Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  2. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  3. These: Der dreifaltige Gott soll in der Liturgie der Messe verkündet werden
  4. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  5. Vatikan dementiert Bericht über Abweisung Macrons durch den Papst
  6. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  7. „Jesus ja, Kirche nein? – Das ist wie: ‚Ich bin für Fußball, aber gegen Fußballvereine‘“
  8. Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet
  9. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  10. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  11. US-Vizepräsident Vance wird erneut beim „March for Life“ teilnehmen und sprechen
  12. Eine unerträgliche Verharmlosung des tatsächlichen NS-Unrechts!
  13. USA: Breite Mehrheit für Massenabschiebungen – Neue Umfragen stützen Trump-Kurs
  14. „Catholic Herald“: „Irlands schwindende Familien“
  15. "Ich glaube, dass Gott das erste Selfie geschossen hat.“

Die Kraft des Wortes

2. Jänner 2018 in Kommentar, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Bei vielen Initiativen, die auf das Wort setzen, fehlt die Vision. Und zwar eine Vision, die auf Wahrheit und Vollmacht gründet - Diakrisis am Dienstag von Stefan Meetschen


Linz (kath.net)
Bücher, Zeitschriften, Zeitungen haben mich schon früh fasziniert. Ebenso Filme und Theateraufführungen. Das geschriebene und gesprochene Wort – ich habe ihm stets eine besondere Kraft zugeordnet, weil ich den Versuch bemerkenswerte finde, die innere und äußere Welt des Menschen zu beschreiben, die Wahrheit so gut und klar wie möglich auszudrücken. Doch auch die Grenzen menschlicher Worte waren mir früh bewusst. Werbung fand ich aufgrund ihres manipulativen Charakters nie besonders anregend, auch spröde Bedienungsanleitungen (für technische Geräte) oder Predigten (über Gott und die Welt) haben mich selten vom Hocker gerissen. Ich fand das Reden oder Gerede über Gott – angelehnt an eine Einschätzung Cees Nootebooms – stets ein wenig „prätentiös“. Gott ist ein Geheimnis. Und worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man, wie wir spätestens sein Wittgenstein wissen, lieber schweigen.

Gerade in der heutigen Zeit erlebt man aber ein großes Reden über das Geheimnis, was oft mit dem Hinweis auf den Dienst der Neuevangelisierung untermauert wird. Der Vatikan hat erst kürzlich eine eigene (wie ich finde, etwas unübersichtliche) Nachrichten-Website eröffnet, private Initiativen treten mit Blogs („First things“) oder massivem Social Media Einsatz auf die digitale Bühne. Ich kann das verstehen, aber begeistert bin ich darüber nicht.


Ist es nicht so, dass die Menschen sowieso schon „zugemüllt“ sind mit unzähligen Informationen und Angeboten? Müssen jetzt auch noch religiöse Menschen in diesem „Kommunikations“-Wahnsinn mitschwimmen? Ich weiß: es gibt viele Argumente dafür, und vollkommen von der digitalen Bildfläche zu verschwinden, um dem Quietismus zu frönen, ist sicherlich (gerade unter missionarischen Gesichtspunkten) keine Alternative – ich frage mich jedoch, ob man mit all diesen Aktivitäten wirklich Menschen, die auf der Suche sind, erreicht und anspricht, oder ob viele Initiativen sich nur darum drehen, dass man innerhalb der eigenen kleinen Milieu-Blase Aktivismus demonstriert.

Ich gestehe, ich habe darauf keine Antwort. Ich spüre bei mir nur eine zunehmende Müdigkeit aufsteigen, wenn ich von neuen christlichen Initiativen oder Produkten höre. Etwas scheint zu fehlen. Aber was?

