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Gleichgültigkeit und Dekadenz – Die größte Hoffnung für iranische und russische Diktatoren

9. April 2026 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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Ein Regime im Iran, das Menschen öffentlich aufhängen lässt, ist offensichtlich kein großes Problem für die meisten Menschen. Der Wal in der Ostsee ist wichtiger - Hatte Bertolt Brecht recht? Ein Kommentar von Roland Noé


Wien (kath.net/rn)
Was für ein Schwachsinn! Das möchte man jenen Medien und Journalisten zurufen, die diese Woche völlig unkritisch die Propaganda des iranischen Vatikangesandten verbreiten. Dieser darf in einem italienischen Nachrichtenportal behaupten, der Papst habe den Iran vor der Vernichtung bewahrt. Papst Leo hatte sich diese Woche kritisch zu einigen Drohungen Donald Trumps gegenüber dem Iran geäußert. Dabei war klar: Trump drohte dem Regime wieder einmal in seiner "Sprache", aber definitiv nicht dem iranischen Volk, das er sogar mehrfach würdigte. 

Gelobt wird der Papst für diese Trump-Kritik nun von Mohammad Hossein Mokhtari. Der Papst habe dazu beigetragen, „die Bedrohung durch einen langwierigen Krieg und die Zerstörung einer als Weltkulturerbe anerkannten Zivilisation abzuwenden“. Geht es noch heuchlerischer und verlogener, Herr Botschafter? Ihr Regime führt seit Jahrzehnten Krieg gegen Israel und möchte es von der Landkarte auslöschen. Ihr Regime hat im Januar zehntausende Menschen abschlachten lassen und lässt derzeit täglich Kritiker aufhängen. Ihr Regime lässt Frauen und Männer steinigen.

Die Steinigung wird primär übrigens gegen Personen verhängt, denen außerehelicher Geschlechtsverkehr vorgeworfen wird. Die Art der Ausführung ist grausam: Das Gesetz schreibt detailliert vor, dass die Steine weder zu groß (um einen sofortigen Tod zu verhindern) noch zu klein sein dürfen. Ziel ist ein qualvoller, langsamer Tod. Frauen werden dabei bis zur Brust, Männer bis zur Taille in die Erde eingegraben.  Sie möchten wissen, wie so eine Steinigung abläuft? Dann sehen Sie sich den Film "The Stoning of Soraya M." an. Auf X/Twitter finden Sie Ausschnitte. Dieses Regime braucht man nicht in die Steinzeit bomben, es ist in der Steinzeit.

Wer hier ernsthaft meint, Trump und Israel seien das Problem, betreibt eine moralische Werteverschiebung. Zehntausende Tote in wenigen Tagen werden offensichtlich als geringeres Übel bewertet als der Versuch, das verantwortliche Regime zu beseitigen. Besonders „stark“ und „mutig“ zeigen sich wieder einmal jene Europäer, denen eine Friedhofsruhe, unter deren Ausschluss weiterhin tausende Menschen abgeschlachtet werden, lieber ist als der Kampf gegen diese Massenmörder.

Vermutlich wären einige dieser „Denker“ auch zur Zeit des Nationalsozialismus der Ansicht gewesen, die USA und Großbritannien seien das Problem, weil sie Hitler bekämpften. „Selbst wenn Trump ganz offensichtlich ein gefährliches, widerliches, mörderisches, menschenverachtendes Terror-Regime bekämpft, ist für sie Donald Trump der noch größere Feind“, schreibt die Autorin Bettina Röhl dazu auf X.


Reza Pahlavi, die wichtigste Stimme des iranischen Exils, wandte sich gestern an seine Landsleute, die seit 100 Tagen für die Freiheit einstehen, sich Kugeln entgegengeworfen und die Gefahr von Bombardements auf sich genommen haben. Er drückt aus, was viele Iraner denken: „Ich weiß, dass die Nachricht vom zweiwöchigen Waffenstillstand zwischen der Islamischen Republik, den USA und Israel viele von euch entmutigt hat. Doch heute ist nicht die Zeit der Verzweiflung, sondern die Zeit des noch stärkeren Glaubens an den Sieg.“

Pahlavi betont, dass die Schläge der letzten 40 Tage für das Regime unersetzlich seien: „Die Beseitigung von Ali Chamenei, dem Mörder Zehntausender, ist ein historischer Erfolg. Dazu kommen Dutzende ausgeschaltete Kommandeure der Revolutionsgarde und der Basidsch-Milizen. Die Struktur der Unterdrückung ist gelähmt. Die Islamische Republik ist heute isolierter und verhasster denn je.“ Das iranische Volk müsse nun den finalen Schlag führen. „Keine Macht der Welt kann einer geeinten Nation standhalten.“

Was aber soll man von einer Gesellschaft halten, für die das Leben eines sterbenden Wales offensichtlich wichtiger ist als zehntausende Tote im Iran? Das Schicksal eines Wales ist „unpolitisch“ und bequem. Man kann Mitleid zeigen, ohne das eigene Weltbild oder die Wirtschaft infrage stellen zu müssen. Es ist Gratis-Moral.

„Das ist nicht unser Krieg“, stellt der besorgte Mitbürger klar und schimpft auf Trump, weil das Benzin 40 Cent mehr kostet. Die medial hochgepushten Pseudo-Feindbilder lenken wunderbar von den wirklichen Feinden ab – einem islamischen Regime oder einem Russland, das seit 2022 einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt.

Es zeigt sich eine „Hierarchie der Empathie“: Je komplizierter und teurer die moralische Haltung wird, desto schneller flüchtet sich die Gesellschaft in die Gleichgültigkeit. Dekadenz feiert Hochkonjunktur. Viele Menschen verstehen sich nicht mehr als Staatsbürger mit Verantwortung für die Freiheit, sondern nur noch als Konsumenten. Den Konsumenten interessiert nicht die Freiheit im Iran, sondern nur der sinkende Benzinpreis.

Die Despoten kennen diese Einstellung genau. Sie wissen, dass am Ende oft die Bequemlichkeit des Westens siegt. Die Gleichgültigkeit der freien Welt ist der wichtigste Verbündete der Unterdrücker. Oder, um es mit Bertolt Brecht zu sagen: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“

Im BILD-Podcast von Paul Ronzheimer äußerte sich auch Bijan Djir-Sarai, ehemaliger FDP-Generalsekretär, optimistisch über einen möglichen Systemsturz. Doch beim Blick auf die westliche Reaktion – sowohl in Bezug auf den Iran als auch auf die Ukraine – überwiegt bei mir gerade leider der Pessimismus. Ich bete für ein Wunder: Dass der Iran frei wird und die Ukraine im Frieden leben kann.

P. S. Die Frau auf dem Foto ist Aida Aghili. Ihr wurde im Januar von den Mullahs in den Kopf geschossen. Danach wurde sie wie Müll weggeworfen. Ihre Schwester erkannte sie nur anhand eines geleakten Videos, nachdem das Regime das Internet abgeschaltet hatte, um die Leichen zu verbergen.

 

 


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