Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Deutscher 'Katholikentag'-Skandal - Eucharistie für eine Muslima
  2. „Die Kirche schafft sich ab – für 11 Milliarden“
  3. „Zeit“: Bischof Bätzing hat Priester trotz Belästigungsvorwürfen befördert
  4. 11,2 Milliarden Euro als Ablösesumme für die Kirchen in Deutschland
  5. USA: Demokratin Nancy Pelosi von der Heiligen Eucharistie ausgeschlossen
  6. Wenn Jesus gar kein Thema mehr ist
  7. Deutsch-synodale Desorientierung durch Neu-Lehre zu Bibel und Zeitgeist
  8. Papst ruft zum weltweiten Rosenkranz für die Ukraine auf
  9. Modehaus Gucci für ‚Recht auf Abtreibung’
  10. Trierer Bischof Ackermann wurde von Pfarrei von der Firmung ausgeladen
  11. Kardinal Woelki lieber bei Familien als beim „Katholiken“-Tag
  12. Warum sollte man in der Kirche bleiben?
  13. Überraschung für eine "kleine Zeitung" – ein Pfarrer ist katholisch!
  14. Oklahoma: erster US-Bundesstaat hat Totalverbot von Abtreibungen eingeführt
  15. Forum Deutscher Katholiken: "Synodaler Weg" hat rigoros alle Einwände arrogant abgewiesen

Vor 75 Jahren machte die SS Razzia auf die Juden Roms

7. Oktober 2018 in Chronik, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Auch in Rom wurde im Herbst 1943 Jagd auf die jüdische Bevölkerung gemacht - Weil die Pläne im Vorfeld durchsickerten, konnten zahlreiche Menschen vor Verfolgung gerettet werden - Kathpress-Hintergrundbericht von Johannes Schidelko.


Rom (kath.net/ KAP)
Am frühen Morgen des 16. Oktober 1943 stürmte die deutsche SS das jüdische Ghetto in Rom. Alle Zugänge wurden abgeriegelt, bewaffnete Einheiten durchkämmten das winkelige Viertel am linken Tiberufer. Die jüdische Bevölkerung wurde auf die Straße gejagt: Binnen 20 Minuten mussten sich alle mit einem Koffer und Verpflegung für acht Tage zum Abtransport einfinden. Um 14 Uhr waren 1.259 Menschen auf dem Platz vor dem antiken Torbogen der Ottavia zusammengetrieben, 363 Männer und 896 Frauen.

Sie wurden zunächst in eine italienische Militärkaserne auf der anderen Tiberseite verbracht. Tags drauf kamen 252 wieder frei: "arische" Ehepartner und Hausangestellte. Die übrigen wurden in 18 Viehwaggons verladen und gelangten über Florenz, den Brenner, Passau und Hof eine Woche später nach Auschwitz. Von den gut 1.000 römischen Juden kehrten nur eine Frau und 14 Männer zurück.

Dabei waren die Juden Roms zunächst vor dem Schlimmsten verschont geblieben: Mussolinis Rassengesetze von 1938 verwehrten ihnen zwar den Zugang zu Schule, Militär und öffentlichem Dienst, aber es gab kaum physische Bedrohung. Das änderte sich mit der Kapitulation Italiens am 8. September 1943, seinem Frontenwechsel hin zu den Alliierten und der deutschen Besatzung. Wenige Tage später gab Reichsführer-SS Heinrich Himmler seinem römischen Statthalter Herbert Kappler telefonisch den Befehl, die "Endlösung" auch in Italien baldmöglichst durchzuführen. Allerdings ließ sich auch damals in Rom nicht alles mit deutscher Perfektion erledigen - ein Umstand, der manchem das Leben rettete. Die Planung der Razzia ließ sich nicht ganz geheim halten.


Ein anderer glücklicher Umstand war, dass Kappler der italienischen Polizei misstraute. Er verließ sich nur auf die 365 SS-Leute, mit der Folge, dass die Absperrungen an etlichen Stellen durchlässig waren. Manche Juden wurden rechtzeitig gewarnt. Allerdings holten SS und Gestapo in den folgenden Wochen manches nach, was sie beim ersten Mal nicht schafften: Einzeln oder in kleinen Gruppen wurden weitere 1.000 Juden gefasst und abtransportiert, nicht aber die erwarteten 6.000.

Dem Vatikan wurde später der Vorwurf gemacht, er habe auf die Juden-Deportation nicht reagiert. Die vom Vatikan freigegebenen Akten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs belegen für die Tage um den 16. Oktober 1943 hektische Aktivität der vatikanischen Diplomatie und anderer kirchlicher Stellen. Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione rief sofort den deutschen Vatikan-Botschafter Ernst von Weizsäcker zu sich, bat ihn, zugunsten der Betroffenen zu intervenieren und stellte einen öffentlichen Protest in Aussicht.

Aber Weizsäcker warnte vor den Konsequenzen eines solchen Schrittes. Ein öffentlicher Protest seitens des Heiligen Stuhls unterblieb. Allenfalls wiederholte die Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" wenig später demonstrativ den Hilfsappell des Papstes für alle Kriegsopfer, "unabhängig von der Nationalität, der Religion und der Rasse".

Allerdings blieben der jüdischen Gemeinde Roms weitere große Razzien erspart. In einem Bericht von Ende Oktober 1943 an die Zentrale in Berlin schrieb von Weizsäcker, dass es in Rom fortan "zweifelsohne" keine Razzien mehr geben werde. Bis zum Ende der deutschen Besetzung Roms im Juni 1944 wurden insgesamt 2.091 römische Juden in die nationalsozialistische Konzentrationslager deportiert. Viele andere konnten der Verfolgung entkommen. 155 römische Klöster nahmen auf Anordnung des Papstes Flüchtlinge auf, öffneten ihre Klausuren, versteckten ganze Familien, darunter viele Juden. Priester boten Unterschlupf in Pfarrhäusern und Kirchen oder verhalfen zur Flucht. Auch der Vatikan bot Tausenden Obdach.

Auch nach 75 Jahren ist im historischen Ghetto um die Große Synagoge die Erinnerung an jenen 16. Oktober noch wach. In dem Viertel erinnern ein Museum, Ausstellungen, Gedenktafeln und Monumente an die Deportation und die Opfer der Barbarei. Und nicht nur zu den Jahrestagen mahnen Politiker, Rabbiner und auch Päpste, dass sich die unsägliche Schandtat der Schoah nie wiederholen dürfe.

Copyright 2018 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 mhesemann 8. Oktober 2018 
 

Der Papst selbst intervenierte!

Nicht durchlässige Stellen (obwohl es diese auch gab) waren der Grund, weshalb die von Eichmanns "Judenexperten" Dannecker (und nicht etwa von Kappler) durchgeführte "Judenaktion" von Rom "nur" zur Deportation von 1007 statt der im Befehl ausdrücklich genannten 8000 römischen Juden führte, sondern eine Intervention Pius XII.! Nachdem der diplomatische Weg über Botschafter v. Weizsäcker erfolglos blieb, schickte er seinen Neffen Carlo Pacelli zu dem österreichischen Bischof Hudal, der über einen guten Draht zu den deutschen Besatzern verfügte und ließ ihn einen Brief an Stadtkommandant Gen. Stahel aufsetzen, der wiederum Himmler anrief - mit dem Erfolg, dass die Aktion gestoppt wurde. Als die Nazis später erfuhren, dass der Papst dahinter steckte, wurde Stahel an die Ostfront versetzt. Jetzt aber konnte der Vatikan die Juden verstecken - in über 200 römischen Klöstern und im Kirchenstaat selbst. Mehr dazu in meinem neuen Buch "Der Papst und der Holocaust"...


5
 
 Devi 7. Oktober 2018 
 

Papst Pius d.12.von Devi

Wie ist es möglich gewesen, dass gerade Papst Pius so verleugnet wurde? Als er starb haben viele Menschen um ihn getrauert. Auch unser Bundeskanzler Brand hat ihn in seiner Beileidsrede sehr gewürdigt.Papst Pius hatte durch eine neu gegründete Untergrundbewegung viele Juden retten können, Zu dieser geheimen Bewegung gehörte auch der Priester Kentenich. Herr Hochhut müsste öffentlich angeklagt werden. Auch meine Kinder mussten sich durch die Schule diese Verleugnung von Hochhut ansehen.
Der Stellvertreter ist ein Stück der Unkenntnis.Es wird Zeit endlich die Wahrheit öffentlich zu machen. Es waren Deutsche die dieses unendliche Leid der jüdischen Bevölkerung angetan haben.
Auf keinen Fall dieser wunderbare Papst.


4
 
 girsberg74 7. Oktober 2018 
 

Hochmut versus Pius XII. ?

Was bleibt nach dieser schon immer bezeugten Geschichte übrig? -

Alles „stellvertretende“ Lüge, ertragreich für den, der sie für seine Klientel komponiert hat.

Wahrheit besiegt Lüge. Es bedarf nur eines offenen Herzens.


4
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Rom

  1. Römische Politiker sprechen mit Papst über Hilfe für Bedürftige
  2. Die „Spina di Borgo“, Palazzo Cesi – von der Renaissance zum Zufluchtsort für die Juden
  3. Die „Spina di Borgo“, der Passetto, der als „Corridore“ (Fluchtweg) fungierte
  4. Die „Spina di Borgo“, die Kirche der „Madonna delle Grazie“ und die Marienikone
  5. Rom sagt Veranstaltungen zum Stadtfest Peter und Paul ab
  6. Um 5.03 Uhr schreckte ein Erdbeben die Bewohner Roms auf
  7. Kirchensperre missachtet: ‚Zuhause muss für Kinder immer offen sein’
  8. Papstsekretär: Menschen werden Kirche verlassen, die sie allein lässt
  9. Römische Begegnungen
  10. Kirche im Zentrum Roms eingestürzt







Top-15

meist-gelesen

  1. Kommen Sie mit! kath.net-Leserreise nach Fatima und auf die Azoren - Oktober 22
  2. Überraschung für eine "kleine Zeitung" – ein Pfarrer ist katholisch!
  3. Wenn Jesus gar kein Thema mehr ist
  4. „Zeit“: Bischof Bätzing hat Priester trotz Belästigungsvorwürfen befördert
  5. Deutscher 'Katholikentag'-Skandal - Eucharistie für eine Muslima
  6. Warum sollte man in der Kirche bleiben?
  7. 11,2 Milliarden Euro als Ablösesumme für die Kirchen in Deutschland
  8. „Die Kirche schafft sich ab – für 11 Milliarden“
  9. Kardinal Woelki lieber bei Familien als beim „Katholiken“-Tag
  10. USA: Demokratin Nancy Pelosi von der Heiligen Eucharistie ausgeschlossen
  11. Trierer Bischof Ackermann wurde von Pfarrei von der Firmung ausgeladen
  12. Warum Christen nicht zu Starbucks gehen sollten
  13. Forum Deutscher Katholiken: "Synodaler Weg" hat rigoros alle Einwände arrogant abgewiesen
  14. Deutsch-synodale Desorientierung durch Neu-Lehre zu Bibel und Zeitgeist
  15. Hitze und Flüssigkeitsmangel – Minstranten kollabieren bei Ministrantentag

© 2022 kath.net | Impressum | Datenschutz