Ich glaube, bei vielen Initiativen, die auf das Wort setzen, fehlt die Vision. Und zwar eine Vision, die auf Wahrheit und Vollmacht gründet. Wenn wir uns die Apostelgeschichte ansehen, so erkennen wir, dass die ersten Nachfolger Christi ihre Missionserfolge genau diesen Werten verdanken. Egal ob es bequem oder unbequem war, sie erzählten von Jesus Christus, dem sie persönlich begegnet waren. Sie gaben Zeugnis ab, und dabei formierten sich die ersten Gemeinden. Dieses verbale Zeugnis – sei es in Briefen oder mündlich – wurde grundiert durch Zeichen und Wunder, übernatürliche Gnadenerweise. Sie hielten keine Predigt über die Politik der Römer und soziale Gerechtigkeit – ihr wichtigstes, ganz konkretes menschliches Anliegen, war die Rettung der Seelen ihrer Zuhörer. Auch zu abstrakte theologische Reflexionen waren dabei nicht dienlich. Stattdessen wurden die Feinde und Gefahren des Glaubens klar benannt. Begleitet von ehrwürdigen Riten und Symbolhandlungen, die in der jüdischen Tradition Jesu standen und zur Corporate Identity der Kirche wurden. Ohne falsche Anthropozentrik.

Dürfen Geistliche in der Katholischen Kirche heute eigentlich noch so predigen wie die ersten Apostel? Dürfen sie in und mit der Kraft des Heiligen Geistes evangelisieren? Steht Christus als der Gekreuzigte und Auferstandene, so wie damals, heute im Zentrum der Verkündigung?

Zweifel sind wohl erlaubt. Was besonders bedrückend ist, wenn man die Ergebnisse aktueller Umfragen bedenkt. Die Menschen wünschen sich offensichtlich wieder ein christlicheres Europa – auch in Abgrenzung zu terroristischen und ideologischen Attacken, welche die Bürger des Kontinents bedrohen. Wo sind die Kirchenverantwortlichen, die darauf mit Mut und Klugheit, Wahrheit und Vollmacht reagieren? Gibt es keine tatsächlich keinen Kardinal Stefan Wyszynski (1901-1981) mehr, keinen Erzbischof Johannes Dyba? Keinen Bernhard von Clairvaux? Schwer vorstellbar, dass mit dem letzten Konzil die großen katholischen Persönlichkeiten ausgestorben sein sollen.

Wie gesagt: Worte sind etwas Fragiles, und das Reden über Gott kann sehr schnell prätentiös werden - seien die Worte, die man mit ihm verbindet, auch noch so poetisch und schön gewählt. Doch darum geht es nicht. Das, was die Menschen aus meiner Sicht brauchen, wonach sie dürsten, sind prophetische Zurufe. Vollmächtige Wörter, die durch Leib und Seele gehen und das Leben transformieren. Von Menschen gemachte Worte gibt es genug.

Ich wünsche uns allen zum Neuen Jahr, dass wir die Kraft des Wortes, das am Anfang stand und stehen sollte, neu entdecken - im Einklang mit der Tradition der Kirche, den ersten Aposteln.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Diakrisis

  1. Moderne Gnosis
  2. Polens Kirche und ein Geheimtipp
  3. Kann denn Lachen Sünde sein?
  4. Maskenzeit
  5. Die Kirche der Narren?
  6. Sternenlicht aus Bethlehem: eine Sehnsucht für 2018
  7. Das Christentum kennt keine Speiseverbote
  8. Der Islam stellt eine Bedrohung für unseren freiheitlichen Staat dar
  9. Die „Homo-Ehe“ und der Grenzverlust
  10. Katholische Heimatlosigkeit?






Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. „In Deutschland tobt derzeit ein Kirchenkampf“ - Droht ein Schisma?
  3. Debatte um Leitung der Deutschen Bischofskonferenz - Lehramtstreue Bischöfe als „Königsmörder“?
  4. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  5. Erzbistum Paris beruft angesichts der boomenden Konversionen eine Kirchenversammlung ein!
  6. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  7. Kardinal Woelki zur Polarisierung in der Bischofskonferenz: „Diese Situation ist belastend“
  8. Kardinal Zen: Papst Leo „ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!“
  9. Katholikin Eva Vlaardingerbroek verliert Einreiseerlaubnis nach Großbritannien
  10. Josef Grünwidl ist neuer Erzbischof von Wien
  11. Ein neuer Beginn in der DBK ist möglich
  12. Papst Leo sendet kraftvolle Grußbotschaft an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“/Washington
  13. „Papst Leo XIV. stellt in allen seinen Predigten und Ansprachen immer Jesus Christus in die Mitte“
  14. Sterilisationen, schlechte Lebensbedingungen: Grönländer kritisieren dänische Herrschaft
  15. Maria 1.0: Immer wieder Deutschland - „Deutsch-Synodale“ Reformatoren schaffen Realität

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz