Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Marx ärgert sich über die "Reaktionären" und "Stimmungsmache"
  2. Konsekrierte Hostien an Hunde verfüttert: Keine Konsequenzen im Bistum Chur
  3. Kardinal Marx und das öffentlich gewordene Geheimdekret
  4. Insider: Vatikan bereitet sich auf Folgen der Bischofsweihen der Piusbruderschaft vor
  5. Kardinal Marx unter Druck: Zwischen grober Fahrlässigkeit und dem Vorwurf der Vertuschung
  6. „Gott und sein Gesetz sind wichtiger als menschliche Vereinbarungen und Macht“
  7. Bischof der Herzen – Walter Mixa wurde 85
  8. Goldenstein-Nonnen doch in Rom? Propst in Sorge
  9. Back to the future: Durch den Traditionalismus zur Gendergerechtigkeit
  10. Goldenstein-Nonnen: Verstimmung um nun doch durchgeführte Romreise
  11. „Theologische Katastrophe“: Massive Kritik am Erprobungsband des neuen evangelischen Gesangbuchs
  12. Schisma auf leisen Sohlen
  13. Erzbischof Sheen warnte bereits 1965 vor falschem Mitgefühl
  14. Die Messe in der außerordentlichen Form kehrt nach Santa Maria Maggiore/Rom zurück
  15. Jesus ist lebendige Gegenwart

Gefährliche Gedanken

25. April 2017 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Den zunehmenden Ruf nach Verboten in unseren Ländern finde ich unheimlich - Diakrisis am Dienstag - Von Giuseppe Gracia


Linz (kath.net)
Das Verteilen von Gratisexemplaren des Koran durch die Aktion „Lies!“ ist in Deutschland verboten. In Österreich ist es bewilligungspflichtig, wobei auch das neue Integrationsgesetz strenger ist und ein Verbot der Vollverschleierung mit sich bringt. Auch in der Schweiz will die SVP (Schweizerische Volkspartei) ein Koranverteil-Verbot.

Persönlich habe ich nichts übrig für Islam-Machos, die ihren Traum vom Harem mit Gott verwechseln. Aber ich halte auch nichts von Bücherverboten. Den zunehmenden Ruf nach Verboten in unseren Ländern finde ich unheimlich. Ich will keinen Staat als Weltanschauungs-Polizei und als Schiedsrichter über religiöse Fragen, sei es nun in Bezug auf den Islam, auf Christen oder Juden. Ich will vor Kriminellen geschützt werden, aber nicht vor gefährlichen Gedanken, vor unerwünschten Glaubensgemeinschaften oder vor Äusserungen im Internet, ob das nun Populismus, Fake News oder Hate Speech genannt wird.


Gewisse Universitäten bieten ihren Zöglingen inzwischen sogar eine „Comfort Zone“, in der es verboten ist, überhaupt etwas zu äussern, das irgendwie jemanden beleidigen oder verletzen könnte. Selbst ein Gespräch übers Wetter kann da schnell heiss werden, wenn jemand zum Klimawandel die falsche Ansicht äussert. Dieses Phänomen passt gut zur allgemeinen Herrschaft der politischen Korrektheit, die dafür sorgt, dass kaum noch jemand ehrlich sagt, was er denkt, erst recht nicht bei öffentliche Debatten. Wer vertritt noch klare, angreifbare Positionen? Wer will auch den Andersdenkenden verstehen und verteidigt dessen Recht auf eine ganz andere Sicht der Dinge? Wer liefert sich einem wirklichen Wettbewerb der Ideen und Alternativen aus? Lieber setzt man auf risikofreie Schwafeleien und, wenn es ernst wird, auf das Schlechtmachen der Gegenseite: Sexist, Rassist, Volksfeind, Klimaleugner, Abtreibungshasser.

Natürlich muss eine liberale Gesellschaft Grenzen setzen. „Keine Toleranz für Intolerante“ ist ein guter Spruch. Doch wer entscheidet im konkreten Fall, was intolerant ist und zensiert werden darf? Der bekannte US-Intellektuelle Noam Chomsky geht da sehr weit. Er hält die Meinungsfreiheit für so zentral, dass er sie öffentlich sogar für Holocaust-Leugner hochhält. Ich finde Holocaust-Leugner unerträglich. Doch ich stehe zur Grundhaltung des Westens: „Wir schützen die individuelle Freiheit des Bürgers und schreiben niemandem das rechte Leben oder die richtige Meinung vor. Wir verzichten auf staatliche Programme der Erziehung und Volksgesinnung.“ Das war immer ein Bollwerk gegen religiöse oder atheistische Diktaturen, die eine ganz andere Leitlinie haben: „Wir kennen das richtige Leben für alle. Wir wissen, mit welchen Ansichten unsere Bürger am glücklichsten werden. Unsere Gesinnungsprogramme dienen einem gesunden Volkskörper.“

Inzwischen habe ich das Gefühl, dass zumindest Europa seine liberale Grundhaltung nicht mehr verteidigt. Und dass am Ende auch für uns gelten wird, was Tolstoi bereits 1902 in seinem Tagebuch festhielt: „Die Menschen wollen Freiheit, doch um sie zu erreichen, begeben sie sich in die Sklaverei der Institutionen, der sie nie wieder entrinnen.“

Giuseppe Gracia (49) ist Medienbeauftrager des Bistums Chur und Schriftsteller www.giuseppe-gracia.com


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Diakrisis

  1. Moderne Gnosis
  2. Polens Kirche und ein Geheimtipp
  3. Kann denn Lachen Sünde sein?
  4. Maskenzeit
  5. Die Kirche der Narren?
  6. Sternenlicht aus Bethlehem: eine Sehnsucht für 2018
  7. Das Christentum kennt keine Speiseverbote
  8. Die Kraft des Wortes
  9. Der Islam stellt eine Bedrohung für unseren freiheitlichen Staat dar
  10. Die „Homo-Ehe“ und der Grenzverlust







Top-15

meist-gelesen

  1. Große SIZILIEN-Rundreise mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  2. Kardinal Marx und das öffentlich gewordene Geheimdekret
  3. Marx ärgert sich über die "Reaktionären" und "Stimmungsmache"
  4. Kardinal Marx unter Druck: Zwischen grober Fahrlässigkeit und dem Vorwurf der Vertuschung
  5. Konsekrierte Hostien an Hunde verfüttert: Keine Konsequenzen im Bistum Chur
  6. Back to the future: Durch den Traditionalismus zur Gendergerechtigkeit
  7. Bischof der Herzen – Walter Mixa wurde 85
  8. „Theologische Katastrophe“: Massive Kritik am Erprobungsband des neuen evangelischen Gesangbuchs
  9. Das Vermächtnis eines Sterbenden
  10. Insider: Vatikan bereitet sich auf Folgen der Bischofsweihen der Piusbruderschaft vor
  11. Goldenstein-Nonnen doch in Rom? Propst in Sorge
  12. Was Kardinal Marx meint und was das Zweite Vatikanische Konzil lehrt
  13. Die Messe in der außerordentlichen Form kehrt nach Santa Maria Maggiore/Rom zurück
  14. Goldenstein-Nonnen: Verstimmung um nun doch durchgeführte Romreise
  15. Streit um Notre-Dame eskaliert: Macron forciert moderne Glasfenster gegen massiven Widerstand

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz