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Pell: „Habe eine Frage an Kard. Becciu: Wird er uns einfach sagen, wofür das Geld geschickt wurde?“

17. Dezember 2021 in Weltkirche, 8 Lesermeinungen
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Früherer Finanzchef des Vatikans fragt nach 1,65 Millionen US-Dollar an Vatikangeldern, die nach Australien geschickt wurden. Was mit dem Geld dort passierte, ist nach wie vor unklar – Er kommentiert den Londoner Immobilienprozess


Vatikan (kath.net/pl) Der frühere „Finanzminister“ des Vatikans, Kardinal George Pell, der über ein Jahr unschuldig im Gefängnis gesessen war, sagt in einem Interview mit dem „National Catholic Register“ (NCR), er „habe eine Frage an Kardinal Becciu: ‚Wird er uns einfach sagen, wofür das Geld geschickt wurde?‘“. Pell bezog sich dabei auf den ehemaligen Stabschef des Vatikanischen Staatssekretariats, der jetzt im schlagzeilenträchtigen Londoner Immobilienskandal des Vatikans wegen Unterschlagung und Amtsmissbrauch angeklagt ist. Der Streitpunkt sind 1,65 Millionen US-Dollar (ungefähr 1,5 Millionen Euro) an Vatikangeldern, die nach Australien geschickt wurden. Was mit dem Geld dort passierte, ist nach wie vor unklar. Die Interviewerin Joan Frawley Desmond, Chef vom Dienst beim NCR, kommentiert in ihrer Einleitung zum Interview folgendermaßen: „Pells Enthüllungen über Finanzkorruption auf hoher Ebene, die zu einem laufenden Prozess im Vatikan führten, werfen auch die Frage auf, ob Kurienbeamte, die sich gegen das Bestehen des Kardinals auf einer externen Prüfung aller vatikanischen Finanzen ausgesprochen hatten, dazu beigetragen haben, seinen Fall überhaupt vor Gericht zu bringen“.

Pell sagte auf Nachfrage: „Es besteht kein Zweifel, dass 2.300.000 [australische Dollar] vom Vatikan nach Australien geschickt wurden. Kardinal Becciu bestätigte das. Wir haben gerade die verfügbaren Aufzeichnungen des [Vatikan-] Prozesses erhalten, und es sieht so aus, als ob Msgr. [Alberto] Perlasca, [der langjährige Investmentmanager des Vatikans], im Verhör gesagt hat, dass das Geld an die Bischofskonferenz in Australien zu meiner Rechtsverteidigung geschickt wurde. Das stimmt allerdings nicht. Wir haben die Bischofskonferenz gefragt, sie haben nichts bekommen. Wir haben garantiert nichts bekommen. Deshalb habe ich eine Frage an Kardinal Becciu: ‚Wird er uns einfach sagen, wofür das Geld geschickt wurde?‘ Und wenn es nichts mit mir zu tun hat oder für ganz unschuldige Zwecke [eingesetzt wurde], gut, dann könnte ich mich freuen und wir können unser Leben weiterleben.“


Auf die Frage, was er als Präfekt des Vatikanischen Wirtschaftssekretariats über den Londoner Immobilienskandal gewusst habe, erläuterte Pell, er habe nicht viel darüber gewusst, als er dann nach Australien zurückging. „Wir wussten, dass der Staatssekretär [des Vatikans, Kardinal Parolin] uns keinen Zugang zu ihren Aufzeichnungen gewährte und die Wirtschaftsprüfer nicht hereinlassen würde. Wir wussten auch, dass sie bei der Londoner Liegenschaft einen Buchhaltungsfehler gemacht hatten, der das verschleierte. Das haben wir aufgegriffen.“ Dennoch habe man „nichts von dem sich anbahnenden Debakel“ gewusst. Diese Themen wären vorrangig gewesen, wenn man die Wirtschaftsprüfer hereingelassen hätte, dann hätte „der Vatikan nicht so viel Geld verloren“.

Pell erläuterte weiter: „Wir hätten dem Deal, der ausdrücklich im Vertrag festgehalten wurde, nie zugestimmt, wonach sie Millionen bezahlt haben, um die 30.000 Aktien für das zu bekommen, was ihnen ihrer Meinung nach das Eigentum an dem [Londoner] Gebäude geben würde. Tatsächlich waren noch 1.000 Aktien übrig, die alle Stimmrechte hatten, und ich habe gehört, dass sie [zusätzlich] 15 Millionen Euro zahlen mussten, um diese Aktien zu erhalten.“

Zu den Änderungen der Aufsicht über die Vatikanfinanzen während seiner Amtszeit als Präfekt erläuterte Pell, dass man versucht habe, sie „an westliche Geschäftspraktiken anzupassen. Das bedeutet, dass informierte Personen mit Zugang zu den Informationen beurteilen können, wo der Vatikan finanziell steht. Bevor wir kamen, konntest du das nicht. Nur ein oder zwei Personen könnten [die Finanzen des Vatikans vollständig verstanden haben]. Zum Beispiel 1,3 Milliarden Euro, die nicht in den Büchern standen. Es saß nur für einen regnerischen Tag auf getrennten Konten. Es mag einen unschuldigen Zweck gehabt haben, aber es wurde nicht erklärt.“

Die Vatikanfinanzen befänden sich insgesamt in einer Schieflage, erläuterte Pell und nannte ein „ein jährliches strukturelles Defizit von 20 oder 25 Millionen Euro; und bei COVID waren es zusätzlich mindestens 50 oder 70 Millionen Euro pro Jahr“. Außerdem baue sich „in der Pensionskasse ein erheblicher Druck auf“, es drohe „ein Defizit in Höhe von Hunderten Millionen“, es gehe hier um „sehr reale finanzielle Zwänge“. Zwar sei die Korruption „sicherlich verringert, teilweise sogar beseitigt“ worden. Dennoch sei der aktuelle „finanzielle Druck auf den Vatikan“ inzwischen „eine Herausforderung: „Man muss entweder ihre Kosten senken oder mehr Geld verdienen“.


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