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Josef Seifert und die ‚moraltheologische Atombombe’ in Amoris laetitia

8. September 2017 in Weltkirche, 30 Lesermeinungen
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Das nachsynodale päpstliche Rundschreiben könnte die gesamte katholische Moraltheologie ins Wanken bringen, wenn man das Dokument logisch weiter denkt, sagt der Philosoph.


Granada (kath.net/LSN/jg)
Der österreichische Philosoph Josef Seifert hat in einem ausführlichen Interview mit Dr. Maike Hickson für den Blog One Peter Five zu seiner Kritik am päpstlichen Rundschreiben „Amoris laetitia“ Stellung genommen (siehe Link am Ende des Artikels). Seifert ist deswegen von Javier Martinez Fernandez, dem Erzbischof von Granada, pensioniert worden. kath.net hat hier berichtet: Erzbischof von Granada schickt Josef Seifert in den Ruhestand

Nach seinem ersten Artikel zu „Amoris laetitia“ im August 2016 seien neue Aspekte in die Diskussion um das päpstliche Schreiben eingebracht worden. Dies habe ihn veranlasst, das Dokument und seine Position dazu neu zu überdenken. Im Zuge dessen sei ihm ein Problem bewusst geworden, das noch viel mehr Gewicht habe, als die in seinem ersten Aufsatz behandelten, sagt Seifert.


Die Konsequenzen von „Amoris laetitia“ könnten viel weiter gehen, als alle angenommen hätten, die sich an der Debatte beteiligten und die gesamte katholische Morallehre auf den Kopf stellen. So sei der von ihm verwendete Begriff der „moraltheologischen Atombombe“ zu verstehen. Aus Pflicht gegenüber dem Papst und der Kirche, sagt Seifert, habe er das Problem als Frage formuliert, um dem Papst die Möglichkeit zu geben, diese Gefahr durch eine Klarstellung zu beseitigen.

Er charakterisiert das Problem, das sich aus AL 303 ergibt, wie folgt: „Wenn unser Gewissen erkennen (und nicht nur irrtümlich meinen) kann, dass Gott in einer bestimmten Situation will, dass wir in sich schlechte, ehebrecherische oder homosexuelle Akte setzen, dann muss die reine Logik die Konsequenz ziehen, dass das gleiche auf Verhütung (Humanae vitae), Abtreibung und alle anderen Handlungen zutrifft, welche die Kirche und die göttlichen Gebote ‚absolut’ ausgeschlossen haben.“ Das seien die Konsequenzen einer teleologischen Ethik, welche Papst Johannes Paul II. klar und endgültig in den Enzykliken „Veritatis splendor“ und „Evangelium vitae“ ausgeschlossen habe.

Das gesamte Gebäude einer absoluten Ethik, die vor Christus bereits von Sokrates und Cicero gelehrt worden sei und die im Alten und im Neuen Testament verkündet werde, gerate ins Wanken, nur wenn man logische Schlussfolgerungen auf diese Aussage von „Amoris laetitia“ anwende, warnt der Philosoph.


Link zum Interview mit Josef Seifert (englisch):

onepeterfive.com


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