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Alles scheint so vergebens und doch müssen wir weiter streiten

28. Mai 2018 in Kommentar, 50 Lesermeinungen
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"Die Wahrheit wird am Ende immer wieder über Barbarei siegen. Doch die, denen sie anvertraut ist, die Christen, müssen sie hüten. Das gilt heute nicht weniger als im antiken Rom." Der Montagskick von Peter Winnemöller zur Todesabstimmung in Irland


Irland (kath.net/pw)
„Manchmal“, so kommentierte eine Nutzerin im Facebook unter einem Posting zum irischen Abtreibungsreferendum, „glaube ich, wir beten vergebens.“ Das klingt sehr krass und sehr verzweifelt. Wer sich bioethische und lebensrechtliche Entscheidungen in Politik und Justiz aus den letzten Jahren ansieht, könnte solch einen Eindruck gewinnen.

Neu geschaffenen bioethische Rechtsnormen entsprechen durch die Bank nicht im mindesten katholischen Moralvorstellungen. Seit rund drei Jahrzehnten bekommen wir kein Gesetz in diesem Sektor, in dem sich die Sicht der Kirche insbesondere zum Schutz des menschlichen Lebens von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende hätte umsetzen lassen. Dabei ist es ganz gleich, ob es um Abtreibung, um offene oder verdeckte Sterbehilfe oder um den Schutz menschlicher Embryonen vor Forschung und wirtschaftlicher Verwertung geht. Weitreichende Eingriffe in die menschliche Keimbahn sind inzwischen keineswegs mehr das Tabu, welches sie sein sollten. Ganz gleich, in welchen Bereich wir schauen, wir verlieren immer mehr Terrain.

Dabei bedeutet „verlieren“ nicht, was es im Sinne eines Wettbewerbs gleichrangiger Möglichkeiten bedeuten könnte. Wir verlieren tatsächlich etwas, was wir danach nicht mehr haben. Es geht natürliche Humanität verloren, wenn man Humanität als von Gott gegebene Fähigkeit mit dem anderen Menschen zu fühlen auffasst. Diese Art Humanität, die eben mit dem kleinen, im Mutterleib heranwachsenden Menschen ebenso fühlt, wie mit dem sterbenden Greis, geht mit jeder Entscheidung gegen das Leben im Großen wie im Kleinen ein Stück mehr verloren.


Nun ist von dieser Kontinentalplatte humanistischen Denkens und Handelns in Europa wieder ein Stück zerbröselt, indem per Referendum in Irland nun eine Gesetzgebung geschaffen werden wird, die Abtreibungen ermöglichen soll. Die Geschichte hat gezeigt, dass solche Fehlsteuerungen sehr wohl auch rückgängig gemacht werden können. Es geschieht selten, doch es passiert. Deshalb sollten wir auch im politischen Kampf bei aller Vergeblichkeit nicht aufgeben oder resignieren, selbst wenn es zuweilen so ermüdend sinnlos scheint.

Selbst in einer Gesellschaft, die in wildeste Barbarei zurückgefallen wäre, bräuchte es die, die um das Gute, das Wahre und das Schöne wissen. Es braucht die, die danach handeln, auch wenn die ganze Welt gegen sie ist. Dazu gehört unbedingt das Wissen um dem Wert des menschlichen Lebens. Zuweilen geht es in unseren Tagen in unseren Breiten nur noch darum, diese Wahrheit über den geistigen Winter, jene grausige Nacht der Barbarei, zu bringen, in die Europa und weite Teile der westlichen Welt zu fallen drohen.

Die Wahrheit wird verdreht: Das Übel kommt als das Gute daher und zeiht das Gute und Wahre der Lüge. Man wirft den Schützern des Lebens vor, die Menschen einer Freiheit zu berauben. Jeder Streiter für das Leben muss sich vorwerfen lassen, Freiheiten zu verhindern oder eben Frauen unterdrücken zu wollen. Es ist zuweilen kaum mehr möglich, sich angemessen zur Wehr zu setzen, weil man gegen die Agenda eines linkselitären Mainstreams streitet, der längst die Lufthoheit über das gedachte und erst recht über das geschriebene Wort erlangt hat.

Dennoch! Es gilt dem zu widerstehen und hier wie auch in anderen Bereichen die Rolle der gesellschaftlichen Minderheit zu akzeptieren. Die Weigerung, an Abtreibungen mitzuwirken, kann schon heute zu Ausgrenzung und Diskriminierung führen. Solchen faktischen Ausschluss von bestimmten Berufen gibt es bereits. Da wirkt, nebenbei bemerkt, eine allzu hochtrabende Ablehnung der Thesen der „Benedikt Option“ geradezu lächerlich, weil sie schon per Zwang von außen beginnen sich zu verwirklichen.

Es wird jedoch genau diese Klarheit sein, die der Welt das Christentum als eine gangbare Alternative zeigen wird. Schon einmal rieb man sich in Europa verwundert die Augen, weil es in der untergehenden Welt der Spätantike eine Gruppe gab, die ihre Kinder nicht tötete und die sich der Kranken annahm und sogar Spitäler baute.

Die Wahrheit wird am Ende immer wieder über die Barbarei siegen. Doch die, denen sie anvertraut ist, die Christen, müssen sie hüten. Das gilt heute nicht weniger als im antiken Rom. Und aus diesem Grund ist kein Gebet vergebens.

Archivfoto Peter Winnemöller



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