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Müller: Missbrauchsgipfel greift Daten zum Grundproblem nicht auf

18. Februar 2019 in Weltkirche, 46 Lesermeinungen
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Früherer Glaubenspräfekt im „Spiegel“: 80 Prozent der Opfer sind „junge Männer im pubertären und nachpubertären Alter“ – Papst Franziskus sei umgeben von „Hofschranzen“, denen jede beiläufige Bemerkung von Franziskus als „sakrosankt“ gelte.


Vatikan (kath.net) Papst Franziskus „ist leider umgeben von Leuten, die wenig von Theologie und der kirchlichen Soziallehre verstehen, sondern die jahrhundertealte Höflingsmentalität nicht ablegen wollen. Benedikt XVI. wurde ein mittelalterliches Verständnis des Papsttums vorgeworfen. Doch diesen Hofschranzen gilt heute jedes Wort, jede beiläufige Bemerkung von Franziskus, und sei es in einem Interview, als sakrosankt. Als hätte Gott selbst gesprochen. Dabei hat, was der Papst als Privatmann sagt, mit Unfehlbarkeit in Glaubensfragen nicht das Geringste zu tun. Jeden, der nicht in ihre Linie passt, bezichtigen sie des Komplotts gegen den Papst, auch Personen mit größten Verdiensten für die Kirche. So polarisiert man, statt zur Einheit in der Wahrheit beizutragen.“ Dies sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, im Interview mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Ausdrücklich wies er darauf hin, dass sich „echte Katholiken“ „ein erfolgreiches Pontifikat auch des Papst Franziskus“ wünschten und ihn dabei unterstützten.


Zur Kritik von Kardinal Kasper an Müllers Glaubensmanifest sagte der frühere Glaubenspräfekt, dass Kaspers Reaktion eine „Auftragsarbeit“ gewesen sei, darin habe „kirchliche Machtpolitik über die Theologie gesiegt“. Kasper werte in seiner Kritik „die Grundsätze des katholischen Glaubens, die im Katechismus unserer Kirche von Papst Johannes Paul II. dargestellt sind, als ‚halbe Wahrheiten‘“, doch dies sei ein Rätsel, das er nur selbst lösen könne. Müller überlegte, ob Kasper „seine Deutungshoheit über Papst Franziskus bedroht sah nach dem Motto: ‚Das ist mein Papst‘“. Dass Kasper Müller mit Luther verglichen hatte, sei der „größte ökumenische Witz des Jahrhunderts“, denn mit Luther stimme er nur darin überein, dass damals und heute „in der Kirche die Wahrheit des Evangeliums den Vorrang haben muss vor Macht und Politik“. Und er könne mit Luther sagen: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen!“

Deutschland sei früher in Fragen der Theologie führend gewesen, doch derzeit seien es ausgerechnet Deutsche, „die sich bei dieser völligen Talfahrt an die Spitze des Zuges setzen und die Lokomotive für die Weltkirche spielen wollen, für eine Weltkirche unter deutscher Führung“.

Auf die Frage des „Spiegel“, ob Papst Franziskus ein Häretiker sei, erläuterte Müller, dass der Franziskus ein rechtgläubiger Papst sei. Doch sei es die Aufgabe des Papstes, „die Kirche in der Wahrheit zu einen, und es wäre gefährlich, wenn er der Versuchung erläge, jene Gruppe, die sich mit ihrem Progressismus brüstet, gegen den Rest der Kirche auszuspielen.“ Auch dürfe die Gesamtkirche nicht „nach den Regeln des Jesuitenordens geführt“ werden.

Zur aktuellen Missbrauchskrise in der Kirche erläuterte Müller, dass man in der Glaubenskongregation deutlich gesehen habe, dass „weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher“ „junge Männer im pubertären und nachpubertären Alter“ waren. Müller erinnerte daran, dass man diese Daten in der Glaubenskongregation ja vorliegen habe. Er kritisierte dann wörtlich: „Bei dem am Donnerstag beginnenden Missbrauchsgipfel aber sollen diese Daten unvernünftigerweise keine Rolle spielen.“ Müller sagte, dass es aus kirchlicher Perspektive klar sei: nicht geeignet für das Priesteramt sei derjenige, der sich nicht beherrschen könne, da helfe auch kein Schönreden. Auch sei er der Meinung, „dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird, wir werden geboren als Mann oder Frau“.


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