ausmaß reproduzierte fetale Zelllinien in der medizinischen Forschung zur Anwendung kommen, ist das Medikament oder der Impfstoff folglich unter ethisch höchst problematischen Umständen produziert worden. Ein verharmlosender Etikettenschwindel ist unerträglich! Schwerwiegende Gründe und Gefahren können den Gebrauch dieser Produkte zwar unter Vorbehalt moralisch rechtfertigen, aber dies darf nur solange gelten, bis alternative ethisch einwandfreie Vakzine zugelassen sind, so die Note der Glaubenskongregation.

Ob es angeraten ist, als Kirche in Einklang mit staatlichen Gesundheitsbehörden daher aktiv zur Impfung mit ethisch problematischen Vakzinen aufzurufen und Gläubige moralisierend (Stichwort: Akt der Nächstenliebe) dazu zu bewegen, bleibt eine Streitfrage, gar ein Dilemma. Es müsste zumindest mit derselben Leidenschaft darauf hingewiesen werden, dass es immer ein Unrecht darstellt, heranwachsende Menschen im Mutterleib als „Reservelager" für Zellkulturen und folglich als Probanden für medizinische Versuche und Studien zu missbrauchen. Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Angenommen, man hätte bisher nur ein Kind „abgeerntet“ - um es in der verstörenden Sprache dieser fetalen Industrie auszudrücken - allein dieses bleibt aus christlicher Sicht eines zu viel. Kein medizinischer Fortschritt oder Vorteil ist damit zu rechtfertigen. Das wahre Ausmaß dieses Verbrechens an ungeborenen Kindern würde uns wohl alle erschrecken. Der fetalen Industrie ist daher um jeden Preis die Grundlage zu entziehen. Wir Christen sprechen nicht von „Zellhaufen“, sondern von geliebten Kindern Gottes. Wo bleiben die Lichtermeere für diese Kinder, wo die Vergebungsbitte angesichts des kollektiven Schweigens und der Verharmlosung?

Bischöfe und Priester sind besonders in die Verantwortung zu nehmen, das Bewusstsein dafür wach zu rütteln und mit aller Kraft auf eine „saubere“ medizinische Forschung zu drängen. Abweichende Diktionen, die diesen Missbrauch fetaler Zellen bagatellisieren oder gar verschweigen, sind moraltheologisch unangebracht und per se unmoralisch.

Es besteht, gestützt auf die Note der Glaubenskongregation, daher dringender Handlungsbedarf:

- Für die moraltheologische Kategorisierung von Impfstoffen als „ethisch unproblematisch“ muss jeder Bereich der Entwicklung, Produktion und Testung berücksichtigt werden und gänzlich ohne fetale Zelllinien auskommen.

- Trotz der momentan scheinbar alternativlosen, aber ethisch problematischen Impfstoffe (Johnson&Johnson, Astra, Pfizer, Moderna und Novovax) eine erneut klare kirchliche Distanzierung vom Übel der Abtreibung vorzunehmen, gerade weil reproduzierte fetale Zelllinien daraus gewonnen wurden und ohne Skrupel für medizinische Forschung und Pharmaindustrie weiterhin massenhaft missbraucht werden.

- Endlich einen eindringlichen bischöflichen Appell an Regierungen und Pharmariesen zu richten, in Zukunft ausschließlich ethisch vertretbare Impfstoffe herzustellen und damit Gläubige nicht mehr in große Gewissensnot zu bringen.

Um des Reiches Gottes willen muss es uns alle antreiben, leidenschaftliche Verteidiger des ungeborenen und entrechteten Lebens zu werden! Möge die Kultur des Lebens endlich die Kultur des Todes überwinden!

Pfr. DDr. Johannes Laichner, am 15. Jänner 2022
Fußnoten:
1 Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre: Note über die Moralität des Gebrauchs einiger Impfungen gegen Covid-19, 21.12. 2020.
2 IMABE, Kurzfassung incl. Updates per 13.1.2022: „Ethische Fragen zum Gebrauch einiger Covid-19-Impfstoffe“.
3.  IMABE (Susanne Kummer), Covid-19-Impfstoffe: Ethische Stellungnahme zu Fragen der Herstellung, Fußnote 8, 12.1.2021.

 

Pfarrer DDr. Johannes Laichner ist Diözesandirektor der Päpstlichen Missionswerke


 

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 




Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Wo Begegnung zur Zivilisation der Liebe wurde. Die Armen als Fleisch Christi
  2. Irreversibel – die Diktatur des Geschehenen. Wenn die Geschichte zum ‚Lehramt‘ wird
  3. Fast der gleiche Glaube?
  4. Gender-Ideologie: Katholische Familie kämpft um ihre Tochter
  5. Slowakei: Papst Leo XIV. grüßt die Teilnehmer des Nationalen Marsches für das Leben in Bratislava
  6. Kardinal Koch zu Israel und Gaza: Ehrlich miteinander sprechen
  7. Wenn die Liebe das Gesetz des Kalküls durchbricht…
  8. Stanislaus-Kostka-Wallfahrt von Wien nach Rom erreicht ihr Ziel
  9. Papst: In der Seelsorge auf das Wesentliche konzentrieren
  10. Bruder von Leo XIV.: Papst hilft bei der Steuererklärung
  11. Bischof an Jugend: "Licht des neuen Afrikas liegt in euch"
  12. Wien: Rund 20.000 Teilnehmer bei ökumenischem "Marsch für Jesus"
  13. Tausende Teilnehmer bei Pro-Life-Kundgebungen in Berlin, Köln und Zürich
  14. Jesus in Hollywood: Eucharistische Prozession in den Straßen der Filmmetropole
  15. Papst-Vigil in Paris mit Jesus zugeschriebener "Heiliger Tunika"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz