Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  2. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  3. Glaubenspräfekt warnt vor "Internet-Theologen" und Selbstsicherheit
  4. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  5. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  6. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  7. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  8. Die Stunde der Heuchler
  9. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  10. Bischof von Cordoba: Priester durften bei Zugsunglück Sterbesakramente nicht spenden
  11. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  12. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  13. "Wir sind Zuschauer bei etwas, was einem Völkermord sehr nahekommt"
  14. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  15. Ein einziges Depositum der Wahrheit. Die Einheit von Schrift und Tradition

"Es gibt keine 'deutsche Kirche', sondern nur eine katholische Kirche in Deutschland"

30. September 2020 in Interview, 12 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Ich hoffe, dass das auch alle Teilnehmer des synodalen Weges so sehen können." - kath.net-Interview mit Bischof Wolfgang Ipolt, Diözesanbischof von Görlitz - Von Roland Noé


Görlitz (kath.net/rn) "Ich wünsche mir, dass wir unsere ganze Kraft weniger auf den Erhalt bisheriger Institutionen und Möglichkeiten – auf 'Bestandswahrung'  richten, sondern vielmehr um das Wachstum des Glaubens besorgt sind. Das Stichwort, das Papst Franziskus uns mit auf den Weg gegeben hat, heißt 'neue Evangelisierung'." Das stellt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt im KATH.NET-Interview fest.

 

kath.net: In Deutschland fand vergangene Woche die Bischofskonferenz statt. Ein heißes Thema war die Ökumene und der kommende ökumenische Kirchentag in Frankfurt im Jahr 2021. In Rom hat man offensichtlich Angst, dass es hier zu Grenzüberschreitungen kommen könnte , wie z.B. gegenseitigen Einladungen zu katholischen Messen und Abendmahlsfeiern. Wie groß ist hier die Gefahr?

 

Bischof Ipolt:  Es ist verständlich, dass im Zusammenhang eines ökumenischen Kirchentages auch die Frage nach der gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie bzw. an einer Abendmahlsfeier gestellt wird. Es werden bei einem solchen Kirchentag ja nicht nur ökumenische Liturgien gefeiert, sondern auch Gottesdienste der verschiedenen Konfessionen. Das Ziel der gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie dürfen alle Christen nie aus den Augen verlieren. Für uns Katholiken drückt sich darin die höchste und tiefste Form der Einheit aus, die durch nichts zu überholen ist. Es gibt besonders in unserem Land Bestrebungen, die noch bestehenden Unterschiede im Verständnis des Abendmahles bzw. der Eucharistie einfach zu überspringen und gegenseitige Einladungen zur Teilnahme auszusprechen.


 

Aus Sicht der katholischen Kirche ist das jetzt noch nicht möglich – darum hat der Präfekt der Glaubenskongregation in einem Brief deutlich gemacht, dass wir in Deutschland in dieser wichtigen Frage jetzt aus Anlass des Kirchentages keinen Alleingang machen sollten. Es ist altkirchliche Überzeugung, dass die Einheit im Glauben die Voraussetzung für die gemeinsame Eucharistie ist. Darin sind wir uns zum Beispiel mit den orthodoxen Christen einig. Auch an sie müssen wir denken – denn wir wollen ja einmal auch die östliche Christenheit in dieser Einheit wieder finden und nicht nur die evangelischen Christen. Der ökumenische Kirchentag sollte aus meiner Sicht darum viele geistliche Elemente enthalten, Gebetsformen, Lieder, praktische Frömmigkeitsübungen, in denen sich die verschiedenen christlichen Konfessionen ausdrücken und gegenseitig tiefer kennen lernen sowie den Reichtum christlicher Frömmigkeit unterhalb der Sakramente entdecken. Da gibt es meiner Meinung nach noch viel zu erschließen, was wir auf dem Fundament der gemeinsamen Taufe und unseres Glaubens an Jesus Christus tun können.

 

kath.net: Bischof Bätzing, der Vorsitzende der DBK, meinte vor einigen Tagen, dass es keine Tendenzen zur Abspaltung als Nationalkirche gäbe. Besonders der synodale Weg  wird aber von nicht wenigen Katholiken (auch aus Deutschland) als Turbo für solche Tendenzen gesehen.  Wie schätzen Sie die Situation als katholischer Diözsanbischof aus Deutschland ein? Was sollen Katholiken, die eine Nationalkirche verhindern möchten, tun?

 

Bischof Ipolt: Sie sollten sich zuerst darüber freuen, dass sie zu einer weltweiten Kirche gehören! Ich tue das jedenfalls. Es gibt keine „deutsche Kirche“, sondern nur eine katholische Kirche in Deutschland. Ich hoffe, dass das auch alle Teilnehmer des synodalen Weges so sehen können. Im Blick auf die Weltkirche relativiert sich manches Problem, das wir in Deutschland als wichtig betrachten. Da ich Mitglied der Kommission Weltkirche der DBK bin, weiß ich, dass anderswo auf der Welt vieles auch anders gedacht und betrachtet wird. Vielleicht muss in dieser Hinsicht auf dem synodalen Weg noch ein gewisser Lernprozess einsetzen. Der Blick in andere Länder und Ortskirchen kann uns vor einer bloßen Nabelschau bewahren und uns den Reichtum unserer Kirche neu bewusst machen. Zu diesem Reichtum tragen natürlich auch wir etwas bei.

 

kath.net: Was würden Sie sich für die katholische Kirche in Deutschland in Zukunft wieder stärker wünschen?

 

Bischof Ipolt: Ich spreche natürlich aus der Sicht einer ostdeutschen kleinen Diözese. Ich weiß wohl, dass die Bistümer in Deutschland sehr unterschiedlich sind. Aber vielleicht darf ich einen Wunsch äußern, der aus meiner Sicht für alle zutrifft: Ich wünsche mir, dass wir unsere ganze Kraft weniger auf den Erhalt bisheriger Institutionen und Möglichkeiten – auf „Bestandswahrung“  richten, sondern vielmehr um das Wachstum des Glaubens besorgt sind. Das Stichwort, das Papst Franziskus uns mit auf den Weg gegeben hat, heißt „neue Evangelisierung“. Wir brauchen derzeit Vertiefung des Glaubens in jeder Hinsicht, damit wir wieder für Christus und seine Anliegen brennen – nur so werden wir neue Christen gewinnen und dabei selbst im Glauben wachsen. Ich wünsche der katholischen Kirche in Deutschland vor allem dieses Interesse und dafür die nötigen kreativen Ideen.

 

kath.net: Herzlichen Dank für das Interview!

 

 

Fotos: (c) Bistum Görlitz

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  3. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Theologe Johannes Hartl: „Woher kommt dieses Konglomerat an Denken, das sich ‚liberal‘ nennt?“
  7. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  8. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  9. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  10. Die Stunde der Heuchler
  11. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  12. Neuerlich ein Vandalenakt im Petersdom
  13. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  14. Öffentlich-rechtlicher Sender SWR konfrontiert Ordensfrau mit obszöner Frage
  15. Goldensteiner Schwestern: Schwere Vorwürfe um Spendengelder

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz