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Immer gegen Woelki - Gefangen in der Sucht an der Vernichtung?

27. September 2021 in Kommentar, 20 Lesermeinungen
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„Es ist Zeit zu fragen, wodurch der Vertrauensverlust in Köln auch (!) entstanden ist: Wer immer wieder gegen alle Fakten Woelki in die Nähe des Missbrauchs schieben wollte, trägt keine geringe Verantwortung dafür.“ Kommentar von Martin Lohmann


Bonn-Köln (kath.net) Manchmal entlarvt sich so mancher selbst. Und seine Sprache, die gewählten Formulierungen, verraten viel. Wer die offizielle Erklärung des Limburger Bischofs und Konferenzvorsitzenden zu Kardinal Woelki liest, reibt sich die Augen - oder auch schon nicht mehr. Bätzing nimmt die „Entscheidungen des Heiligen Vaters entgegen“. Wie gnädig und huldvoll doch.

Das klingt alles sehr distanziert, alles andere als mitbrüderlich. Und dann vergleicht derselbe Mann, der die Entscheidung für den Hamburger Stefan Heße und den Münchner Marx ganz anders „zur Kenntnis“ nahm, Woelki mit Tebartz-van Elst und meint, die „Entscheidung zu Kardinal Woelki“ erinnere ihn „in manchem an das römische Vorgehen im Blick auf meinen Amtsvorgänger in Limburg“. Nennt man das „Gift spritzen“? Gehört das zur ersten Aufgabe eines Bischofs und DBK-Vorsitzenden? Ist das eventuell perfide? Man wird doch noch fragen dürfen.

Wohlwollend ist das jedenfalls nicht, obwohl erwiesen ist, dass Kardinal Woelki sich eben nicht schuldig gemacht hat im Missbrauchskandal. Im Gegenteil. Niemand hat so klar aufgeklärt und aufgearbeitet wie der Kölner. Übrigens: Ganz im Unterschied zu anderen Bischöfen in Deutschland. Aber vielleicht ist so manche „bischöfliche“ Reaktion ja nichts anderes als der Hinweis darauf und ein Beleg dafür, dass es eben nicht um den Missbrauch geht, sondern darum, einen Kritiker des sogenannten Synodalen Prozesses zu diskreditieren und waidwund zu schießen. Christlich wäre das ebensowenig wie katholisch. Aber zumindest sehr traurig. Oder gar schräg und charakterminimiert? Das allerdings wäre erschreckend. Und deshalb will man das auch nicht glauben - obwohl man es echt nicht versteht.


Georg Bätzing ist übrigens kein Oberbischof von Deutschland, nur weil man ihn zum Vor-sitzenden einer Bischofskonferenz wählte. Er leitet das Bistum Limburg, das zur Kirchenprovinz Köln gehört. Und der Metropolit dieser Kirchenprovinz ist der Erzbischof von Köln. Auch so gesehen wirkt die seltsame und merkwürdige „Bewertung“ des Limburger Bischofs mehr als schräg.

Versteckt sich da vielleicht so etwas wie Hass und Wut? Auch das möchte man rasch verneinen. Aber weit weg von der ansonsten stets so empathisch und gerne geforderten Barmherzigkeit und der Bereitschaft, den anderen zu verstehen und immer Fairness zu üben, ist auch das, was der Präsident des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“, das beileibe längst nicht mehr alle deutschen Katholiken vertritt, Thomas Sternberg sofort absonderte. Auch er ärgert sich erkennbar massiv, dass nun auch Rom erkannt hat: Kardinal Woelki hat keinen Missbrauch begangen oder vertuscht.

Aber Rom stellt auch fest: Woelki machte Fehler in der Kommunikation, und das, obwohl es mehrere Dutzend gut bezahlte Mitarbeiter in der Medienabteilung des Erzbistums gibt. Und für diese Fehler, die offenbar unverzeihlich und unvergebbar sind, soll Woelki in einer Auszeit Buße tun. Wenn das der neue Maßstab ist, der sogar bei Kommunikationsfehlern und -pannen angewendet werden sollte, dann stellt sich die Frage, wie lange dann bald die Auszeiten für andere Bischöfe sein werden.

Ach ja, man fragt sich wirklich, wo die Koordinaten katholischer oder auch nur christlicher Geistes- und Seelenprägung geblieben sind, wenn man mehr oder weniger offen und – das ist irgendwie dann das Gute – verräterisch seinen Hass und seine auch durchschimmernde Wut gegen den Kölner Kardinal aus allen möglichen Ecken öffentlich produziert. Sind alle Koordinaten der Gerechtigkeit, der Fairness und des zivilisierten Umgangs miteinander wirklich so verschwunden, so radikal verdunstet?

Es gibt, und auch das wird nun mehr als offensichtlich, wohl nur eine belastbare Erklärung der mehr als merkwürdigen Reaktionen zum Beispiel von zwei prominenten Kirchenfunktionären: Weil Rainer Woelki, dem man jetzt bescheinigen muss, in der Aufarbeitung bislang vorbildlich gehandelt zu haben, ein Kritiker des Deutsch-Synodalen Prozesses ist und am katholischen Glauben in Treue zu Jesus Christus festhalten möchte und dafür sogar saubere Argumente zu nennen in der Lage ist, muss (!) er fertig gemacht werden. Darum geht es. Daran kann nun niemand, der einigermaßen wache Augen und Ohren hat, zweifeln.

Noch ein abschließender Gedanke. Wenn immer wieder – auch zur Ablenkung und Verwirrung – von denen, die Woelki stört, mit Betroffenheit darauf hinweisen wird, dass es im Erzbistum Köln eine große Vertrauenskrise gebe, dann ist es an der Zeit zu fragen, wodurch dieser Vertrauensverlust denn auch (!) entstanden ist beziehungsweise wohlfeil produziert und gepflegt worden ist. Wer immer wieder – gegen alle Fakten und stets negativ mutmaßend – Woelki in die Nähe des Missbrauchs schieben, schreiben und reden wollte, trägt keine geringe Verantwortung für das, was er zu Lasten von Rainer Kardinal Woelki so gerne und bedrückt beklagt.

Einem wirklichen Erneuerungsprozess stehen vor allem jene im Wege, die sich zu Werk-zeugen der Verleumdung und der Diskreditierung gemacht haben oder machen ließen. Wenn jetzt nicht diejenigen, die – bei Lichte besehen – unchristlich und erkennbar unfair, vielleicht auch instrumentalisiert von und für eine andere Sache, sich korrigieren und aktiv für Fairness, Vertrauen und Gerechtigkeit werben und sich einsetzen, laden sie noch mehr Schuld auf sich. Aber dann werden eines Tages diese Personen ihre Glaubwürdigkeit verloren haben. Es, um es ganz generell zu formulieren, war so und bleibt so: Lügen haben kurze Beine. Das mag lange gut gehen, aber viel Schaden anrichten. Irgendwann stolpert jeder über zu kurze Beinchen. Und: Nur die Wahrheit macht frei. Andere und auch einen selbst.

Archivfoto Martin Lohmann (c) LohmannMedia


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